Star-Wissenschaftler Stephen Hawking keilt gegen Silicon Valley "Technologie macht arm"

Von Arne Gottschalck
Stephen Hawking: Der Physiker dürfte einer der bekanntesten Wissenschaftler der Welt sein. Nun bringt er sein Unbehagen gegen Tech zum Ausdruck

Stephen Hawking: Der Physiker dürfte einer der bekanntesten Wissenschaftler der Welt sein. Nun bringt er sein Unbehagen gegen Tech zum Ausdruck

Foto: Facundo Arrizabalaga/ dpa

Was für eine Fügung - am Montag wurde bekannt, dass der Wirtschaftsnobelpreis in diesem Jahr an Angus Deaton gehen und damit unter anderem seine Arbeit über Ungleichheiten gewürdigt werden soll.

Nun schlägt der Physiker Stephen Hawking in die gleiche Kerbe und warnt vor den wachsenden Ungleichheiten einer Gesellschaft. Katalysator für diese Ungleichheiten soll vor allem die Technologie sein, zitiert "CNN money" den Briten.  

Große technologische Sprünge würden die meisten Menschen "bitter arm" zurücklassen, sagt er. Und weist damit unter anderem der Bling-Branche Tech eine Teilschuld an den wachsenden Unterschieden in der Gesellschaft zu.

Die Entwicklung der Tech-Branche werfe zwei Optionen auf, so der Wissenschaftler. Die eine sei es, den maschinengeschaffenen Wohlstand zu teilen, die andere läge darin, dass die Eigentümer der Maschinen sich erfolgreich gegen die Verteilung wehren. "Derzeit scheint es in die zweite Richtung zu gehen, mit einer Technologie, die die Unterschiede weiter vertieft."

Damit sticht Hawking in ein Wespennest. Beispiel San Francisco - dort murren immer mehr Bürger gegen das Silicon Valley, deren gut bezahlte Angestellte die Mieten ins unerschwingliche steigen lassen würden. Auch Experten stellen sich auf die Seite des Physikers. "Ich interpretiere die Daten so, dass Technologie der Haupttreiber der jüngsten Ungleichgleichgewichtszuwächse ist", sagt der MIT-Professor Erik Brynjolfsson.

Zwar hat Technologie das Wirtschaftswachstum in den USA und anderswo angeschoben. Das Silicon Valley hat eine derart hohe Strahlkraft entwickelt, dass viele Regionen weltweit etwas vergleichbares ebenfalls gern erschaffen würden. Doch das Problem - der Kuchen wächst zwar, aber nicht jeder bekommt auch ein größeres Stück. So habe Technologie eine ganze Reihe Arbeitsplätze in der Industrie vernichtet - klassische Arbeiter-Positionen. Die Menschen hätten sich mit Jobs im Handel oder der Pflege beholfen. Doch die seien deutlich schlechter bezahlt. Eine Entwicklung, die so weiter voranschreiten dürfte. So warnte eine Untersuchung der britischen Universität Oxford im Jahr 2014, knapp die Hälfte aller heutigen Jobs stünden auf dem Spiel.

Pikiertes Valley

Hawkings Kritik trifft also ins Schwarze - offenbar so sehr, dass Marc Andreessen, Tech-Unternehmer und so etwas wie der Sprecher des "Valley", einen pikierten Tweet in Richtung des britischen Wissenschaftlers losließ. Und die Überlegungen von Hawking so zusammenfasste: "Seit hundert Jahren sehen Leute dumm aus, die warnen, dass Maschinen Jobs vernichten. Aber ich werde anders sein!" Stattdessen empfahl er ihm, ein Wirtschaftslehrbuch zu kaufen. Die dünnhäutige Reaktion zeigt eines.

Andreessen hat zwar Recht, wenn er darauf hinweist, dass die Menschen doch Jobs hätten. Doch zu welchen Kosten? Das Median-Einkommen in den USA liegt heute genau so hoch wie 1995, als die Tech-Branche zu fliegen begann. Joe-Average hat also nichts von den hochbezahlten Jobs der Tech-Branche und deren Produktivitätssprüngen. Anders die Ingenieure und Wissenschaftler, die sich auf IT spezialisiert haben - deren Gehälter und Vermögen wachsen. Auf bis zu eine Million Dollar beziffert "CNN money" den Gehaltsvorsprung, den Arbeitnehmer mit mindestens einem "bachelor"-Abschluss gegenüber denen ohne einen solchen Zertifikat im Lauf des Lebens haben. Und das hat Folgen für den Wohlstand, weil Geld, das gar nicht erst als Lohn verdient wird, nicht als Altersvorsorge angespart werden kann. Bald würden 1 Prozent der Weltbevölkerung mehr als der Rest der Welt besitzen, so "manager magazin online".

Was Andreessen nun dazu sagte, ist nicht übermittelt.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.