Donnerstag, 18. Juli 2019

Verdienen Scholl und Kahn Millionen? Wirbel um Honorare von Fußball-Experten - "Bild" veröffentlicht Gehaltsliste

Soll pro Tag bis zu 50.000 Euro von der ARD bekommen: Mehmet Scholl (links), hier mit Matthias Opdenhövel

Mehmet Scholl und Oliver Kahn führen ARD- und ZDF-Zuschauer derzeit mit mehr oder weniger kundigen Fußball-Analysen durch die Fußball-EM. Ein Medienbericht des Magazins "Kress Pro" , in dem über die angebliche Höhe ihrer Honorare berichtet wird, sorgt nun für Wirbel: Scholl kassiere laut "kress pro" von der ARD 1,6 Millionen Euro pro Jahr, auch Kahn würde vom ZDF eine siebenstellige Summe überwiesen.

Dienstagmittag teilte die ARD etwas angefasst mit: "Es gleicht beinahe schon vorsätzlicher Bösartigkeit, welche Zahlen auch hier im Zusammenhang mit dem Expertenvertrag von Mehmet Scholl geschrieben und vervielfältigt werden." Genaue Zahlen wollte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky aber nicht nennen. Mehmet Scholl sagte der "Bild"-Zeitung, die " von einem einzigen, offebar bösartigen Journalisten" kolportierten Zahlen seien "von der Realität genauso weit entfernt wie die Engländer von einem EM-Titel." Auch Oliver Kahn dementierte:

"Bild" selbst zitiert nun ebenfalls aus der Gehaltsliste der Öffentlich-Rechtlichen, bleibt allerdings unter den Kress-Angaben: "Nach Bild-Informationen bezieht Scholl rund 250.000 Grundgehalt pro Jahr, wird dazu noch nach Einsätzen vergütet", schreibt die Zeitung in ihrer Mittwochsausgabe. Im Maximalfall bekomme er pro Spiel noch einmal 50.000 Euro - "am Ende des Jahres könnte er auf rund 800.000 Euro kommen." Auch Kahn solle in diesem Bereich liegen, allerdings ausschließlich pauschal bezahlt werden - in Nicht-EM-Jahren verdiene er damit mehr als Scholl.

Andere Kommentatoren würden laut "Bild" wesentlich schlechter bezahlt: Simon Rolfes, Holger Stanislawski, Sebastian Kehl oder Lutz Pfannenstiel bezögen pro ZDF-Einsatz 2500 bis 3000 Euro. Kommentatoren wie Béla Réthy erhielten zwischen 7000 und 12.000 Euro.

Kress-Chef: Scholl und Kahn müssten Geld für TV-Zeit bezahlen

"Kress-Pro"-Chef Markus Wiegand nutzt die Recherche für einen Angriff auf die öffentlich-rechtlichen Sender: Weil die Ex-Profis nicht etwa von privaten Sendern, sondern mit den Gebührengeldern der Deutschen bezahlt würden, sei das Ganze ein Skandal.

"Eigentlich müssten Scholl und Kahn Geld mitbringen, um die gemeinschaftlich finanzierte Plattform nutzen zu dürfen", schreibt Wiegand, "Schließlich vermarkten sich beide als Werbeträger und ihr Wert liegt vor allem darin, dass sie auf quotenträchtigen Plätzen dauerhaft präsent sind." Der Verweis auf die "Marktsituation" ziehe hingegen nicht, denn Privatsender bezahlten ihren Experten nur einen Bruchteil der für Scholl und Kahn diskutierten Summen.

Ohnehin bezahlten ARD und ZDF zu viel für Sport-Übertragungen, findet Wiegand - allein die ARD zwischen 2013 und 2016 über eine Milliarde Euro an FIFA, UEFA und das IOC - "die seit Jahren beständig durch Korruption und Intransparenz auffallen."

Sollten Scholl und Kahn tatsächlich rund anderthalb Millionen Euro im EM-Jahr einstreichen, würden sie etwa so viel verdienen wie Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps - immerhin auf Platz 6 im Gehaltsranking der EM-Übungsleiter. An die bestbezahlten Sportler kommen sie allerdings bei weitem nicht heran.

luk

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