Hoffnungsträger Asundexian Bayer wettet auf neuen Gerinnungshemmer

Bayers Bestseller Xarelto wird in wenigen Jahren den Patentschutz verlieren. Neuer Hoffnungsträger des Konzerns ist der Gerinnungshemmer Asundexian. Bayer-Chef Werner Baumann setzt auf eines der bisher größten klinischen Studienprogramme.
Braucht einen neuen Bestseller: Bayer-Chef Werner Baumann

Braucht einen neuen Bestseller: Bayer-Chef Werner Baumann

Foto: Sepp Spiegl / imago images

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer will seinen Medikamentenkandidaten Asundexian gegen Schlaganfälle nun auch in zulassungsrelevanten Studien an einer breiten Patientengruppe mit bis zu 30.000 Teilnehmern testen. Auf Basis der Phase-II-Daten werde das Phase-III-Entwicklungsprogramm Oceanic gestartet, wie der Konzern am Sonntag mitteilte. Die Studie ist eines der bisher größten klinischen Studienprogramme für den Pharmakonzern. Der Erfolg entscheidet darüber, ob das Mittel ein Nachfolger für Bayers Milliardenbringer Xarelto wird.

Xarelto zur Prävention von Blutgerinnseln und von Schlaganfällen ist seit 2008 auf dem Markt und der wichtigste Umsatzbringer in Bayers Pharmageschäft. 2021 erlösten die Leverkusener mit dem Präparat gut 4,7 Milliarden Euro. Das war rund ein Viertel der gesamten Pharmaerlöse und knapp 11 Prozent des Konzernumsatzes. Doch für Xarelto läuft der Patentschutz aus, daher werden die Umsätze in den nächsten Jahren deutlich sinken.

Alle Hoffnungen ruhen nun auf dem Wirkstoff Asundexian, einem sogenannten Faktor XIa-Hemmer. Dabei handelt es sich um eine noch junge Wirkstoffklasse, von der sich Experten geringere Blutungsrisiken als bei aktuellen Gerinnungshemmern wie Apixaban (Handelsname Eliquis) von Bristol-Myers Squibb (BMS) und Pfizer sowie Xarelto von Bayer versprechen.

Anleger zeigen sich überwiegend enttäuscht von Ergebnissen

Das Management um Bayer-Chef Werner Baumann (59) stellte nun am Sonntag bei der Tagung der Europäischen Fachgesellschaft der Kardiologen in Barcelona die Ergebnisse der Phase II vor, in der Asundexian erstmals an einer kleineren Patientengruppe mit den betreffenden Krankheiten getestet wurde. Die Behandlung mit der höchsten verabreichten Dosis verringerte dem Unternehmen zufolge erneute Schlaganfälle. Dabei habe es kein signifikant höheres Risiko für größere Blutungen oder Hirnblutungen gegeben.

Die Ergebnisse werteten Experten in der Tendenz leicht positiv, Freudensprünge gab es aber nicht. Zudem hatte Bayer-Pharma-Chef Stefan Oelrich zuletzt hohe Erwartungen geschürt. Die Bayer-Aktien  fielen zum Wochenstart um mehr als 4,5 Prozent auf ein Tief seit Anfang März, fingen sich dann aber etwas und notierten zuletzt noch mit 2,8 Prozent im Minus. Das bedeutete aber immer noch einen der hinteren Plätze im Dax, der fast 1,5 Prozent nachgab.

Analysten zogen ein gemischtes Fazit der aktuellen Daten. Sie lobten erneut das geringe Blutungsrisiko. Die primären Effizienzziele der Studien, also mit Blick auf eine bessere Verhinderung von Hirn- und Herzinfarkten, seien aber nicht erreicht worden, wie Charlie Bentley vom Investmenthaus Jefferies erklärte.

Richard Vosser, Analyst bei der Bank JPMorgan, sieht indes das Potenzial von Asundexian untermauert und traut dem Mittel im Fall einer Zulassung weiterhin einen Jahresspitzenumsatz von mehr als fünf Milliarden Euro zu. Effizienz- und Risikoprofil seien vergleichbar mit dem Konkurrenzprodukt Milvexian von Johnson & Johnson und Bristol-Myers Squibb.

Die neue Studie der Phase III soll nun die Wirksamkeit und Sicherheit von Asundexian untersuchen, zum einen als Schlaganfall-Prävention bei Patienten mit Vorhofflimmern, zum anderen bei Patienten, die bereits einen Schlaganfall erlitten haben. Bis ein Ergebnis vorliegt, kann es allerdings Jahre dauern.

mg/dpa-afx
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.