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Strabag Pfusch am Bau

Konzernherr Haselsteiner versucht, seine Widersacher auszutricksen - und schadet sich selbst.
aus manager magazin 6/2008

Als Hans Peter Haselsteiner (64), Chef und Miteigentümer des österreichischen Baukonzerns Strabag SE, im März vom Gourmetführer Gault Millau zum "Feinschmecker des Jahres 2007" ernannt wurde, da lobte man ihn wegen seiner hohen und kompromisslosen Ansprüche an Qualität - sowohl beim Essen und Trinken als auch im Job.

Was die Profession angeht, scheint die Anerkennung nur zum Teil berechtigt. Zumindest bei einzelnen Fertigkeiten der Konzernführung kann Haselsteiner an Klasse wohl noch zulegen. Das zeigen seine neuerlichen Versuche, die widerspenstigen Aktionäre der beiden deutschen Konzernbeteiligungen Strabag AG (Köln) und Züblin AG (Stuttgart) in den Griff zu bekommen. Mal agiert der Baugewaltige hilflos, mal glücklos.

Bei Züblin etwa hat er seinem Widersacher und Mitgesellschafter Eberhard Lenz (48, 42,7 Prozent) unfreiwillig einen schönen Positionsvorteil verschafft.

Mit Schreiben vom 28. März an das Amtsgericht Stuttgart hatten Haselsteiner und drei weitere Strabag-Vorstände ihre Aufsichtsratsmandate bei Züblin niedergelegt. Für die Herren sollten drei andere Strabag-Getreue sowie der Wirtschaftsprüfer Werner Schneider (65) einrücken. Dem Insolvenzverwalter von Walter Bau hatte Haselsteiner einen großen Teil seines heutigen Deutschland-Geschäfts abgekauft.

Doch Amtsgerichtspräsident Helmut Borth entschied Anfang Mai anders. Er bestellte nur zwei der Haselsteiner-Kandidaten. Die anderen beiden Posten besetzte er mit Eberhard Lenz und dessen Anwalt Josef Broich (40).

Zwar könnte Haselsteiner die beiden in der Hauptversammlung am 3. Juli mit seiner Mehrheit abberufen lassen. Allerdings haben Lenz und sein Advokat - zum Ärger Haselsteiners - bis dahin Einblick in bislang verwehrte Protokolle und Unterlagen des Aufsichtsrats.

Außerdem ist nicht gewiss, ob der Versammlungsleiter und Strabag-SE-Vorstand Thomas Birtel (53) selbst ordnungsgemäß bestellter Aufsichtsrat ist; dazu steht eine Entscheidung in einem Berufungsverfahren aus. Sollte sich ein erstinstanzliches Urteil bestätigen, wären wohl Hauptversammlungsbeschlüsse, die unter seiner Leitung zustande kamen, nichtig.

Dagegen scheint festzustehen, dass die Haselsteiner-Truppe die gewünschte Anhebung des Züblin-Kapitals um 150 Millionen Euro nicht hinbekommen wird. Ihr Motiv ist womöglich, den Anteil des weniger liquiden Lenz zu verwässern. Der jedenfalls lehnt das Vorhaben strikt ab, und ohne seine Stimmen ist es nicht zu verwirklichen.

Stattdessen wird Lenz die Wiener Bauherren wohl fragen, warum sie Züblin das Geld nicht auf andere Weise zukommen lassen. Offenbar ist Lenz der Meinung, dass Züblin Schadensersatz gegen die eigene Muttergesellschaft Strabag SE geltend machen könnte.

Schließlich erweist sich das Firmenpaket, das Züblin auf Direktive aus Wien von der Kölner Strabag AG übernehmen musste, als Fußfessel. 2006 war das Ergebnis tiefrot. 2007 schlug ein zweistelliger Minusbeitrag eines belgischen Ablegers zu Buche; insgesamt soll das Ergebnis jedoch positiv gewesen sein.

Bei seiner zweiten Deutschland-Beteiligung, der Strabag AG, agiert Haselsteiner kaum glücklicher. Zwar ist er bemüht, frühere Patzer wettzumachen. Ein Befreiungsschlag dürfte ihm jedoch vorerst nicht gelingen.

Anfang Mai hat der Österreicher den freien Aktionären angeboten, deren Anteile für 260 Euro pro Stück zu übernehmen. Das hätte er billiger haben können. Vor zwei Jahren noch - als Haselsteiner den deutschen Aktionären eine Abfindung zusagte, dann aber einen Rückzieher machte - hätte er lediglich rund 120 Euro zahlen müssen, also weniger als die Hälfte des jetzigen Angebots.

Aber auch mit dem aktuellen Wiedergutmachungsversuch wird er die quengeligen Miteigner wohl nicht los. Das Gebot liegt unter dem aktuellen Börsenkurs; deshalb werden vermutlich nur einige Großaktionäre - darunter Fonds der Haselsteiner nahestehenden Raiffeisen-Gruppe - Kasse machen.

Die freien Aktionäre hingegen spekulieren auf eine weitere Wertsteigung. In vier Jahren will Haselsteiner seine Baugesellschaften in Russland und Osteuropa mit denen des russischen Oligarchen Oleg Deripaska (40) verschmelzen.

Von dem Geschäft dürfte auch die deutsche Strabag profitieren. Denn der gehört ein gutes Drittel der Bau Holding Beteiligungs AG, also Haselsteiners Osteuropa-Filiale. Thomas Werres

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