Aktie des Corona-Impfstoffherstellers steigt Biontech will Corona-Vakzin für Kinder bald beantragen

Der Impfstoffhersteller Biontech will in den kommenden Wochen die Zulassung seines Corona-Vakzins Comirnaty auch für Kinder im Alter zwischen fünf und elf Jahren beantragen. Das belebt auch den Aktienkurs.
Ein Pieks bald auch für jüngere Kinder: Biontech will in Kürze die Zulassung seines Corona-Vakzins auch für Fünf- bis Elfjährige beantragen

Ein Pieks bald auch für jüngere Kinder: Biontech will in Kürze die Zulassung seines Corona-Vakzins auch für Fünf- bis Elfjährige beantragen

Foto: THILO SCHMUELGEN / REUTERS

Dazu würden die Ergebnisse einer Studie den Behörden weltweit, "auch hier in Europa", vorgelegt, sagte die medizinische Geschäftsführerin und Biontech-Mitgründerin Özlem Türeci (54) dem "Spiegel" .

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: "Das ist eine gute Nachricht." Die Zulassung würde es ermöglichen, auch jüngere Kinder besser zu schützen. Die Europäische Arzneimittel-Agentur Ema teilte auf Anfrage mit, sie könne noch keinen Zeitrahmen für eine mögliche Zulassung nennen, da ja noch gar kein Antrag gestellt sei. Bis zum deutschen Börsenschluss stiegen Biontech-Aktien  um bis zu 2,5 Prozent.

"Soziales Leben wird deutlich verbessert"

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin betonte, dass von einer Corona-Impfung für Jungen und Mädchen unter zwölf Jahren vor allem besonders gefährdete Patienten profitieren. "Auch in der Altersgruppe der Fünf- bis Elfjährigen gibt es natürlich Risikogruppen, deren Gesundheit und Teilhabe am sozialen Leben deutlich verbessert wird, wenn es ein Impfangebot gibt", sagte Jörg Dötsch der Deutschen Presse-Agentur. Als Beispiele nannte er Kinder mit einer schweren chronischen Erkrankung oder einem geschwächten Immunsystem.

Er könne sich vorstellen, dass sich die Ständige Impfkommission (Stiko) nach einer Zulassung des Impfstoffs - wenn die Abläufe ähnlich sind wie bei den 12- bis 17-Jährigen - erst einmal um die Risikopatienten kümmern werde, sagte Dötsch. Die Stiko werde das Risiko, dass der Impfstoff eventuell noch unerwartete Nebenwirkungen hätte, gegen den Nutzen des Impfschutzes abwägen müssen. Für alle anderen Kinder werde die Kommission vermutlich noch weitere Daten abwarten, bis sie den Impfstoff empfehle. Ein Stiko-Experte für Kinderimpfungen wollte sich vorerst auf Anfrage nicht zu den Biontech-Plänen äußern.

Nach Ansicht von Dötsch spielt die Dosierung anders als bei der Altersgruppe von 12 bis 17 Jahren bei den Fünf- bis Elfjährigen eine ganz wichtige Rolle. "Das liegt zum einen daran, dass sich das Körpergewicht bei diesen Kindern doch sehr stark von dem eines Erwachsenen unterscheidet", erklärte Dötsch. Zum anderen gehe es um das Immunsystem. "Die Medizin geht davon aus, dass das ab einem Alter von etwa zwölf Jahren vollständig ausgebildet ist." Bei Jüngeren entwickele es sich noch. "Das sind zwei Besonderheiten, die berücksichtigt werden müssen und weshalb man sehr sorgfältig vorgehen muss", sagte Dötsch weiter.

"Biontech-Impfstoff ist derselbe, aber weniger hoch dosiert"

Bei Biontech wird bereits die Produktion vorbereitet. "Der Impfstoff ist derselbe, aber weniger hoch dosiert, und es muss weniger abgefüllt werden", sagte Türeci.

Die Studienergebnisse liegen laut Biontech vor und müssten nur noch für die Zulassungsbehörden aufbereitet werden. "Es sieht gut aus, alles läuft nach Plan", sagte Biontech-Chef Ugur Sahin dem "Spiegel". Bis Ende des Jahres würden auch die Studiendaten zu den jüngeren Kindern ab sechs Monaten erwartet.

Stiko empfiehlt Corona-Impfung nun für Schwangere und Stillende

Auch bei älteren Gesellschaftsgruppen tut sich nun etwas in Sachen Impfempfehlungen: Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat sich generell für eine Corona-Impfung von Schwangeren und Stillenden ausgesprochen. "Nach eingehender Beratung und Bewertung der vorhandenen Evidenz" empfehle die Stiko eine Impfung für Schwangere ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel und für Stillende mit zwei Dosen eines mRNA-Impfstoffs, teilte das Robert Koch-Institut (RKI) am Freitag mit. Bislang war eine Impfung nur für Schwangere mit besonderem Risiko empfohlen.

Der Beschlussentwurf der Empfehlung muss nun noch in ein sogenanntes Stellungnahmeverfahren mit den Bundesländern und beteiligten Fachkreisen. Die endgültige Empfehlung der Stiko soll zeitnah veröffentlicht werden.

ak/dpa-afx