mRNA-Vakzine Biontech liefert Impfstoff-Produktionsanlagen nach Afrika

Viele Menschen in Afrika sind nicht gegen Covid-19 geimpft. Biontech will das ändern und liefert demnächst eigene Produktionsanlagen auf den Kontinent, mit denen mRNA-Vakzine hergestellt werden sollen – gegen Covid, und andere Krankheiten.
Faust drauf: Özlem Türeci und Ugur Sahin (M.) von Biontech begrüßen Nana Akufo-Addo, den Präsidenten Ghanas am Mittwoch in Marburg

Faust drauf: Özlem Türeci und Ugur Sahin (M.) von Biontech begrüßen Nana Akufo-Addo, den Präsidenten Ghanas am Mittwoch in Marburg

Foto: ANDRE PAIN / AFP

Biontech will im kommenden Jahr mit der Herstellung von Impfstoffen in Afrika starten. Der Aufbau der ersten mRNA-Produktionstätte soll Mitte 2022 beginnen, wie Biontech am Mittwoch mitteilte. Im zweiten Halbjahr dieses Jahres will das Mainzer Biotechunternehmen erste spezielle Container nach Afrika liefern, in denen die Produktion von Boten-RNA (mRNA) - die grundlegende Technologie für die Impfstoffe von Biontech - möglich sein soll. Der Produktionsbeginn wird zwölf Monate nach Lieferung der "Biontainer" an die endgültige Betriebsstätte erwartet.

Die von Biontech entwickelten Container sollen für die Herstellung verschiedener mRNA-Impfstoffe ausgerüstet sein wie für das Covid-19-Vakzin der Firma und ihres Partners Pfizer, aber auch für die Malaria- und Tuberkuloseimpfstoffe von Biontech, die noch in der Entwicklung sind. Biontech hatte im vergangenen Jahr angekündigt, den Aufbau einer mRNA-Impfstoffproduktion in Afrika zu planen. In Betracht wurden dafür Ruanda und Senegal gezogen. Mit der ruandischen Regierung und dem Institut Pasteur de Dakar aus dem Senegal unterzeichnete das Unternehmen dann im Oktober eine Absichtserklärung. Noch importiert Afrika 99 Prozent seiner Impfstoffe. Rund 11,5 Prozent der Menschen auf dem Kontinent sind laut dem Portal Our World in Data vollständig gegen Covid-19 geimpft.

Biontech präsentierte nun seine neuartige Produktionsanlage am Mittwoch auf dem Gelände seines Werkes im hessischen Marburg vor. Mit dabei waren unter anderem die Präsidenten von Ruanda, Ghana und Senegal - Paul Kagame, Nana Akufo-Addo und Macky Sall -, der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, der Direktor der afrikanischen Gesundheitsorganisation Africa CDC, John Nkengasong, sowie Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD). In Marburg wird seit rund einem Jahr Biontech/Pfizer-Corona-Impfstoff produziert.

Die Errichtung von mRNA-Produktionsanlagen in Afrika ist in den Partnerländern Senegal, Ruanda und gegebenenfalls Südafrika geplant, ein neues Projekt in Ghana soll die Herstellung mit Kapazitäten zur Abfüllung und Verarbeitung unterstützen.

Für seinen Covid-19-Impfstoff hatte das Unternehmen im vergangenen Sommer mit der südafrikanischen Biovac einen ersten Produktionspartner in Afrika gewonnen. Dieses wird aber nur den letzten Schritt übernehmen, also das Abfüllen und Verpacken. Die Wirkstoffsubstanz kommt in dieser Kooperation aus Europa.

Im "Biontainer" soll nun auch die Produktion der mRNA vor Ort möglich sein. Die Anlage besteht aus insgesamt zwölf Containern von je zwölf Metern Länge zur Herstellung des Wirkstoffs sowie des abfüllfertigen, formulierten Impfstoffs und soll zunächst eine Produktionskapazität von beispielsweise bis zu 50 Millionen Dosen des Covid-Impfstoffs pro Jahr haben. Die Abfüllung und Verpackung sollen Partner vor Ort übernehmen. Lokale Partner sollen auch die Infrastruktur bereitstellen. Biontech will die Produktionsstätten zunächst selbst betreiben, langfristig aber die Produktionskapazitäten und das Know-how weitergeben.

cr/Reuters, dpa-afx
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