Der Helfer der Pleitestaaten Vor diesem Mann fürchten sich die Griechenland-Gläubiger

Von Arne Gottschalck
Lee Buchheit: Freundlich und bescheiden im Auftreten, hart in der Sache. Buchheit ist Anwalt, der sich auf Staatsschulden spezialisiert hat. Und auf die Frage, wie Länder sie reduzieren können.

Lee Buchheit: Freundlich und bescheiden im Auftreten, hart in der Sache. Buchheit ist Anwalt, der sich auf Staatsschulden spezialisiert hat. Und auf die Frage, wie Länder sie reduzieren können.

Foto: REUTERS / Barbara Nitke / Cleary Gottlieb Steen & Hamilton LLP

Lee Buchheit tritt nicht breitbeinig auf, wie es sein nachhallender Ruf es erwarten ließe. Auch das diabolische Lächeln fehlt in seinen Auftritten. Er gibt sich leise, spricht mit ruhiger Stimme und nahezu britisch gefärbtem Englisch. Trotzdem ist der Amerikaner einer jener Männer der Welt, auf die Großinvestoren nicht gut zu sprechen sind.

Buchheit half und hilft nämlich Ländern wie Mexiko und auch Griechenland, ihren Schuldenberg so geschickt hin- und herzuschieben, dass mancher Gläubiger in die Röhre sah.

Die Grundkonstellation ist immer die gleiche - ein Anruf läuft in der Kanzlei Cleary Gottlieb Steen & Hamilton LLP auf, im 38. Stock der New Yorker One Liberty Plaza. Er wird in das papiergeflutete Büro des Anwalts durchgestellt. Und dann spricht Buchheit mit dem Finanzminister eines Landes wie Griechenland. Ob dieser Tage wieder so ein Anruf eingefangen ist? Wer weiß - möglich wäre es aufgrund der jüngsten Entwicklungen. Denn immer mehr Experten bezweifeln, dass es an diesem Wochenende in Riga zu einer Einigung von Europäischer Union (EU) und dem Krisenstaat kommt.

Mexiko suchte Hilfe - und Buchheit lieferte

Der erste Anruf seiner Karriere zumindest dürfte aus Mexiko gekommen sein. In den 80er Jahren wütete die Krise in Lateinamerika und entließ Mexiko in den teilweisen Staatsbankrott. Es folgte der Anruf des damaligen Finanzministers Jesus Silva-Herzog, es folgten Gespräche und viel Arbeit für Buchheit - und Mexikos Genesung. Es sollten viele weitere Anrufe folgen. Immer kamen sie von Ländern, die an ihrer Schuldenlast zu ersticken drohten. 2011 war es Griechenland, das anrief. Und der Amerikaner lieferte.

Er fand zum Beispiel eine Anregung im Vertragswerk einer britischen Eisenbahnanleihe aus dem Jahr 1879 . Buchheit nutzt dabei ökonomische wie juristische Kunstgriffe. Wie den Unterschied zwischen Anleihen nach New Yorker und nach englischem Recht. Eine Unterscheidung, wie sie seinerzeit vielen Investoren nicht geläufig war.

Wohl aber Buchheit, der sich an eine Taktik aus dem britischen Handelsrechts aus dem 19. Jahrhundert anlehnte, wie er gegenüber Reuters sagte . Der zufolge konnte das Land die Regeln der Anleihen rückwirkend ändern. Und das ermöglichte es einer Mehrheit der Anleihenhalter für die Restrukturierung zu stimmen - bindend auch für die Minderheit, die dagegen war.

Gute Fee oder böses Genie?

Buchheit erschwert damit vielen das Investment-Geschäft mit den Staatsanleihen. "Historisch bedingt waren sich viele von ihnen der juristischen Unterschiede zwischen New Yorker und englischem Recht nicht bewusst, was internationale Anleihen angeht - und ebenso wenig der Unterschiede zwischen den Standarddokumenten wie sie in London und New York verwendet werden." Sie hätten sich einfach auf den Rat ihrer Experten verlassen. Das habe sich nun geändert, sagt er gegenüber manager magazin. "Anleiheninvestoren erkennen immer mehr, dass die Art in der die Kontrakte aufgesetzt sind, einen direkten Einfluss darauf haben können, ob eine Schuld zurückgezahlt werden wird."

Kein Wunder, dass Buchheit unterschiedlich beurteilt wird, je nach Position des Betrachters. Im finanzkrisenerschütterten Island bejubelte ihn die Zeitung "Frettabladid" als "Mann des Jahres", nachdem er die Zahlungsverpflichtungen ans Ausland auf ein erträgliches Maß reduziert hatte, schreibt "Die Zeit".  Ein Fondsmanager dagegen, der wegen ihm herbe Verluste erlitt, hält Buchheit für ein "böses Genie", so die Zeitung.

Viel Investoren murren daher, fällt der Name Buchheit. Der Amerikaner selbst sieht das entspannt. "Ein Journalist beschrieb mich einmal als die 'gute Fee' der Finanzminister der Krisenstaaten. Ich glaube aber nicht, dass die gute Fee das Kriegsherren-Bild abdeckt, das einige Länder von mit haben. Aber wie es auch sein, die Situationen sind wesensimmanent voller Stress und nicht vergnüglich, für niemanden - die Staatsschuldner, deren Gläubiger und die internationale Gemeinschaft."

Und er selbst? Er winkt bescheiden ab. "Ich sehe meine Job darin, den Schuldner zu helfen, finanziell wieder auf die Füße zu kommen - und zwar so, dass sich an ein Land erinnern, das in einer schweren Krise mit Reife und Moderation handelt."

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