Dienstag, 19. November 2019

Sergey Brins gewaltiger Bau im Nasa-Hangar Das unbekannte Flugobjekt des Google-Gründers Sergey Brin

Zeppeline, Passagierdrohnen, Raumfähren: Die irren Fluggeräte der Silicon-Valley-Milliardäre
DPA

Sergey Brin zeigt, dass er das Träumen von technologischen Revolutionen nicht verlernt hat. Laut einem "Bloomberg"-Bericht arbeitet der Google-Mitgründer privat an einer modernen Version der Zeppeline. In einem alten Luftschiff-Hangar der Nasa in Mountain View entstehe mehreren beteiligten Personen zufolge ein Flugobjekt, das die gewaltige Halle weitgehend ausfülle. Das besondere: Der Helium-Ballon soll gewissermaßen atmen können, also sich wie eine Lunge füllen und leeren.

Solche "Moonshots" sind beim Google-Konzern Alphabet Börsen-Chart zeigen nicht mehr so angesagt. Der Silicon-Valley-Riese achtet inzwischen mehr aufs Geld. Zukunftsinvestitionen müssen schneller beweisen, dass sie eine kommerzielle Perspektive haben.

Vor wenigen Tagen hatte Mitgründer Larry Page ebenfalls Furore mit einem neuen Flugobjekt gemacht. Das von ihm mitfinanzierte Unternehmen Kitty Hawk präsentierte am Montag (siehe Video) eine bemannte Drohne. Noch 2017 soll eine Variante dieses fliegenden Autos auf den Markt kommen.

Das "Moffett Airfield", wo Sergey Brins Traum "Bloomberg" zufolge Wirklichkeit wird, hatte die Google-Tochter Planetary Ventures 2014 für einen Milliardenbetrag vom Staat gepachtet. Das jahrzehntelang von der Nasa als Ames Research Center genutzte Gelände taugt zur Erweiterung der Zentrale, ebenso wie für Tests beispielsweise der Robotertechnik. Bereits zuvor hatte Brin den "Hangar One" für wissenschaftliche Wettbewerbe genutzt.

Referenzen des Projektleiters: Bungee-Jumping und Reagans "Star Wars"

Nun wird die Halle, die bereits in den 30er Jahren für Luftschiffe genutzt wurde, offenbar ihrem ursprünglichen Zweck zugeführt. Ein Metallgerüst stehe bereits, heißt es in dem Bericht. Brin teilte mit, er habe "gerade jetzt" nichts zu dem Thema zu sagen.

Mit dem Projekt betraut ist demnach Alan Weston, der zuvor die Forschungsprogramme der Nasa am selben Ort leitete und eine schillernde Figur ist. In seiner Jugend war er als Mitglied des "Dangerous Sports Club" an noch verrückteren Vorhaben wie dem modernen Bungee-Jumping beteiligt, inklusive eines Sprungs von der Golden Gate Bridge. Später spielte er eine Schlüsselrolle in Präsident Reagans "Star-Wars"-Programm zur weltraumbasierten Raketenabwehr.

Den aktuellen Plan erläutern könnte ein Radiointerview, das Weston 2013 gab. Darin beschrieb er die Vorzüge von Luftschiffen, die dank neuer Technik große Lasten deutlich spritsparender transportieren könnten als Flugzeuge, vor allem aber unabhängig von teurer Infrastruktur wie Flughäfen.

Die mit der Explosion der deutschen "Hindenburg" 1937 beendete Ära der Luftschiffe sollte schon mehrfach neu entstehen. Deutsche Kleinanleger erinnern sich an das in Brandenburg mit großer Hoffnung gestartete Projekt Cargolifter, das eine als Freizeitbad genutzte Halle hinterlassen hat. In Großbritannien hob der neuartige "Airlander 10" im vergangenen Herbst zu seinem Jungfernflug ab.

Dieser "fliegende Hintern" verspricht nur eine Traglast von zehn Tonnen, dafür mit tagelanger Flugzeit ohne Tankstopp.

Weston hingegen spricht von Gefährten, die 500 Tonnen ohne Ballast tragen können. Die künstliche Lunge soll mit Druckunterschieden zwischen Helium in kleinen inneren Ballons und der Umgebungsluft funktionieren. Das Gewicht der verdrängten Luft entspreche dem Auftrieb. Auf das Geheimprojekt nun angesprochen, löschte Weston die Hinweise auf seine Luftschiff-Expertise rasch aus seinem Linkedin-Profil.

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