Teurer Rechtsstreit in USA Bayer besorgt sich frische Milliarden

Der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer hat sich Milliarden am Anleihemarkt besorgt. Bayer braucht das Geld nicht nur für den Ausbau der Pharmasparte: Auch der teure Rechtsstreit um Glyphosat in den USA wird noch viel Geld kosten.
Werner Baumann: Über den Nachfolger des glücklosen Bayer-Chefs wird bereits spekuliert

Werner Baumann: Über den Nachfolger des glücklosen Bayer-Chefs wird bereits spekuliert

Foto: imago stock / imago images/Sven Simon

Die Emission der Anleihe über vier Milliarden Euro bestehe aus mehreren Tranchen mit Laufzeiten von vier bis 15 Jahren, teilte Bayer mit. Die Verzinsung betrage 0,05 bis 1 Prozent pro Jahr. Die Erlöse sollen für allgemeine Unternehmenszwecke verwendet werden, unter anderem zur Refinanzierung bestehender Verbindlichkeiten. Die Geldspritze kam bei Anlegern gut an: Die Aktie von Bayer  setzte am Freitag im frühen Handel mit einem Plus von 2 Prozent ihre Erholung fort.

Bayer investierte zuletzt reichlich Geld in die Pharmasparte, unter anderem mit der Milliardenübernahme des US-Unternehmens Asklepios Biopharmaceutical zum Ausbau des Geschäfts mit Zell- und Gentherapien. Zudem arbeiten die Leverkusener immer noch an der teuren Lösung des US-Rechtsstreits um angebliche Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter.

Trotz Milliardenzahlung: US-Rechtsstreit ist noch immer nicht vom Tisch

Im Sommer hatte das Unternehmen einen groß angelegten Vergleich für diverse US-Rechtsstreitigkeiten rund um den übernommenen Saatgutkonzern Monsanto angekündigt. Allein für das teure Glyphosat-Erbe des 2018 übernommenen US-Saatgutkonzerns Monsanto wollen die Leverkusener bis zu 10,9 Milliarden US-Dollar (9,8 Milliarden Euro zum damaligen Wechselkurs) in die Hand nehmen. Allerdings ist das Thema noch nicht vom Tisch, weil ein Seitenstrang der Regelung noch offen ist.

Bayer-Chef Werner Baumann (58), der durch die Übernahme von Monsanto und die Fehleinschätzung der juristischen Risiken Milliarden Euro an Börsenwert vernichtet hat, zeigte sich zuletzt amtsmüde und kündigte an, seinen bis 2024 Vertrag nicht mehr zu verlängern. Als möglicher Nachfolger wird Stefan Oelrich (52) gehandelt.

Angesichts der juristischen Hängepartie in den USA bemüht sich Bayer, zumindest auf dem Heimatmarkt zu punkten. Eine Impfstoffallianz mit dem Tübinger Impfstoffhersteller Curevac soll Bayer wieder aus dem Stimmungs- und Bewertungstief helfen. Die beiden Unternehmen haben einen Kooperations- und Servicevertrag mit dem Ziel geschlossen, mehrere hundert Millionen Impfdosen weltweit zu vermarkten, sobald der Impfstoff von Curevac voraussichtlich im Sommer zugelassen ist.

"Der Bedarf an Impfstoffen gegen Covid-19 ist enorm", sagte Bayer-Vorstandsmitglied Stefan Oelrich. Curevac-Chef Franz-Werner Haas (50) ergänzte: "Mit seiner Expertise und Infrastruktur kann uns Bayer helfen, unseren Impfstoffkandidaten CVnCoV noch schneller für möglichst viele Menschen verfügbar zu machen."

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Diese Impfstoffprojekte gegen Covid-19 sind am weitesten

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Bayer bislang ohne mRNA-Expertise

Bayer ist anders als Pfizer-Partner Biontech bislang nicht im Geschäft mit Vakzinen aktiv. Hinzu kommt, dass es sich bei dem von Curevac entwickelten Serum um einen mRNA-basierten Wirkstoff handelt, einer Technologie, mit der Bayer bislang keinerlei Erfahrung hat.

Zuvor hatte das Nachrichtenportal "ThePioneer" am Donnerstag über die anstehende Allianz berichtet. Eine solche "nationale Impfallianz" könne die Impfsituation in Deutschland beschleunigen und helfen, dass bis zum Sommer alle geimpft würden, die es wollten, schreibt "ThePioneer". In der Tat ist die Kooperation für die Bundesregierung ein weiteres Standbein, um bis zum Sommer die Impfung aller Bundesbürger zu ermöglichen, die dazu bereit sind.

Curevac hatte im Juni mit der klinischen Erprobung seines Vakzins begonnen und startete vor Weihnachten die zulassungsrelevante Studie mit mehr als 35.000 Teilnehmern. Erste Ergebnisse werden im ersten Quartal 2021 erwartet. In der Phase-I-Studie, an der mehr als 250 Probanden teilnahmen, wurde der Impfstoff in verschiedenen Dosierungen getestet. Er zeigte eine gute Verträglichkeit und eine ausgewogene Immunantwort.

Curvevac beschäftigte eigenen Angaben zufolge gut 500 Mitarbeiter, Mehrheitseigentümer ist der SAP-Gründer Dietmar Hopp (80). Knapp ein Viertel (23 Prozent) gehört seit vergangenem Sommer der staatlichen Förderbank KfW und damit indirekt dem Bund. Mit dem Einstieg wollte Berlin das Unternehmen gegen eine mögliche Übernahme aus dem Ausland absichern.

Im weltweiten Kampf gegen die Ausbreitung des Corona-Virus sind Impfstoffe der Schlüssel. Als erstes erhielt das Vakzin von Biontech und dem US-Pharmakonzern Pfizer Anfang Dezember in Großbritannien seine Zulassung, mehr als 40 weitere Länder - darunter die USA, Kanada, Mexiko, die Schweiz, Saudi-Arabien, Singapur und Chile einschließlich der EU-Mitgliedsstaaten - folgten. Als zweiter Impfstoffhersteller erhielt Moderna in den USA am 18. Dezember eine Notfallzulassung, danach in Kanada und Israel. Die EU folgte am 6. Januar.

la/DPA