Von Goldman über Hollywood nach Washington Steven Mnuchin - das ist Trumps Mann für die Finanzen

Banker, Filmproduzent - künftig Finanzminister? Steven Mnuchin gilt als Favorit für einen Posten im Kabinett Trump

Banker, Filmproduzent - künftig Finanzminister? Steven Mnuchin gilt als Favorit für einen Posten im Kabinett Trump

Foto: EDUARDO MUNOZ ALVAREZ/ AFP

Minjutschin. So wird der Name des wahrscheinlich künftigen US-Finanzministers korrekt ausgesprochen: Steven "Minjutschin". Tatsächlich heißt der Mann Steven Mnuchin, und angesichts der Schreibweise sollte die Frage wohl gleich zum Einstieg geklärt werden.

Nachdem die "New York Times " es bereits in Aussicht gestellt hatte, erklärte der künftige Präsident der Vereinigten Staaten am Mittwoch, er werde Mnuchin zu seinem Finanzminister machen. Mnuchin selbst hatte die Ernennung zuvor ebenfalls schon bestätigt. Eine Überraschung ist die Wahl nicht, denn Mnuchin war bereits in Trumps Wahlkampfmannschaft für die Finanzen zuständig.

Mit ihm zieht ein vielseitiger Mann ins Kabinett ein, der auf eine Karriere bei der Großbank Goldman Sachs  ebenso zurückblicken kann, wie auf mehrere Erfolge als Hollywood-Produzent. Hinzu kommt die Gründung eines eigenen Hedgefonds sowie einige Jahre an der Spitze einer Immobilienbank, die er mit Partnern mitten in der Finanzkrise als heftig angeschlagenes Institut übernahm und später mit ordentlichem Gewinn wieder abstieß.

Mnuchins Ernennung dürfte daher kontrovers aufgenommen werden. Denn als Donald Trump im Wahlkampf gegen das Finanz-Establishment zu Felde zog, das sich nach seinen Angaben auf Kosten des "kleinen Mannes" die Taschen vollstopft, hatte er vermutlich ziemlich präzise jenen Typus vor Augen, den auch Mnuchin verkörpert: Der 53-jährige ist ein Mann der Wall Street und des Big Business. Mit Hedgefonds-Größen wie George Soros und John Paulson hat er Geschäfte gemacht. Goldman Sachs-Chef Lloyd Blankfein hält ihn für einen "Überflieger" und einen "schlauen, schlauen Kerl".

Eine Jugend voller Privilegien

Mnuchin startete bei der US-Bank Mitte der 1980er Jahre, nach dem Studium an der Elite-Uni Yale und einer Jugend voller Privilegien, die selbst Trumps Luxusleben ordinär erscheinen lassen, wie die "Bloomberg Businessweek " meint: Der Großvater, ein Anwalt, gründete einen Yacht-Club in den noblen Hamptons vor New York, Mnuchins Vater Robert war ebenfalls 30 Jahre lang bei Goldman Sachs, bevor er beschloss, Kunsthändler zu werden.

17 Jahre verbrachte Mnuchin bei Goldman und war dort insbesondere für die Geschäfte mit Hypothekenpapieren sowie Kreditversicherungen zuständig - beides Bereiche, die bei der Finanzkrise 2008 eine wichtige Rolle spielten. 2002 verließ Mnuchin die Bank und stieg ins Hedgefonds-Geschäft ein: Nach einer Zeit bei seinem früheren Studienkollegen Eddie Lampert, der mit ESL Investments inzwischen zum milliardenschweren Investor aufgestiegen war, sowie bei George Soros gründete er 2004 mit Dune Capital Management seinen eigenen Fonds.

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Wenig später folgte der Wechsel ins Showgeschäft: Mnuchin ging nach Hollywood und begann, Filme zu produzieren. Zu seinen Werken zählen bekannte Streifen wie "Mad Max: Fury Road", "Batman vs. Superman" oder "X-Men". Auch "Avatar", der bis heute kommerziell erfolgreichste Streifen aller Zeiten, geht auf das Konto des künftigen US-Finanzministers.

Mnuchins Freundin und die peinliche Panne mit der Biografie

Erwähnt sei an der Stelle auch Mnuchins derzeitige Lebensgefährtin, die britische Schauspielerin Louise Linton. Linton fiel bislang weniger durch darstellerisches Können auf, als vielmehr durch eine umstrittene Biografie, die sie über ein freiwilliges Jahr in Sambia verfasst hatte. Das Buch musste Mnuchins Freundin schon nach kurzer Zeit wieder zurückziehen, denn es gab Proteste, weil darin offensichtlich einiges falsch dargestellt war.

Steven Mnuchin indes beschloss zur Zeit der großen Finanzkrise wieder ins Bankgeschäft zurückzukehren, und zwar an der Spitze der Hypothekenbank OneWest. Gemeinsam mit einer Gruppe von Investoren - darunter neben den Hedgefonds-Größen Soros und Paulson auch Ex-Goldman-Vorstand und Private-Equity-Finanzier Christopher Flowers sowie Tech-Milliardär Michael Dell - hatte der Banker das schwer angeschlagene Finanzunternehmen 2009 gekauft, seinerzeit noch unter dem Namen IndyMac.

Nach der Umbenennung übernahm Mnuchin das Management - und hatte offenbar keine ganz ungetrübte Zeit. Laut US-Plattform Business Insider  sah er sich mit verschiedenen Klagen wegen angeblich diverser unlauterer Geschäftspraktiken konfrontiert. 2015 verkaufte die Gruppe den Finanzdienstleister wieder, wobei der Einsatz von 1,55 Milliarden Dollar auf einen Verkaufspreis 3,4 Milliarden Dollar laut Business Insider mehr als verdoppelt wurde.

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Künftig ist nun aber Schluss mit der Suche nach der nächsten großen Chance an der Wall Street oder dem künftigen Blockbuster fürs Kino: Als Finanzminister könnte der Ex-Banker zur Schlüsselfigur bei den Steuersenkungsplänen des künftigen Präsidenten werden. Auch bei der Finanzierung der gewaltigen Infrastrukturinvestments, die Trump versprochen hat, kommt ihm wohl eine wichtige Rolle zu.

Der dritte Ex-Goldmann als Finanzminister - die Märkte mögen's

Dabei wird Mnuchin bereits der dritte Ex-Goldman-Banker, der das Finanzressort einer US-Regierung leitet. Vor ihm kamen bereits George W. Bushs Kassenwart Henry Paulson sowie Bill Clintons Robert Rubin von Manhattans Vorzeigeadresse.

Am Finanzmarkt wird das offenbar durchaus begrüßt. "Es hätte schlimmer kommen können", zitiert die "Financial Times " einen Marktteilnehmer. Damit seien drastische Veränderungen wie eine mögliche Rückkehr zum Goldstandard wohl zumindest vom Tisch. Ohnehin sei es in turbulenten Zeiten wie diesen in gewisser Weise beruhigend, einen weiteren Ex-Goldman-Banker im US-Finanzministerium zu wissen, so die Zeitung.

Einerseits. Andererseits scheint Mnuchin - ganz im Stil derer, die in der Politik derzeit besonders erfolgreich sind - nicht unbedingt ein Freund klarer Festlegungen zu sein. Mit einem Reporter der "Bloomberg Businessweek " etwa sprach er über eines der wichtigen US-Finanzmarktgesetze der jüngeren Vergangenheit, den sogenannten Dodd-Frank-Act.

Es gebe gute Seiten an Dodd-Frank und schlechte Seiten, habe Mnuchin gesagt, so die Businessweek. Was er damit genau meinte, ließ er jedoch offen. Er sehe sich als "Moderator", so Mnuchin gegenüber dem Journalisten.

Damit hatte der Ex-Goldmann geantwortet, ohne wirklich etwas gesagt zu haben. Sein künftiger Chef, der gewählte US-Präsident Donald Trump, wäre wahrscheinlich stolz auf ihn gewesen.