Wegen Nebenwirkungen Längere Studien zu Biogens Alzheimer-Mittel empfohlen

Die Unternehmen Biogen und Eisai haben die vollständigen Daten einer Studie zum Alzheimer-Medikament Lecanemab veröffentlicht. Das Ergebnis ist zweischneidig.
Neue Studien zeigen, dass das lang erwartete Alzheimer-Medikament Lecanemab schwere Nebenwirkungen für manche Patienten birgt

Neue Studien zeigen, dass das lang erwartete Alzheimer-Medikament Lecanemab schwere Nebenwirkungen für manche Patienten birgt

Foto: David A. White / AP

Forscher haben neue Studiendaten zum Alzheimer-Medikament Lecanemab veröffentlicht. Das Medikament gilt als großer Hoffnungsträger der US-Firma Biogen und des japanischen Partners Eisai. Das bereits an der Börse vor einigen Wochen als womöglich großer Erfolg gefeierte Mittel zeigte in den Tests positive Ergebnisse, wie die Forscher im New England Journal of Medicine berichteten. Doch bei vielen Patienten gab es auch massive Nebenwirkungen: Bei fast 13 Prozent der rund 1800 Patienten umfassenden Studie, die sich über 18 Monate erstreckte, wurde Lecanemab mit einer gefährlichen Art von Gehirnschwellung in Verbindung gebracht.

Bei einigen Studienteilnehmern traten auch Hirnblutungen auf - zwei Todesfälle von Patienten wurden darauf zurückgeführt. Die Forscher empfahlen deswegen weitere, längere Studien mit dem Medikament. Eine Eisai-Sprecherin sagte dem "WSJ" auf die Frage nach den Todesfällen, die betroffenen Patienten hätten andere schwerwiegende medizinische Probleme gehabt. Die Firma hatte zuvor bereits offiziell erklärt, der Tod der Patienten könne nicht auf Lecanemab zurückgeführt werden. Den Angaben zufolge waren 0,7 Prozent der mit dem Mittel behandelten Menschen gestorben, in der Vergleichsgruppe seien es 0,8 Prozent gewesen.

Bei den beiden Todesfällen handelt es sich um eine 65-jährige Frau, die nach einem Schlaganfall ein Medikament zur Auflösung von Blutgerinnseln erhielt sowie um einen 87-Jährigen, der einen Blutverdünner einnahm. "Derzeit würde ich zögern, dieses Medikament jemandem zu geben, der Blutverdünner nimmt", sagte der Neurowissenschaftler Howard Fillit von der Alzheimer's Drug Discovery Foundation.

Nach Einschätzung der Analysten von Jefferies ist der Gesamtnutzen des Medikaments im Verhältnis zum Risiko aber immer noch hoch. "Alle diese Amyloid-senkenden Medikamente bergen ein Risiko für vermehrte Hirnblutungen", sagte Ronald Petersen von der Mayo Clinic im US-Bundesstaat Minnesota. Er bezeichnete die Studienergebnisse als "ziemlich beeindruckend". Die vollständigen Daten, die auf einem Alzheimer-Kongress in San Francisco vorgestellt wurden, bestätigten, dass Lecanemab das Fortschreiten der Krankheit um 27 Prozent im Vergleich zu einem Placebo verlangsamt. Das Mittel verlangsamte zudem den Rückgang bei Alltagsaktivitäten um 37 Prozent.

Das Mittel sorgt nun für Diskussion. Mediziner erklärten im "WSJ"-Bericht, die neuesten Daten seien wahrscheinlich gut genug, um eine Zulassung zu stützen. Gleichzeitig stellten die Experten infrage, ob die Wirksamkeit des Mittels hoch genug sei, um die potenziellen Schäden aufzuwiegen. "Noch weiß niemand, ob der Nutzen klinisch bedeutsam sein wird", sagte Samuel Gandy, Professor für Neurologie und Psychiatrie in New York, dem Blatt.

Die Unternehmen haben bereits bei der US-Arzneimittelbehörde FDA die bedingte Zulassung beantragt. Eine Entscheidung wird bis zum 6. Januar erwartet. Die Firma Eisai, die bei der Entwicklung von Lecanemab federführend ist, will auf Grundlage der neuen Studiendaten nun eine vollständige Zulassung beantragen.

frm/dpa-AFX/Reuters

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