Erste finanzielle Details Impfstoff ist Zuschussgeschäft für Astrazeneca

Die Probleme mit dem Corona-Impfstoff haben Astrazeneca zumindest finanziell kaum belastet. Der Pharmakonzern meldet erste Zahlen zum Impfgeschäft, das offenbar wie versprochen keinen Gewinn erzielt - während es mit anderen Arzneien rund läuft.
Stoff für Zoff: Eine Erzieherin wird mit Astrazeneca-Vakzin geimpft - Bild von Ende Februar, bevor die Diskussion über mögliche Nebenwirkungen hochkochte

Stoff für Zoff: Eine Erzieherin wird mit Astrazeneca-Vakzin geimpft - Bild von Ende Februar, bevor die Diskussion über mögliche Nebenwirkungen hochkochte

Foto: HAUKE-CHRISTIAN DITTRICH / AFP

Der britisch-schwedische Pharmakonzern Astrazeneca hat für seinen Corona-Impfstoff einen geringeren Gewinn in Kauf genommen. Im ersten Quartal sei der Ertrag je Aktie deswegen drei Cent geringer ausgefallen, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Damit veröffentlichte Astrazeneca erstmals finanzielle Details zum Geschäft mit dem Vakzin. Der weltweite Umsatz mit dem von der Universität Oxford entwickelten Impfstoff belief sich auf 275 Millionen Dollar.

Der Pharmakonzern hatte angekündigt, während der Pandemie keinen Gewinn mit seinem Impfstoff erwirtschaften zu wollen. Dies hatten auch andere Hersteller gelobt, die jedoch wie Johnson & Johnson erst später starteten oder wie Sanofi noch gar kein zugelassenes Serum vorweisen können. Biontech, Pfizer und Moderna mit ihren mRNA-Impfstoffen hingegen melden üppige Gewinne. In den drei Monaten bis Ende März seien 68 Millionen Dosen ausgeliefert worden, berichtete Astrazeneca. Im Durchschnitt ergäbe das einen Verkaufspreis von vier Dollar pro Dosis - höher als aus den Verträgen mit Großbritannien und der EU bekannt, aber deutlich niedriger als die Preise der anderen Corona-Impfstoffe. Mit 224 Millionen Dollar entfiel der größte Teil des Umsatzes auf Europa, 43 Millionen auf Schwellenländer und 8 Millionen auf den Rest der Welt. Astrazeneca ist mit Abstand wichtigster Lieferant der globalen Impfstoffinitiative Covax, der Großteil der Dosen wird mit kostenfreier Lizenz in Indien gefertigt.

Die Gewinnrechnung wurde durch das Zuschussgeschäft mit dem Impfen jedoch kaum beeinträchtigt, weil es anderswo rund lief. Das Unternehmen profitierte zuletzt vor allem von neuartigen Behandlungen, etwa im Bereich der Onkologie. Allein mit dem Lungenkrebsmittel Tagrisso nahm Astrazeneca 1,15 Milliarden Dollar ein, 17 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das Geschäft mit der Herz- und Diabetesarznei Farxiga sprang um mehr als die Hälfte auf 625 Millionen Dollar an.

Nach Corona soll es noch besser laufen - Aktie steigt

Insgesamt stieg der Umsatz um 11 Prozent währungsbereinigt auf 7,32 Milliarden Dollar, der Kerngewinn je Aktie lag bei 1,63 Dollar. Ohne den Impfstoff hätte er demnach 1,66 Dollar betragen. Die Zahlen fielen besser aus als Analysten erwartet hatten. "Wir haben im ersten Quartal solide Fortschritte gemacht", sagte Astrazeneca-Chef Pascal Soriot (61). Für die zweite Jahreshälfte sagte er eine Geschäftsbelebung voraus, wenn die Auswirkungen der Corona-Pandemie zurückgingen.

Die Prognose klammert sowohl das Impfgeschäft aus als auch die Übernahme des US-Biotechfirma Alexion für 39 Milliarden Dollar, die im dritten Quartal abgeschlossen werden soll. Die Astrazeneca-Aktie  stieg in London am Freitagmorgen um 3 Prozent.

Astrazeneca steht wegen massiver Lieferverzögerungen bei seinem Impfstoff unter heftiger Kritik. Die Europäische Union verklagt den Konzern inzwischen vor einem belgischen Gericht. Zudem geriet der Astrazeneca-Impfstoff wegen seltener, aber schwerwiegender Nebenwirkungen in die Schlagzeilen. Die Europäische Arzneimittelagentur EMA hielt zwar an ihrer positiven Bewertung des Vakzins fest, viele Länder führten aber Altersuntergrenzen für Astrazeneca-Impfungen ein, darunter auch Deutschland. Inzwischen sind immerhin die Produktionsprobleme gelindert. Im April werde Astrazeneca das Ziel erreichen, weltweit 200 Millionen Impfdosen auszuliefern, erklärte Soriot - also annähernd dreimal so viel wie in den drei Monaten zuvor.

ak/Reuters, AFP, DPA