Corona-Impfstoff Biontech erhöht Produktionsziel auf zwei Milliarden Impfdosen

Der Impfstoffpionier Biontech macht Hoffnung, dass die Produktion 2021 noch deutlich gesteigert werden kann. Mithilfe externer Partner setzt die Mainzer Firma ihr Jahresziel um die Hälfte herauf.
Begehrte Dosen: Fläschchen mit dem Impfstoff von Biontech und Pfizer in israelischem Gesundheitszentrum

Begehrte Dosen: Fläschchen mit dem Impfstoff von Biontech und Pfizer in israelischem Gesundheitszentrum

Foto: JACK GUEZ / AFP

Das Mainzer Biotechunternehmen Biontech hat die Produktionsprognose für seinen Covid-19-Impfstoff Comirnaty für dieses Jahr deutlich angehoben. Biontech gehe nun von einer Produktionskapazität von zwei Milliarden Impfdosen aus, teilte Firmenchef Uğur Şahin (55) am Montag in einer Präsentation  vor einer Investorenkonferenz mit.

Bislang hatten Biontech und sein US-Partner Pfizer bis zu 1,3 Milliarden Dosen bis Ende des Jahres angepeilt. "Wir glauben nun, dass wir potenziell bis zu annähernd zwei Milliarden Dosen insgesamt bis Ende 2021 liefern können", präzisiert das Unternehmen in Şahins Präsentation.

Das neue Ziel schließe die Erlaubnis ein, aus einem Fläschchen sechs statt fünf Spritzen zu füllen. Biontech lässt den Impfstoff großzügig abfüllen, damit er in jedem Fall für die vorgesehenen Dosen reicht. Wegen der weit verbreiteten Rufe nach einem schnelleren Start der Impfkampagne hat das Unternehmen inzwischen die Nutzung der überschüssigen Menge beantragt. Die europäische Arzneimittelagentur EMA gab in der vergangenen Woche umgehend grünes Licht dafür.

So kann Biontech mehr Impfstoffdosen anbieten, ohne mehr Fläschchen zu liefern. Im Idealfall würde das Angebot um 20 Prozent steigen, allerdings ist die Zusatzdosis längst nicht immer und überall möglich. Wie hoch Biontech den Beitrag dieser Maßnahme schätzt, geht aus der Präsentation nicht hervor.

Marburger Werk als "großer Wendepunkt"

Als "großen Wendepunkt" bezeichnet Biontech den Produktionsstart im neuen Marburger Werk, mit dem jetzt bis Ende Februar gerechnet werde. Im September 2020 hatte das Unternehmen, mit Kapital vom Bund ausgestattet, das für eine Produktionskapazität von 750 Millionen Dosen vorgesehene Werk vom Pharmakonzern Novartis übernommen und anschließend umgebaut.

Damit kommt die Allianz von Biontech und Pfizer bald auf sechs Produktionsstandorte: Pfizer fertigt den Impfstoff bislang in seinem belgischen Werk Puurs sowie den US-Werken Andover (Massachusetts), Kalamazoo (Michigan) und St. Louis (Missouri). Biontech nutzt bislang seine Zentrale in Mainz. In den bereits genutzten Fabriken werde man die Prozesse kontinuierlich verbessern und expandieren, verspricht Şahin.

Zusätzlich hänge die Prognose von zwei Milliarden Dosen aber auch davon ab, dass weitere Lieferanten und Auftragsfertiger gewonnen werden könnten. Unter anderem sollten lipide Nanopartikel als Grundstoff für die Produktion des Erbgutträgers mRNA und Abfüllkapazitäten extern gewonnen werden.

Komplett ausgebucht

Bis zum 10. Januar sind von dem Covid-19-Impfstoff, der inzwischen in mehr als 45 Ländern zugelassen ist, 32,9 Millionen Dosen ausgeliefert worden. 50 Millionen Dosen waren bis Ende 2020 vorproduziert und bereit zur Auslieferung nach Zulassung. "Da die Auslieferung bedarfsgerecht erfolgen soll, um die korrekte Lagerung sicherzustellen, haben wir noch nicht alle vorproduzierten Dosen ausgeliefert. Das hing mit den Zulassungen Ende Dezember zusammen", erklärte eine Biontech-Sprecherin. Die Lieferpläne seien mit den Ländern beziehungsweise der EU vereinbart worden.

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In der vergangenen Woche hatte die Europäische Union angesichts anhaltend hoher Corona-Neuinfektionen deutlich mehr Dosen von dem Impfstoff gesichert. Die Bestellung wurde auf bis zu 600 Millionen Einheiten verdoppelt. Dadurch steigt auch die Liefermenge für Deutschland. Die Lieferung der zusätzlichen Impfstoffdosen ist für das zweite Quartal 2021 geplant.

Die USA haben 200 Millionen Dosen Comirnaty bestellt, Japan 120 Millionen und China über die Partnerschaft von Biontech mit dem chinesischen Pharmaunternehmen Fosun 100 Millionen. Mit mehreren Aufträgen weiterer Länder war die bisher angepeilte Kapazität annähernd komplett ausgebucht.

US-Wettbewerber Moderna, dessen Impfstoff in den USA und Kanada bereits im Einsatz ist , beginnt an diesem Montag mit der Auslieferung in Europa. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (40, CDU) erwartet bis zum Ende des ersten Quartals aber nur mit knapp zwei Millionen Dosen des Moderna-Mittels für Deutschland, im Gesamtjahr mit 50 Millionen.

ak/Reuters