EU verlängert Vertrag nicht "Wir haben ein echtes Problem mit Astrazeneca"

Astrazeneca erfüllt seine Lieferverpflichtungen bei Weitem nicht, kritisiert die EU. Jetzt will sie keine weiteren Vakzine mehr bei dem Unternehmen bestellen - und rechnet künftig mit höheren Kosten für neuere Impfstoffe.
Impfstoff von Astrazeneca: Der Konzern hatte der EU zugesichert, zwischen Dezember 2020 und Juni dieses Jahres 300 Millionen Impfstoff-Dosen zu liefern - voraussichtlich wird er aber nur ein Drittel der ursprünglich angepeilten Menge liefern können

Impfstoff von Astrazeneca: Der Konzern hatte der EU zugesichert, zwischen Dezember 2020 und Juni dieses Jahres 300 Millionen Impfstoff-Dosen zu liefern - voraussichtlich wird er aber nur ein Drittel der ursprünglich angepeilten Menge liefern können

Foto: YVES HERMAN / REUTERS

Mitten im Rechtsstreit mit dem Impfstoffhersteller Astrazeneca verzichtet die EU-Kommission vorerst auf eine Verlängerung des Liefervertrags. "Wir haben den Auftrag über den Juni hinaus nicht verlängert", sagte Binnenmarktkommissar Thierry Breton (66) am Sonntag im Radiosender France Inter. Er schlug die Tür für neue Lieferverträge aber nicht zu. "Wir werden sehen, was passiert", sagte er.

EU-Justizkommissar Didier Reynders (62) sagte dem belgischen Sender VRT: "Wir haben ein echtes Problem mit Astrazeneca. Es fehlt das Vertrauen. Es ist folglich unmöglich, künftig diesen Impfstoff zu kaufen." Das Unternehmen ist mit den vereinbarten Lieferungen extrem im Rückstand. Statt 120 Millionen Impfdosen bekam die EU im ersten Quartal nur 30 Millionen. Deshalb hat sie vor einem belgischen Gericht geklagt.

Offiziell hat sich die Kommission aber noch nicht festgelegt. Ein Sprecher betonte auf Anfrage, über Vertragsverlängerungen könne man sich jetzt nicht äußern. Bei Astrazeneca gehe es zunächst um die Erfüllung des geltenden Vertrags. "Wir halten uns aber alle Optionen offen, um uns für die nächsten Phasen der Pandemie vorzubereiten, für die Jahre 2022 und darüber hinaus."

Breton äußerte sich gleichwohl positiv über die Qualität des Impfstoffs des britisch-schwedischen Herstellers. "Das ist ein guter Impfstoff", sagte er. In Frankreich aber auch in anderen Ländern gibt es in der Bevölkerung Vorbehalte gegen den Impfstoff.

Kosten für neuere Impfstoffe könnten steigen

Breton deutete zudem an, dass die Kosten für Impfstoffe der zweiten Generation durch den zusätzlichen Forschungsaufwand und mögliche Änderungen an den industriellen Anlagen steigen könnten. Die EU-Kommission hatte erst am Samstag angekündigt, mit den Partnern Pfizer und Biontech einen Vertrag über zusätzlich bis zu 1,8 Milliarden Dosen ihres Corona-Impfstoffs zu schließen, der bis 2023 gelten soll. "Es kann sein, dass es ein wenig zusätzliche Kosten gibt", sagte Breton weiter. Die Behörden würden sich dazu zu gegebener Zeit äußern.

rei/dpa-afx/Reuters
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