Neue globale Studie AstraZeneca will Impfstoffstudie wiederholen

Nach Kritik an der Studie für den Corona-Impfstoff von AstraZeneca und der Universität Oxford will Konzernchef Soriot eine vollkommen neue Studie starten. Auf eine rasche Zulassung in Europa hofft er trotzdem.
Restart: Der Impfstoff aus den Laboren der Universität Oxford soll neu getestet werden.

Restart: Der Impfstoff aus den Laboren der Universität Oxford soll neu getestet werden.

Foto: John Cairns / AP

AstraZeneca wird wahrscheinlich eine völlig neue globale Studie durchführen, um die Wirksamkeit des gemeinsam mit der Universität Oxford entwickelten Covid-19-Impfstoffs zu bewerten. So wurde am Donnerstag Konzernchef Pascal Soriot (61) zitiert, nachdem die Irritationen zu den am Montag veröffentlichten Zwischenergebnissen der Studie zugenommen hatten. Anstatt die laufende Massenstudie zu ergänzen, werde eine neue Studie aufgesetzt, um den Impfstoff in einer offenbar besser wirkenden niedrigeren Dosierung zu testen, sagte Soriot gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Für den britisch-schwedischen Pharmakonzern ist das ein Rückschlag. Nach den Biotechfirmen BioNTech und Moderna waren die Forscher Anfang der Woche mit Zwischenergebnissen ihrer Studie an die Öffentlichkeit gegangen. Während die Konkurrenz für ihr Vakzin eine Wirksamkeit von jeweils rund 95 Prozent angegeben hatte, sprach AstraZeneca in einer Mitteilung  von 62 bis 90 Prozent. Wobei die hohe Wirksamkeit sich nur auf Probanden bezog, die fälschlicherweise im Rahmen der Studie nicht die volle Wirkstoffdosierung erhalten hatten. Nach der anfänglichen Freude über die Ergebnisse hatte das zunehmend zu grundsätzlichen Zweifeln an der Studie geführt, was auch eine rasche Zulassung in Europa undin den USA gefährden könnte.

Soriot will die Wirksamkeit des Impfstoffs nun in der niedrigen Dosierung noch einmal gesondert testen lassen. "Nun, da wir etwas gefunden haben, das nach einer besseren Wirksamkeit aussieht, müssen wir dies validieren, also müssen wir eine zusätzliche Studie durchführen", sagte er. Es werde wahrscheinlich eine weitere "internationale Studie" geben, aber diese könne schneller abgeschlossen sein, "weil wir wissen, dass die Wirksamkeit hoch ist, so dass wir eine geringere Anzahl von Probanden benötigen".

Pascal Soriot hofft auf schnelle Zulassung in der EU

In der EU und in Großbritannien hofft der Konzern jedoch weiterhin auf eine schnelle Zulassung noch vor Ende des Jahres. Soriot sagte, er rechne nicht damit, dass die zusätzliche Studie die Zulassungen hier verzögern werde. Die Genehmigung durch die US-Behörde FDA könnte jedoch länger dauern, da es unwahrscheinlich ist, dass sie den Impfstoff auf Basis von im Ausland erhobenen Daten freigeben wird, insbesondere angesichts der Fragen zu den Ergebnissen, sagte Soriot.

Die europäische Zulassungsbehörde EMA erklärte am Donnerstag unabhängig von der Ankündigung einer neuen Studie, man werde die Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit des Impfstoffs prüfen, sobald das Unternehmen diese übermittelt habe. Die US-Behörde äußerte sich bislang noch nicht zu den Zwischenergebnissen. Ursprünglich hatte AstraZeneca erklärt, man wolle Kontakt mit der FDA aufnehmen, um das Design der Studie zu ändern und das neue, wirksamere Dosierungsschema hinzuzufügen.

lhy/Reuters
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