Ein Insider sorgt sich um Berkshire Buffetts Schwächen - was Buffett-Fans verdrängen

Von Arne Gottschalck
Starkult: Die Aktionärstreffen von Berkshire haben sich zu einem Riesenzirkus mit 40.000 Besuchern und viel Heldenverehrung entwickelt. Doch nüchterne Betrachter sehen auch Zeichen einer Götterdämmerung

Starkult: Die Aktionärstreffen von Berkshire haben sich zu einem Riesenzirkus mit 40.000 Besuchern und viel Heldenverehrung entwickelt. Doch nüchterne Betrachter sehen auch Zeichen einer Götterdämmerung

Foto: REUTERS
Fotostrecke

Warren Buffett: Womit der Altmeister seine Milliarden erzielt

Foto: REUTERS

mm.de: Sie besuchen die Hauptversammlung von Berkshire Hathaway seit 1995 - wie ist Ihr Eindruck nach dem diesjährigen Event? Wie zukunftsfest ist das Unternehmen?

Leber: Berkshire Hathaway ist in altmodischer Weise zukunftsfest. Zwei Dinge beobachte ich: Buffett setzt nicht mehr auf die Überflieger, sondern auf die stabilen Geschäftsmodelle. Er sagte zum Beispiel zu Wells Fargo, dass er die Aktie nicht wegen des Kurspotentials, sondern wegen der hohen Unternehmensqualität halte.

Auch bei den hochregulierten Beteiligungen Stromerzeugung und Eisenbahnen werden sich niemals große Sprünge ergeben. Und bei KraftHeinz war die klare Aussage, dass die Gewinnsteigerungen nicht aus dem Volumenwachstum, sondern den Kostensenkungen kommen werden. All das spricht für mehr "Langeweile" und wenig Dynamik, aber gleichzeitig auch für viel Stabilität.

mm.de: Ganz "old school" also?

Zur Person

Hendrik Leber ist Value-Investor, Fondsmanager und Gründer des Investmenthauses Acatis

Leber: Buffett ist mit seinen 85 Jahren eben doch alte Schule. Er zeigte sich überrascht über die hohe Dynamik beim Wettbewerber Amazon, aber auch über die hohe positive Akzeptanz der Internetangebote seiner Versicherung bei älteren Kunden. Und das, nachdem sein Partner Charlie Munger im Jahr 2000 noch sagte, das Internet sei nur eine vorübergehende Erscheinung. Seine Staubsaugerfirma Kirby verkauft weiterhin im Direktvertrieb - das ist altbacken.

Mit IBM  setzt Buffett außerdem auf einen Anbieter der Vergangenheit, nicht der Zukunft. Es gibt viele Beispiele dafür, dass Buffett in der Akzeptanz neuer Medien und neuer IT-Werkzeuge Nachfolger und nicht Schrittmacher ist. Dadurch entgehen ihm Chancen. Das ist nicht schlimm, aber es entspricht mehr dem Ausschöpfen alter Geschäftsmodelle als dem Abgreifen hoher Wachstumsraten.

mm.de: Wie "übertragbar" ist das Modell Buffett - oder anders gefragt: In welchem Maß ist Buffett ersetzbar?

Leber: In den operativen Geschäftsfeldern ist Buffett ersetzbar, als Gestalter des großen Gemäldes Berkshire Hathaway nicht. Die wirkliche Leistung von Buffett liegt in der genialen Konstruktion seiner Firma und nicht unbedingt in seiner Leistung bei der Aktienauswahl.

Und in dieser gestalterischen Rolle denkt Buffett immer 5 bis 10 Jahre voraus. Ich glaube nicht, dass andere ihm das Wasser reichen können. All das ist nicht problematisch, aber es spricht in Zukunft mehr für die kleinen Schritte als für die großen Sprünge.

mm.de: Wie ist die Stimmung an der Basis - haben sich die Anleger mit der Briefumschlaglösung (in dem ja der Name seines Nachfolgers steckt) arrangiert?

Leber: Auch dieses Jahr wurde das Thema angesprochen. Buffett setzt stark auf die Fortdauer der großartigen Unternehmenskultur nach seinem Tod. Und damit war die Frage für das Publikum erledigt. Manchmal habe ich mich allerdings gefragt, ob die fast 40.000 Teilnehmer Buffett überhaupt noch als eine reale Person wahrnehmen. Der Riesenzirkus an der Hauptversammlung hat viel von einer Götteranbetung - verständlich, denn Buffett hat schließlich viele Menschen reich gemacht.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.