Partnerfirma Fosun bestellt 100 Millionen Dosen Biontech liefert Impfstoff auch nach China

Der weltweite Run auf den Corona-Impfstoff von Biontech geht weiter. Jetzt kommt sogar eine große Bestellung aus China, wo längst mehrere Mittel aus eigener Produktion im massenhaften Einsatz sind.
Breites Angebot: Forscherin des chinesischen Impfstoffherstellers Sinovac - in China sind schon vier heimische Impfstoffe auf dem Markt, weitere kurz davor

Breites Angebot: Forscherin des chinesischen Impfstoffherstellers Sinovac - in China sind schon vier heimische Impfstoffe auf dem Markt, weitere kurz davor

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WANG ZHAO / AFP

Der Mainzer Pharma-Unternehmen Biontech hat nun auch mit China eine Auslieferung seines Corona-Impfstoffs vereinbart. Die Vereinbarung mit dem Partnerunternehmen Fosun Pharma sehe die Lieferung von 100 Millionen Dosen im kommenden Jahr vor und stehe noch unter dem Vorbehalt der Zulassung durch die chinesischen Behörden, gab Biontech am Mittwoch bekannt.

Zugleich zeichnet sich ab, dass Biontech bald seine Alleinstellung  als westlicher Hersteller eines zugelassenen Corona-Impfstoffs verliert. Die US-Arzneimittelbehörde FDA veröffentlichte am Dienstag und Mittwoch Dokumente, die das konkurrierende Mittel der US-Firma Moderna  als "hochwirksam" bestätigen. Damit dürfte einer Zulassung und Beginn der Impfung zum Wochenende kaum noch etwas im Weg stehen. Die Aktie von Biontech  gab am Montag im frühen Handel an der New Yorker Nasdaq um bis zu 7 Prozent nach.

Der chinesische Hersteller Fosun unterdessen zahlt der Vereinbarung zufolge 250 Millionen Euro an Biontech. Eine erste Tranche von 125 Millionen Euro wird den Angaben zufolge bei Lieferung der ersten 50 Millionen Dosen fällig, die zweite Rate solle überwiesen werden, sobald die chinesischen Behörden grünes Licht geben für den Impfstoff.

Die Chefs von Biontech und Fosun Pharma, Uğur Şahin (55) und Wu Yifang (51), erklärten, die gemeinsame Arbeit unterstreiche die Bedeutung von globaler Zusammenarbeit in der Forschung. "Unter der Voraussetzung, dass der Impfstoff sicher und wirksam ist, unterstützen wir aktiv die Vermarktung des Impfstoffs in China", erklärte der Fosun-Chef. Beide Unternehmen hatten bereits im März  eine strategische Zusammenarbeit zur gemeinsamen Entwicklung und Kommerzialisierung eines potenziellen Covid-19-Impfstoffs in China beschlossen, der auf der Technologie von Biontech beruht - einen Tag vor der Allianz von Biontech mit Pfizer für den Rest der Welt. Seitdem ist Fosun auch direkt an Biontech-Aktien beteiligt.

Auf den falschen Kandidaten gesetzt

Das in Shanghai ansässige Unternehmen und Biontech hatten am 24. November die Phase-2-Studie mit dem Biontech-Impfstoffkandidaten BNT162b2 in der chinesischen Provinz Jiangsu mit der Rekrutierung von 960 gesunden Probanden im Alter von 18 bis 85 Jahren begonnen. Die gesammelten Daten sollen einen künftigen Antrag auf Zulassung des Impfstoffs in der Volksrepublik unterstützen. Damit es schneller geht, setzt Fosun auch auf eine Brückenstudie, in der die klinischen Erkenntnisse aus dem Westen auch von China anerkannt werden. Ursprünglich hatte Fosun die Vermarktung eines anderen Biontech-Kandidaten, BNT162b1, geplant und dafür im Juli eine klinische Studie bei den chinesischen Behörden angemeldet - wenige Tage, bevor Biontech und Pfizer sich für das andere Mittel entschieden.

Lieferverträge für die geplante Produktion von 1,3 Milliarden Impfdosen bis Ende 2021 haben Biontech und sein US-Partner Pfizer mit mehreren Ländern abgeschlossen. In Großbritannien, wo das Mittel die erste Notzulassung erhielt, erhielten bereits mehr als 130.000 Menschen die erste von zwei Impfdosen. Inzwischen ist das Vakzin auch in den USA, Kanada, Mexiko, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain, Kuwait und Singapur zugelassen.

Auch mit der EU haben die beiden Unternehmen Liefervereinbarungen geschlossen. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte am Dienstag bekannt gegeben, dass sie am 21. Dezember ihr Gutachten zu dem Impfstoff abgeben will. Die offizielle Freigabe der EU-Kommission könnte dann am 23. Dezember folgen - eine Woche früher als geplant. Politiker wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (40, CDU) hatten ihren Unmut darüber geäußert, dass die Europäer länger auf das hier mit Staatshilfe entwickelte Mittel warten müssen als die Bewohner anderer Länder. Für Donnerstag ist eine Videokonferenz von Spahn, Bundeskanzlerin Angela Merkel (66), Forschungsministerin Anja Karliczek (49) und der Biontech-Spitze geplant.

In China selbst sind bereits seit dem Frühsommer vier verschiedene Impfstoffe aus heimischer Produktion im Einsatz. Anders als für Biontechs Vakzin liegen zwar noch keine abschließenden Ergebnisse der klinischen Studien vor. Der Einsatz wurde mit einer für ein Jahr befristeten Zulassung wegen besonderen medizinischen Bedarfs für ausgewählte Berufsgruppen wie Militärs oder Gesundheitsdienste sowie für Hochrisikogruppen trotzdem genehmigt.

Millionen Chinesen sind bereits geimpft

Allein die mehrheitlich staatliche Firma Sinopharm - mit Fosun als Großaktionär der börsennotierten Gesellschaft - hat ihre zwei von Instituten in Peking und Wuhan entwickelten Präparate nach eigenen Angaben bis November schon mehr als einer Million Menschen verabreicht. Auch bei den privaten Unternehmen Sinovac und Cansino Bio läuft das Massengeschäft. Im Dezember wurden für zwei weitere Impfstoffe chinesischer Institute die klinischen Studien der abschließenden Phase III begonnen.

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Diese Impfstoffprojekte gegen Covid-19 sind am weitesten

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China, wo das Coronavirus Sars-Cov-2 im Januar identifiziert und die genetische Information entschlüsselt wurde, startete zwar mit Vorsprung in die Entwicklung von Impfstoffen. Die konsequente Begrenzung der Infektionen seit dem Lockdown zum chinesischen Neujahrsfest sorgte jedoch dafür, dass die klinischen Studien im eigenen Land die Wirksamkeit der Mittel nicht ausreichend belegen können. Denn dafür muss sich eine große Zahl von Probanden der nicht geimpften Kontrollgruppe ungewollt mit dem Virus anstecken. Die chinesischen Hersteller testen ihre Vakzine daher auch in anderen Ländern.

Die Vereinigten Arabischen Emirate erklärten in der vorigen Woche, die Sinovac-Impfung biete eine ausgezeichnete Wirksamkeit von 86 Prozent, um Infektionen mit Covid-19 (und nicht bloß den Ausbruch der Krankheit, wie von den Studien westlicher Mittel reklamiert) zu verhindern. Laut "Science"  fehlten jedoch Details. Ausreichend Daten sollte die abschließende Studie in Brasilien liefern. Das dortige Instituto Butantan verschob die Veröffentlichung jedoch vom 15. auf den 23. Dezember. Die "chinesische Impfung" ist in der brasilianischen Politik heftig umstritten.

Fosun ist nicht die einzige chinesische Firma, die trotz des großen einheimischen Angebots auf einen Westimport setzt. Die Firma Shenzhen Kangtai will bis zum Jahresende eine Produktionskapazität von 100 Millionen Dosen des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca und der Universität Oxford aufbauen. Dessen Zulassung lässt nach widersprüchlichen Informationen zur klinischen Studie jedoch auch im Westen auf sich warten.

ak/dpa-afx, AFP, Reuters
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