Mittwoch, 16. Oktober 2019

VW-Chef pariert Piëch-Angriff Winterkorn will nicht so einfach aufgeben

Immer schön lächeln: Winterkorn, Piëch

VW-Chef Martin Winterkorn will sich einem Insider zufolge nicht von Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch aus dem Konzern drängen lassen. "Winterkorn wird nicht aufgeben, er wird weitermachen", erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Samstag aus Unternehmenskreisen. "Winterkorn hat starke Verbündete - Niedersachsen und den Betriebsrat."

Auch die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtete unter Berufung auf Unternehmenskreise, dass Winterkorn sich nicht vom Hof jagen lassen wolle. Der VW-Chef blicke auf eine außerordentlich erfolgreiche Managerkarriere zurück. So schnell werfe er den Bettel nicht hin. Der VW-Konzern wollte dies am Samstag nicht kommentieren.

Piëch hatte sich im Magazin "Der Spiegel" mit dem Satz zitieren lassen: "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn." Damit säte Piëch Zweifel, ob Winterkorn ihn nach seiner Amtszeit an der Konzernspitze als Aufsichtsratschef beerbt. Viele in Wolfsburg hatten erwartet, dass Winterkorn, dessen Vertrag bis Ende 2016 läuft, auch danach noch etwa zwei Jahre an der Spitze des Konzerns bleibt, bevor er Piëch als Aufsichtsratschef ablöst.

"Winterkorn ist seit Freitag eine 'Lame Duck'", sagte Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer. Das wisse jetzt auch der Pförtner bei VW. "Von daher wäre es für Winterkorn besser, er würde sich nicht in den nächsten Monaten selbst beschädigen, sondern zurücktreten. Ich denke, Piëch hat ihm das nahegelegt."

Betriebsratschef Bernd Osterloh stellte sich hinter Winterkorn. Mit ihm habe der Konzern "den erfolgreichsten Automobilmanager an Bord", erklärte Osterloh am Freitag. Wenn es nach dem Willen der Arbeitnehmer gehe, solle Winterkorns Vertrag über 2016 hinaus verlängert werden.

Auch das Land Niedersachsen, der zweitgrößte Aktionär, stärkte Winterkorn den Rücken. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sei "unangenehm überrascht" über Piëchs Aussagen, sagte eine Sprecherin der Staatskanzlei. Niedersachsen sehe die Entwicklung von Volkswagen positiv und pflege eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Vorstandsvorsitzenden.

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ts/Reuters/dpa

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