Heuern und feuern im Silicon Valley Die trügerische Suche nach dem Rock-Star-Angestellten

Von Arne Gottschalck
Marissa Mayer: Von Google zu Yahoo gelockt - und nun?

Marissa Mayer: Von Google zu Yahoo gelockt - und nun?

Foto: Ethan Miller/ AFP

Viel Geld, viel Freiheit - das sind die klassischen Lockmittel der Personalabteilungen, wenn es darum geht, vielversprechende Angestellte vom Konkurrenten in die eigenen Hallen zu locken. Gerade im Silicon Valley, wo das Geld locker sitzt. Doch inthronisiert, erweisen sich die Vielgepriesenen allzu oft als Enttäuschung. Wie das Beispiel Ron Johnson zeigt.

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2011 hatte er bereits ein Jahrzehnt bei Apple gearbeitet und allein diese Adresse dürfte ein Raunen unter Personalern hervorrufen. Zu Recht, immerhin hatte der Senior-Vice-Chef für Retail ein lukratives Netzwerk von Geschäften aufgebaut. Der Apple-Shop, ein Tempel für Techies. Das beobachtete man auch bei JCPenney und bot Johnson einen Job als CEO an. Johnson schlug ein.

Und verlor bereits nach 17 Monaten diesen Job. Nachdem er das hingelegt hatte, was "Wired"  als eine der erfolglosesten Amtszeiten in der Retail-Geschichte bezeichnet hat. Kein Wunder, die Aktie verlor 50 Prozent an Wert, Stammkunden wurden verschreckt. Dabei hatte Johnson nur das gemacht, was bei Apple beklatscht wurde - er hat versucht, JCPenney in etwas hippes zu verwandeln. Den Apple-Shop unter den Kaufhäusern. Nur funktioniert das nicht bei einer Kaufhauskette, die von Elektroartikeln bis zu Kosmetik alles Mögliche anbietet und dazu noch eher im unteren Preissegment aktiv ist.

Das gleiche widerfuhr dem Google-Goldkind Marissa Mayer bei Yahoo oder Richard Thoman, immerhin Finanzchef von IBM, als Xerox-Vorstand. Warum? Weil die Unternehmen unrealistische Vorstellungen hatten, was "der Neue" schaffen könnte. Oder anders gesagt - weil sie dem Rockstar-Charme erlegen waren. Und noch immer glauben Unternehmen, sie bräuchten einen Superstar, um ihre Pläne zu verfolgen. Und notfalls muss der eben bei der Konkurrenz gewildert werden. Apple und Tesla, beim Ringen um die automobile Zukunft potenzielle Rivalen, haben sich angeblich so sehr in einem wilden Wilder-Kampf verbissen, dass sie sich gegenseitig sogar die Job-Recruiter abspenstig gemacht haben sollen. Alles Unfug, findet Boris Groysberg, Professor an der Harvard-Universität.

Wachsen lassen statt wildern

Er hat sich lange mit der Frage der Talent-Portabilität befasst. Der Frage also, ob ein Rockstar-Angestellter in einem anderen Unternehmen ebenso glänzen kann wie zuvor. Dazu hat er unter anderem untersucht, wie es gefeierten Finanzanalysten erging. 1.052 von ihnen fanden sich in seinen Statistiken. Und knapp die Hälfte brachte im neuen Job nur armselige Leistungen und kamen auch später nie wieder auf die Beine.

Jeffrey Pfeffer ist Professor der Stanford-Universität und erklärt: "Die Leistung von Menschen ist nicht nur eine Funktion ihrer individuellen Fähigkeiten. Sondern auch des System, in dem sie arbeiten". Talent, so scheint es, mag keine Umzüge.

Einigen Firmen ist das inzwischen auch aufgefallen. Google zum Beispiel beginnt, ihren hauseigenen Talent-Pool zu messen und zu erfassen, statt bei der Konkurrenz zu wildern.

Eine Taktik, die akademischen Segen findet. So zeigt eine Studie der Harvard Business School, dass es so etwas wie "toxische Arbeitnehmer" gibt. Wer sie anheuert, bekommt Probleme. Die Studie rechnet vor, dass ein guter neuer Angestellter einen finanziellen Vorteil von 5.303 Dollar bringen kann, einfach, weil er die Performance nach oben treibt. Dem gegenüber steht der faule Apfel, der das Unternehmen bis zu 12.489 Dollar kostet. Weil er auch die anderen ansteckt.

Was bleibt also fürs Valley? Weniger wildern, lieber selbst die kommenden Stars heranziehen.


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