Vergütungsbericht fällt durch Klatsche für den Bayer-Vorstand

Bayer-Aktionäre haben die Vergütungspraxis des Vorstands für das vergangene Jahr abgelehnt. Der entsprechende Bericht fiel auf der HV durch. Chefaufseher Winkeljohann will das System nun gründlich überprüfen.
Bayer-Chef Werner Baumann verliert Vertrauen bei den Aktionären

Bayer-Chef Werner Baumann verliert Vertrauen bei den Aktionären

Foto: Sepp Spiegl / imago images

Der Bayer-Vorstand muss eine Klatsche von den Aktionären bei seiner Bezahlung für das vergangene Jahr einstecken. Auf der Hauptversammlung am Freitag wurde der Vergütungsbericht mit 75,89 Prozent abgelehnt. Die Abstimmung hat zwar keine rechtlichen Folgen. Aufsichtsratschef Norbert Winkeljohann (65) kündigte allerdings an, das Kontrollgremium werde die Ablehnung durch die Anteilseigner zum Anlass nehmen, das Vergütungssystem gründlich zu überprüfen.

Zuvor hatte Winkeljohann darauf verwiesen, dass die Vorstandsvergütung nach wie vor nach dem Vergütungssystem gewährt werde, das die Anteilseigner bei der Hauptversammlung 2020 mit einer Zustimmung von mehr als 94 Prozent genehmigt hätten.

Stimmrechtsberater und Fondsgesellschaften gegen Vergütungsbericht

Die Niederlage hatte sich bereits abgezeichnet, da die führenden Stimmrechtsberater ISS und Glass Lewis die Ablehnung des Vergütungsberichts empfohlen hatten. Auch die großen deutschen Fondsgesellschaften DWS, Union Investment und Deka hatten angekündigt, gegen den Bericht zu stimmen.

Die Investoren störten sich an mehreren Punkten, etwa daran, dass die Auswirkungen von Rechtsstreitigkeiten von Bayer in der Ermittlung der Zielerreichung nicht berücksichtigt würden. Die Deka kritisierte unter anderem, dass die variable Vergütung nicht zu mindestens 51 Prozent auf Aktien basiert.

Vorstand nur mit 82 Prozent entlastet

Einbußen bei der Zustimmung der Anteilseigner musste der Vorstand zudem bei seiner Entlastung hinnehmen. Der Vorstand wurde mit einer Zustimmung von lediglich 82,06 Prozent entlastet. Bereits im Vorfeld hatten sich Investoren darüber kontrovers geäußert. Im vergangenen Jahr lag die Zustimmung noch bei 90,08 Prozent. 2019 hatten von der Monsanto-Übernahme enttäuschte Aktionäre den Vorstand nicht entlastet - ein bis dahin einmaliger Vorgang im Dax.

Zuvor hatte der Pharma- und Agrarchemiekonzern hat seine verbliebenen Aktivitäten in Russland gerechtfertigt. "Einer Krebspatientin in Sankt Petersburg nun lebenswichtige Medikamente vorzuenthalten, hieße in letzter Konsequenz nichts anderes, als den Tod weiterer Zivilisten in Kauf zu nehmen", sagte Bayer-Chef Werner Baumann (59) bei der Online-Hauptversammlung. "Damit wäre niemandem geholfen."

Bayer-Chef rechtfertigt verbliebenes Russland-Engagement

Der Leverkusener Konzern habe bereits auf den Krieg der russischen Führung reagiert und etwa Werbungen und Investitionen in Russland gestoppt. "Wir haben alle Ausgaben in Russland eingestellt, die nicht unmittelbar mit unseren unverzichtbaren Produkten zusammenhängen", sagte der Bayer-Chef. Gleichzeitig empfinde man "eine ethische Verpflichtung" für die Zivilbevölkerung in Russland. "Dieser vollkommen sinnlose Krieg hat bereits sehr viele Menschenleben gekostet."

Die wirtschaftlichen Folgen von Krieg und Sanktionen sind laut Baumann im ersten Quartal in den Unternehmenszahlen noch nicht sichtbar. Es zeichne sich ab, dass der Konzern erfolgreich in das Geschäftsjahr 2022 gestartet sei. "Gerade im Agrargeschäft sehen wir ein deutlich positiveres Marktumfeld als in den vergangenen Jahren", berichtete der Manager. Mit der Ausrichtung auf die Bereiche Gesundheit und Ernährung sei Bayer gerade jetzt besonders gefordert, um in der Krise einen Beitrag zur Versorgung der Menschen zu leisten.

Bedarf für Wertminderungen im Russland- und Ukraine-Geschäft sieht Baumann derzeit nicht. Zudem bestehe Versicherungsschutz für die Vermögenswerte in den beiden Ländern.

rei/Reuters/dpa-afx