Starinvestoren in exklusiven Bildern 7 Anlageikonen, 7 Bilder, 7 Geschichten

Von Arne Gottschalck

Man bewirbt sich nicht als Legende. Man wird zu einer Legende. Durch Jahrzehnte guter Arbeit und auch durch ein wenig Glück und Ausstrahlung. Und vielleicht auch durch den verlegerischen Ritterschlag.

Der Finanzbuchverlag hat es unternommen, 21 Ausnahmeinvestoren nach Auswahl des Fondsmanagers und Vermögensverwalters Hendrik Leber in einem Buch mit Bildern des preisgekrönten Fotografen Michael O'Brien zu zeigen und zu beschreiben. Legenden, teilweise auf einem Podest, teilweise ganz bodenständig.

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Starinvestoren in Bildern: Buffett, Gabelli & Co.

Foto: Michael OBrien

Bill Miller zum Beispiel, langjähriger Manager des Legg Mason Value Funds, wurde auf Investmentkonferenzen wie ein Messias von hunderten von Finanzexperten begrüßt. Um nach so einem rauschenden Auftritt aus Ermangelung eines Besprechungsraums ganz geduldig im Londoner "Dorchester" auf seinem Hotelzimmerbett zu sitzen und vier Journalisten Rede und Antwort über seine Sicht auf Amazon zu stehen. Oder Klaus Kaldemorgen, der sich vor einem Jahrzehnt sicherlich nur zähneknirschend zu einer Werbekampagne der DWS hat überreden lassen, bei der er als Bogenschütze hat posieren müssen. Aber sehen Sie selbst.

Warren Buffett

Foto: Michael OBrien

Keine Aufstellung der größten Investoren wäre vollzählig ohne ihn. Warren Buffett ist so etwas wie der Großmeister der Aktienanlage. Er kauft nach sorgsamer Analyse, aber nur zu einem guten Preis. Der Profit liegt im Einkauf, heißt es unter Hamburger Pfeffersäcken. Bei Buffett liest sich das so: "Der dümmste Grund, eine Aktie zu kaufen, sind steigende Kurse." Das ganze macht er seit Jahrzehnten so erfolgreich, dass sein Anlagevehikel Berkshire Hathaway zwischenzeitlich die teuerste Aktie der Welt stellte. Und dass zehntausende Investoren zu seiner Hauptversammlung pilgern, den Worten des Meisters zu lauschen.

Das Orakel von Omaha nennt man ihn deswegen auch. Trotz seines Onkel-Charmes. Oder gerade deswegen?

Klaus Kaldemorgen

Foto: Michael OBrien

Motorrad? Eine bollernde Harley Davidson? Jawoll - Klaus Kaldemorgen ist Biker, auch wenn das manchen angesichts des ruhigen Auftretens des Kinnbartträgers überraschen mag. Kaldemorgen gibt sich ruhig, nachdenklich, neugierig. Aus Interviews werden schon einmal echte Gespräche, weit entfernt vom reinen Abfragen von Standpunkten.

Im Großraumbüro fühlt sich Kaldemorgen am wohlsten, auf Augenhöhe mit seinen Analysten und Fondsmanagerkollegen. Mitgemacht hat er bei der DWS schon allerhand. Den Umzug aus der Frankfurter Villa am Grüneburgweg in die Glasundstahl-Zentrale in der Mainzer Landstraße, das Leben am Steuer des Volksfonds Vermögensbildungsfonds I, den Aufstieg in die Geschäftsführung, den Schnitt - und nun einen ganz auf ihn zugeschnittenen Fonds. Auf einer Abendveranstaltung der deutschen Bank vor über einem Jahrzehnt sagte er einmal im Gespräch, er wolle irgendwann einen Hedgefonds verwalten, ohne von den Restriktionen üblicher Investmentfonds begrenzt zu werden. Mit dem Concept Kaldemorgen ist er dieser abendlichen Vision sehr nahe gekommen.

Mario Gabelli

Foto: Michael OBrien

Wenn Amerikaner eines können, dann ist es freundlich zu plauschen. Mario Gabelli ist da keine Ausnahme. Anfang des Jahrtausends, ein Treffen in Berlin in einem Konferenzraum eines Hotels, Handschlag und schon fließt das Gespräch. "How'r you", und so weiter. Gabelli ist Value-Investor, der nach unterbewerteten Aktien sucht. Und das schon seit Jahrzehnten macht.

1977 gründete er mit Gamco seine eigene Unternehmung. Und lenkt seitdem deren Geschicke. Er selbst sieht sich in geistiger Nähe zu Warren Buffett. "Graham & Dodd + Warren Buffett = Gabelli, " lautet seine persönliche Gleichung. In anderen Worten: zweimal konservativer Superinvestor ergibt Gabelli. Dass die Presse ihm den Namen Super-Mario verlieh, scheint ihm zu gefallen. Schon damals.

Bill Ackman

Foto: Michael OBrien

Bill Ackman ist Hedgefondsmanager. Und er hat es schon in recht jungen Jahren in die Liga der Legenden geschafft. Ein Blick auf die Zahlen erklärt, warum. Denn Ackman hat Pershing Square Capital Management gegründet, einen der kapitalstärksten Fonds der Welt. Dazu kommt eine Hedgefonds-Besonderheit. Denn die Tabellen über die Wertentwicklung der Durchschnittsfonds vernachlässigt die Tatsache, dass jedes Jahr eine Reihe Fonds in aller Stille versterben. Und deren schlechte Performance sich in den Durchschnittsberechnungen damit nicht wiederfinden. Mit anderen Worten - Ackman ist einer jener Finanzköpfe, die es jedes Jahr aufs Neue schaffen.

Außerdem soll er, und das allein wäre schon die Auszeichnung eines Fotos wert, Mitarbeiter manchmal auf ungewöhnlichem Weg anheuern. So heißt es, für ihn würden ein ehemaliger Tennisprofi arbeiten, ein Experte in Sachen Fliegenfischen - "und ein Mann, den ich im Taxi getroffen habe." Wird Ackman zumindest zitiert.

Vincent Straus

Foto: Michael OBrien

Vincent Straus ist Franzose und Fondsmanager - eine zuletzt öfter zu beobachtende Kombination. Strauss indes ist bereits seit Jahrzehnten aktiv, verwaltet zum Beispiel seit 1994 den Magellan, einen der ältesten und bekanntesten Schwellenländerfonds der Welt. Außerdem ist er Chief Executive Officer (CEO) des Fondshauses Comgest. Es geht ihm dabei nicht nur um die Anlage, sondern auch darum, Einfluss zu nehmen. "Wir müssen besser werden darin, die Stimmrechte unserer Anleger zu vertreten", sagte Strauss 2012 auf dem Mannheimer Fondskongress selbstkritisch. Doch er kann auch schenkelklopfen: "Wir sind Parasiten, wir sitzen auf dem Rücken des Management - und das macht die schwere Arbeit für uns." Der Beifall war ihm gewiss.

Bruce Greenwald

Foto: Michael OBrien

Bruce Greenwald ist Professor und besitzt eine Menge Selbstironie. Zu besichtigen war diese Eigenschaft auf einem Anlagekongress in München vor einigen Jahren - übrigens in den Räumen der Bayern LB. Dort sprachen eine Reihe Anlagekoryphäen, darunter auch der Columbia-Professor Greenwald. Er trat, seiner Leibesfülle geschuldet etwas schnaufend auf die Bühne, schlug seinem Vorredner auf die Schulter, und rief aus, normalerweise sei er der am schlechtesten gekleidete Mann auf solchen Veranstaltungen. Doch nun sei es sein Vorredner - "danke!" Bruce Greenwald trug schlabbrige Chinos und ein Polohemd, sein Vorredner T-Shirt. Was beides unter dem Anzuggrau der Zuhörer schon auffiel.

Trotz seines jovialen Auftretens hat Greenwald seine Finger am Puls der Zeit. Unter anderem, weil er Research-Direktor bei dem Fondshaus FirstEagle Funds ist. Und daher immer wieder den Elfenbeinturm der hehren Lehre verlassen muss.

Frank Lingohr

Frank Lingohr

Frank Lingohr

Foto: Michael OBrien

Frank Lingohr in London? In New York? In Frankfurt? Von wegen. Frank Lingohr hatte seinen Sitz in Erkrath, in der Nähe Düsseldorfs. Das dürfte viele dazu gebracht haben, den Mann mit dem Spitzbart zu unterschätzen. Dabei war er zumindest in Deutschland einer der ersten, der Computer einsetzte - und zwar auch für die Anlageentscheidungen. Chicco heißt das System, das Lingohr ersonnen hat. Und auf das er stolz war, das er immer wieder anpasste. Emotionen sollen so ausgeschlossen werden.

Die spart sich Lingohr lieber für andere Dinge auf. Autos zum Beispiel. Ob der Journalist ihm beim Vorort-Termin daraus einen Strick dreht, aus seiner damaligen Begeisterung zum Beispiel für den Maserati Quatroporte - von wegen abgehobener Geldsack? Nein, Lingohr ist geerdet. Und neugierig. Am Nachbartisch beim Kaffee nach dem Interview saß zufällig ein seinerzeit bekannter Hemdendesigner. Hemdenaufschläge also statt Managementaufschläge als Gesprächsthema. Doch nun ist die nächste Generation dran, Lingohr hat an seinen Nachfolger übergeben.

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