Pascal Soriot lenkt ein Astrazeneca liefert nun doch mehr Impfstoff an die EU

Es geht also doch noch etwas: Nach tagelangem Streit zwischen der EU und Astrazeneca hat der Pharmahersteller seine Liefermenge nun doch wieder erhöht.
Neun Millionen Dosen mehr: Astrazeneca-Chef Pascal Soriot kommt damit immerhin auf die Hälfte der eigentlich zugesagten Impfstoffmenge

Neun Millionen Dosen mehr: Astrazeneca-Chef Pascal Soriot kommt damit immerhin auf die Hälfte der eigentlich zugesagten Impfstoffmenge

Foto: BRENDA GOH / REUTERS

Der britisch-schwedische Hersteller Astrazeneca will nach EU-Angaben im ersten Quartal nun doch mehr Impfstoff gegen das Coronavirus an die Europäische Union liefern als angekündigt. Es kämen neun Millionen Dosen hinzu, also insgesamt 40 Millionen Dosen, teilte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen (62) am Sonntagabend nach einem Gespräch mit Astrazeneca-Chef Pascal Soriot (61) auf Twitter mit. Das ist die Hälfte der ursprünglich anvisierten Menge von 80 Millionen Dosen.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Laut von der Leyen will Astrazeneca auch eine Woche früher mit der Lieferung beginnen als geplant. Die Firma wolle zudem ihre Produktionskapazität in Europa ausbauen. Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides (64) sprach von einer guten Nachricht und einem guten Schritt nach vorn.

Astrazeneca hatte vor gut einer Woche überraschend mitgeteilt, im ersten Quartal wegen Problemen in einem Werk statt 80 Millionen nur 31 Millionen Dosen Impfstoff an die EU-Staaten zu liefern. Die EU reagierte empört und kritisierte, dass das Unternehmen Großbritannien und andere Nicht-EU-Länder offenbar weiterhin mit ungekürzten Mengen beliefert. Sie hegt den Verdacht, dass Astrazeneca eigentlich für die EU bestimmte Impfstoffdosen an Drittstaaten exportiert. Die belgischen Behörden inspizierten in diesem Zusammenhang auf Wunsch der Kommission am Donnerstag eine Produktionsstätte im belgischen Seneffe.

Die EU forderte von Astrazeneca-Chef Pascal Soriot (61), die Lieferkürzung zurückzunehmen. Das soll laut von der Leyen nun zumindest zum Teil geschehen. Der Impfstoff ist seit Freitag als drittes Vakzin in der EU für Erwachsene ohne Altersbegrenzung zugelassen. In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission das Mittel aber nur für Erwachsene unter 65 Jahren.

Impfgipfel soll Fahrplan erstellen

Von der Leyen besprach sich am Sonntag in einer Videoschalte mit den Chefs von sieben Impfstoffherstellern, mit denen die EU Lieferverträge hat. Danach erklärte sie, es sei wichtig, die zurzeit begrenzten Produktionskapazitäten auszubauen. Sie kündigte an, im Kampf gegen künftig drohende Pandemien eine neue Behörde namens HERA gründen zu wollen, die gemeinsam mit dem Privatsektor neue Gefahren früh erkennen und passende Antworten geben soll.

Als Reaktion auf den schleppenden Impfstart in Deutschland kommen am Montag (14 Uhr) Bundeskanzlerin Angela Merkel (66, CDU) und die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder zu einem Krisengipfel zusammen. An der Videokonferenz nehmen auch Vertreter der Impfstoffhersteller und der EU-Kommission teil. Am Wochenende forderten mehrere Länder-Regierungschefs einen Fahrplan für die kommenden Wochen und Klarheit über die Impfstofflieferungen.

Laut Gesundheitsministerium wurden seit Beginn der Impfkampagne in Deutschland über 3,5 Millionen Dosen ausgeliefert und 2,2 Millionen Dosen gespritzt. Bis zum 22. Februar würden mindestens weitere fünf Millionen Impfdosen an die Länder geliefert.

mg/dpa-afx