Omikron-Variante Biontech weckt Hoffnung auf Impfstoff-Update

Binnen 100 Tagen könnte ein neuer Impfstoff gegen die Omikron-Variante des Coronavirus fertig sein - falls er nötig wird. Biontech und Pfizer haben die Forschung an einem angepassten Vakzin bereits begonnen.
Auf neue Varianten vorbereitet: Im Reinraum des Marburger Biontech-Werks

Auf neue Varianten vorbereitet: Im Reinraum des Marburger Biontech-Werks

Foto: Michael Probst / AP

Der Mainzer Impfstoffhersteller Biontech schaut sich die im südlichen Afrika festgestellte neue Variante des Coronavirus in Tests an und rechnet spätestens in zwei Wochen mit Erkenntnissen. "Wir können die Besorgnis von Experten nachvollziehen und haben unverzüglich Untersuchungen zur Variante B.1.1.529 eingeleitet", teilte das Unternehmen in Mainz am Freitag auf Anfrage mit. Die Variante unterscheide sich deutlich von bisher beobachteten Varianten, da sie zusätzliche Mutationen am Spike-Protein habe. Die Daten aus nun laufenden Labortests würden Aufschluss geben, ob eine Anpassung des Impfstoffs erforderlich werde, wenn sich diese Variante international verbreite.

Die Weltgesundheitsorganisation stufte die am 9. November in Südafrika erstmals nachgewiesene Variante am Freitagabend als "Besorgnis erregende Variante" mit dem Namen Omikron ein.

Biontech teilte weiter mit, gemeinsam mit dem US-Partner Pfizer habe man schon vor Monaten Vorbereitungen getroffen, um im Fall einer sogenannten Escape-Variante des Virus den Impfstoff innerhalb von sechs Wochen anzupassen und erste Chargen innerhalb von 100 Tagen auszuliefern. Dafür seien klinische Studien mit "variantenspezifischen Impfstoffen" gestartet worden, um Daten zur Sicherheit und Verträglichkeit zu erheben. Diese könnten im Fall einer Anpassung bei den Behörden als Musterdaten vorgelegt werden. Als Escape-Variante bezeichnet man eine Virusvariante, die sich der Wirkung der derzeit verfügbaren Impfstoffe entzieht.

Auch andere Impfstoffhersteller wie Astrazeneca, Johnson & Johnson oder auch die US-Firma Novavax, deren Vakzin bislang nur in Indonesien und den Philippinen eine Notfallzulassung erhielt, kündigten Forschungen zu einer Anpassung an Omikron an. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (63) erklärte, die Verträge der EU mit den Firmen sähen vor, dass die Impfstoffe rasch auf neue Varianten angepasst würden, falls nötig. "Eile ist geboten", twitterte sie zu einem Screenshot von einem am Abend geführten Videogespräch mit den Konzernchefs Uğur Şahin (56, Biontech), Albert Bourla (60, Pfizer) und Stéphane Bancel (49, Moderna).

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Aktienkurse schießen hoch

Die Aussicht auf steigende Nachfrage nach den Impfstoffen ließ die Aktienkurse der Hersteller am Freitag in die Höhe schießen - während die Börsen insgesamt einbrachen. Der Kurs von Biontech stieg ebenso wie der des US-Wettbewerbers Moderna zeitweise um mehr als 20 Prozent und schloss an der New Yorker Nasdaq mit 14 Prozent Plus. Pfizer gewann gut 6 Prozent.

Biontech und Pfizer haben bereits angepasste Versionen ihres etablierten Corona-Impfstoffs entwickelt, die gezielt auf die seit Ende 2020 zirkulierende Alpha-Variante und die seit dem Sommer weltweit dominierende Delta-Variante zielen. Die klinischen Versuche dazu laufen jedoch noch. Danach stünden zudem noch Zulassungsverfahren an. Aus Sicht der Hersteller ist aber auch keine Eile geboten, weil der vorhandene Impfstoff gegen die bisher bekannten Varianten einen zwar verminderten, aber immer noch ausreichend guten Schutz bietet.

"Da die Impfstoffe gegen alle bisherigen Varianten effizient sind, gehe ich davon aus, dass auch gegen diese Variante Impfschutz besteht", sagte Richard Neher, Leiter der Forschungsgruppe Evolution von Viren und Bakterien am Biozentrum der Universität Basel. "Allerdings ist es durchaus vorstellbar, dass es vermehrt zu Durchbruchsinfektionen kommt, so dass eine dritte Dosis umso wichtiger wird." Auch Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI), geht nicht davon aus, dass die Impfung sich als nutzlos erweist. "Es kann sein, dass die Schutzwirkung abnimmt, aber wir sind nicht schutzlos."

Laut Virologe Friedemann Weber von der Justus-Liebig-Universität Gießen könnten vor allem die vorhandenen Antikörpertherapien durch die neue Variante beeinträchtigt werden. Bei dieser Behandlung bekommen Patienten mit hohem Risiko für einen schweren Verlauf möglichst rasch nach der Infektion einen Antikörper-Cocktail verabreicht. Anders als die Impfstoffe zielen die Antikörper nur gegen einige wenige Merkmale des Spike-Proteins auf der Virusoberfläche. Sie verlieren also ihre Wirkung, wenn sich genau dieses Merkmal verändert.

ak/dpa-afx, Reuters
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