Liefergarantie Astrazeneca und EU legen Impfstreit bei

Wirklich gefragt sind die Corona-Impfstoffe von Astrazeneca in Europa nicht mehr, aber jetzt kommen sie garantiert. Mit einer Lieferzusage über 200 Millionen weitere Impfdosen kommt die EU aus ihrem Rechtsstreit mit dem Pharmakonzern.
Fall erledigt: EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides kann das Thema Astrazeneca abhaken

Fall erledigt: EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides kann das Thema Astrazeneca abhaken

Foto: Yves Herman / dpa

Die EU-Kommission und die britische Pharmafirma Astrazeneca haben ihren laufenden Rechtsstreit zur Lieferung von Corona-Impfdosen beigelegt, wie die Kommission am Freitag mitteilte. Damit werde die Lieferung von 200 Millionen ausstehenden Dosen bis März 2022 garantiert. "Obwohl wir diese Woche den wichtigen Meilenstein der vollständigen Impfung von 70 Prozent der erwachsenen Bevölkerung der EU erreicht haben, gibt es große Unterschiede zwischen den Impfquoten unserer Mitgliedstaaten, und die kontinuierliche Verfügbarkeit von Impfstoffen, inklusive von Astrazeneca, bleibt ausschlaggebend", sagte Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides (65).

Die EU-Kommission hatte Ende April juristische Schritte gegen Astrazeneca eingeleitet. Der britisch-schwedische Hersteller hatte die Lieferungen von Corona-Impfstoff an die Europäische Union in den Monaten zuvor wegen Produktionsproblemen  immer wieder drastisch gekürzt. Die EU warf dem Konzern daraufhin Vertragsbruch vor, was dieser bestritt. Der Streit wurde zu Jahresbeginn heftig geführt, zumal die EU-Kommission die Lieferverzögerungen für den holprigen Start ihrer Impfkampagne verantwortlich machte. Damals machten Länder wie Israel, die USA und das von Astrazeneca vergleichsweise problemlos belieferte Großbritannien schnelle Fortschritte. Ein erster Gerichtstermin im Hauptsacheverfahren war ursprünglich für Ende September geplant.

Astrazeneca-Vizepräsident Ruud Dobber sagte einer Mitteilung zufolge, er freue sich sehr, "dass wir ein gemeinsames Verständnis erzielen konnten, das es uns ermöglicht, gemeinsam mit der Europäischen Kommission voranzukommen und zur Überwindung der Pandemie beizutragen". Das Unternehmen wolle eng mit der Kommission zusammenarbeiten, um die Impfallianz Covax zu unterstützen.

Nach Angaben von Astrazeneca verpflichtet sich der Konzern zur Lieferung von 60 Millionen Impfdosen bis zum Ende des dritten Quartals 2021 sowie 75 Millionen Dosen zum Ende des vierten Quartals. Im ersten Quartal 2022 sollen zudem 65 Millionen Dosen geliefert werden. "Den Mitgliedstaaten werden regelmäßige Lieferpläne zur Verfügung gestellt, und im Falle einer verspäteten Dosierung gelten begrenzte Rabatte", teilte das Unternehmen mit.

Nach Angaben von Astrazeneca hat der Hersteller gemeinsam mit seinen Partnern mehr als 170 Staaten rund 1,1 Milliarden Dosen zur Verfügung gestellt. Davon seien etwa zwei Drittel an ärmere Länder gegangen. Die Bundesregierung entschied im Juli, ihre Astrazeneca-Lieferungen weiterzureichen. Nach Berichten über sehr selten als Nebenwirkung der Astrazeneca-Impfung auftretende Blutgerinnseln im Hirn kommt das Vakzin kaum noch in Deutschland zum Einsatz. Die Ständige Impfkommission empfiehlt den Wechsel von bereits mit Astrazeneca Geimpften auf eine zweite Impfdosis mit einem mRNA-Impfstoff von Biontech oder Moderna. Laut neueren britischen Studien könnte allerdings der Impfschutz von Astrazeneca länger anhalten als der von Biontech, dessen Wirksamkeit demzufolge nach einigen Monaten spürbar nachlässt.

ak/dpa-afx