Ben van Beurden Der Mann hinter Shells 70-Milliarden-Dollar-Deal

Von Arne Gottschalck
Ben van Beurden: Klotzen, nicht kleckern

Ben van Beurden: Klotzen, nicht kleckern

Foto: AP/dpa

Ben van Beurden ist CEO von Royal Dutch Shell  und damit so etwas wie der geistige Vater des Milliardendeals, durch den sich der Energieriese den Gasproduzenten BG Group einverleibt. Seit Januar 2014 ist van Beurden der höchste Mann bei Shell und damit lange genug im Amt, um ein solches Großvorhaben zu orchestrieren. Was treibt ihn an?

Van Beurden ist studierter Chemieingenieur und arbeitet seit 30 Jahren im Unternehmen. Das klingt nach einem braven Unternehmenssoldaten, der treu seine Aufgaben erfüllt. Doch alle Soldaten haben ihren Feldmarschallstab im Tornister, heißt es. Die nötigen Führungseigenschaften bringt van Beurden mit.

Denn er scheut sich offenbar nicht, unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Kaum im Amt, griff er zur Axt und beendete Shells Beteiligung an einem Gasfeld in Australien. Unter anderem, weil er selbst warnte, das Jahresergebnis des Unternehmens werde "signifikant niedriger" ausfallen als erwartet und es brauche weitere "harte Entscheidungen", um "Shells Kapitaleffizienz zu verbessern." Bereits zuvor mahnte er eine "bessere operative Disziplin" an.

Ein Projekt im texanischen Eagle Ford? Gleichfalls weg damit, berichtete das Wall Street Journal  und attestierte van Beurden eine "harte Hand".

Nun schlägt er damit ebenso entschlossen an anderer Stelle zu - allerdings nicht mit der Axt, sondern mit dem Schmiedehammer, um das Shell-Imperium zu vergrößern. Mit BG Gas kauft er ein Unternehmen, das vor allem im Tiefwasser aktiv ist. Genau das, was van Beurden offenbar als Erlösquelle vorschwebt. "BG wird Shells Finanzwachstumsstrategie voranbringen", sagt er. Besonders im Tiefwasser und beim Thema LNG (verflüssigtes Gas). Beides seien Felder, in denen Shell wachsen wolle und in denen das Unternehmen bereits zu den Branchenführern gehöre.

Teurer Experte

Die Fremdwahrnehmung ist offenbar strenger. So geriet van Beurden zuletzt in die Kritik, weil er der Chef mit dem zweithöchsten Entgelt im gesamten englischen Index FTSE 100 ist. Über 24 Millionen Euro soll er 2014 verdient haben, berichtet die Zeitung The Guardian . "Das könnte in den anstehenden Wahlen in Großbritannien zum Thema werden", sagt Deborah Hargreaves, die der "High Pay Commission" vorsteht und damit Zahlungen in Unternehmen genau verfolgt. "Es gibt derzeit eine Menge Diskussionen um die Gehälter an Firmenspitzen."

Wer unter solchem Druck steht, muss liefern. Van Beurden hat das nun getan. Und die Börse klatscht Beifall: Immerhin sorgte der Deal im gesamten europäischen Energiesektor für Kursgewinne.

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Van Beurden zeigt damit erneut seine harte Hand. Und einen längerfristigen Plan. Er will unter anderem im Gesamtkonzern eine neue Unternehmenskultur verankern. Manager sollen ihre kleine Einheiten unabhängiger führen. Und was nicht passt, wird verkauft. Die gleiche Strategie hat er laut WSJ bereits als Chef der Chemie-Sparte des Konzerns angewendet. Die hatte er 2006 übernommen - und fand ein global zerfasertes Geschäft vor.

Viele Strategien seien seinerzeit veraltet gewesen und die Gesamtsparte habe unter schlechten Ausgabenentscheidungen gelitten, sagt Erik Bonino, der damals an van Beurden berichtete und jetzt dem britischen Geschäft vorsteht. Van Beurden brachte die Manager der Sparte unter anderem dazu, um Finanzmittel zu konkurrieren. Nun soll diese Strategie offenbar im Kerngeschäft fruchten. Die Chancen sind da. Auch weil van Beurden nun allen bekannt ist.

"Er wirkte immer recht zugänglich, offen und freundlich", sagt Marc van Loo, Senior Öl-und Energie-Analyst von NN Investment Partners, der ihn einige Male getroffen hat. "Anfangs, als er zum CEO ernannt wurde, kannte ihn niemand, gerade in London. Doch das hat sich geändert, die Ergebnisse überzeugten durchaus - und jetzt dieser Deal, das ist schon beeindruckend und schließt die strategischen Lücken des Unternehmens."

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