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Kandidaten-Karussel: Diese Köpfe sind für die Uber-Spitze im Rennen

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Showdown in Chicagoer Hotel So wurde Uber-Badboy Kalanick vor die Tür gesetzt

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Kandidaten-Karussel: Diese Köpfe sind für die Uber-Spitze im Rennen

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Erst gelobte er Besserung, dann kündigte er eine Auszeit an, am Ende musste er seinen Posten doch komplett räumen: Der Abgang von Uber-Chef Travis Kalanick, der vor wenigen Tagen für Schlagzeilen sorgte, zog sich schmerzlich hin.

Jetzt enthüllen US-Medien minutiös, auf welche Weise Kalanick die operative Führung des Unternehmens entzogen wurde, das er immerhin selbst mitgegründet und jahrelang praktisch im Alleingang gelenkt hat. Dabei wird klar, was ohnehin schon zu vermuten war: Eine Trennung im gegenseitigen Einvernehmen sieht anders aus.

Wie beispielsweise die "New York Times" berichtet, befand sich Kalanick am vergangenen Dienstag gerade auf Dienstreise in Chicago, um dort Kandidaten für Vorstandsposten in seinem Unternehmen zu interviewen. Ebenfalls nach Chicago waren aufgebrochen: Die Venture-Kapitalisten Matt Cohler und Peter Fenton, beide Partner der Investmentfirma Benchmark, die zu den größten Anteilseignern Ubers zählt.

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Fahrdienst auf Irrfahrt: Was bei Uber alles schiefläuft

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Im Gepäck hatten Cohler und Fenton einen Brief, an dessen Entstehung maßgeblich ein Dritter Benchmark-Manager beteiligt war: Bill Gurley, der für die Finanzfirma auch im Uber Verwaltungsrat sitzt. Gurley hatte zuvor bereits wochenlang hinter den Kulissen an Kalanicks Stuhl gesägt, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Verweis auf Quellen, die mit der Angelegenheit vertraut sind. Das Resultat seiner Bemühungen war demnach jenes Schreiben, das eine Reihe von Forderungen an Kalanick enthielt - inklusive dessen Rücktritts noch am gleichen Tage. Unterzeichnet war das Schreiben nach Angaben Bloombergs von fünf Investoren, die gemeinsam etwa 40 Prozent der Uber-Anteile halten. Darunter befindet sich nach Angaben der "Times" neben Uber auch der Investmentfonds-Riese Fidelity.

Überraschender Besuch also für Kalanick in Chicago: Cohler und Fenton suchten den Noch-Uber-Chef auf und übergaben ihm den Brief der Anteilseigner persönlich.

Und Kalanick reagierte offenbar, wie man es angesichts seines Raubein-Images erwarten würde: Er weigerte sich zunächst, auf die Forderungen einzugehen. Wie die "New York Times" schreibt, rief der Uber-Chef zunächst Arianna Huffington an, die Gründerin der gleichnamigen Online-Plattform, die seit einiger Zeit ebenfalls im Uber-Verwaltungsrat sitzt. Huffington sagte zu Kalanick, die Forderungen der Investoren seien durchaus ernst zu nehmen, so die "Times". So kam es zu einer längeren Diskussion.

"Ich liebe Uber" - Kalanick sucht seinen Nachfolger mit aus

Den Berichten zufolge zog sich Kalanick mit den beiden Männern von Benchmark für mindestens eine Stunde in einen Raum eines Hotels im Zentrum Chicagos zurück, um über die Zukunft des Unternehmens zu beraten, das mit einer Bewertung von etwa 70 Milliarden Dollar als wertvollstes Tech-Unternehmen außerhalb der Börse gehandelt wird. Am Ende war klar: Kalanick willigte ein, als Uber-CEO zurückzutreten.

"Ich liebe Uber mehr als alles andere auf der Welt", sagte er in einem Statement zu seinem Abgang. "In diesem schwierigen Moment meines Lebens habe ich den Wunsch der Investoren akzeptiert, zur Seite zu treten, damit Uber wieder zum Wachstum zurückkehren kann, anstatt in neue Kämpfe hineingezogen zu werden."

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manager-magazin.de / Wochit

Hintergrund: Kalanick hatte zuvor bereits eine unbefristete Auszeit genommen, nachdem im Zuge einer Untersuchung zu Vorwürfen von Sexismus und Diskriminierung bei Uber massive Veränderungen beschlossen worden waren, die seine Vollmachten beschneiden sollten. Er trauert derzeit zudem um seine bei einem Bootsunfall getötete Mutter.

Uber und Kalanick waren in den vergangenen Wochen immer stärker unter Druck geraten. Das wegen seiner aggressiven Firmenkultur und Wachstumsstrategie berüchtigte Unternehmen musste eine tiefgreifende Untersuchung einleiten, nachdem eine ehemalige Software-Entwicklerin von Sexismus und sexueller Belästigung berichtete, die trotz Beschwerden folgenlos geblieben seien.

In einem ersten Schritt waren rund 20 Mitarbeiter entlassen und Dutzende weitere in Schulungen geschickt worden. Jetzt sollen neue Strukturen und Kontrollmechanismen geschaffen werden, um solche Fälle zu verhindern.

Und: Das Unternehmen braucht nun einen neuen CEO. Kalanick, der weiterhin im Verwaltungsrat Ubers sitzen wird, wird auch an der Auswahl seines Nachfolgers beteiligt sein.

Hier sind einige Kandidaten für den Uber-Chefposten, die das US-Tech-Blog "Recode" aufgelistet hat.

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