Sonntag, 21. April 2019

Neues Jahr, neues Glück? Was die deutschen CEO-Verlierer des Jahres 2018 nun machen

7. Teil: Carsten Kengeter: Kämpft mit juristischer Altlast

Carsten Kengeter: Der frühere Chef der Deutschen Börse schlägt sich weiter mit juristischen Altlasten herum

Carsten Kengeter (51), bis zum Herbst 2017 Vorstandsvorsitzender der Deutschen Börse privatisiert bis auf Weiteres. Bevor der gelernte Investmentbanker (Goldman Sachs, UBS) wieder für Aufsichts- und Beiratsmandate satisfaktionsfähig ist, muss eine juristisch heikle Altlast beseitigt werden. Noch immer ermittelt die Frankfurter Staatsanwaltschaft gegen Kengeter wegen des Verdachts auf Insiderhandel. Kengeter bestreitet die Vorwürfe und sieht sich zu Unrecht beschuldigt.


Update: Das Landgericht Frankfurt hat das Verfahren gegen Carsten Kengeter eingestellt, wie die Deutsche Börse bekannt gab. Die Börse selbst zahlt Bußgelder in Höhe von 10,5 Millionen Euro.


Die Angelegenheit ist vertrackt und hat ihre Ursache in einem Vergütungspaket, das der Aufsichtsrat der Börse im Herbst 2015 a speziell für Kengeter zurechtgeschnürt hat. Sollte der damalige Börsenchef bis Ende Dezember 2015 Aktien seines Arbeitsgebers im Wert von 4,5 Millionen Euro aus eigenem Vermögen erwerben, wollte die Börse noch einmal Gratisaktien im Wert von 4,5 Millionen Euro draufpacken. Weil Kengeter und sein Aufsichtsratschef Joachim Faber just zu diesem Zeitpunkt über einen Zusammenschluss mit der London Stock Exchange sprach, nahmen die Frankfurter Staatsanwälte später Ermittlungen wegen des Verdachts auf Insiderhandel auf.

Bereits im Herbst 2017 versuchte Faber das Verfahren mit einem Deal zu beenden. 10,5 Millionen Euro sollten mit Zustimmung von Börsen-Aufsichtsrat- und -Vorstand in Einstellung und Rechtsfrieden investiert werden. 10 Millionen wollte das Unternehmen aufbringen, 500 000 sollten von Kengeter kommen. Der Handel scheiterte am Veto des Amtsgerichts Frankfurt. Unter anderem deswegen, weil dem Bundesamt für Finanzdienstleistungsaufsicht, das auch hinter den Ermittlungen der Staatsanwälte stand, auf einer Zahlung Kengeters pochte, die zumindest die Gewinne aus dem strittigen Deal abschöpfen sollte.

Nun unternimmt Aufsichtsratschef Faber offenbar einen neuen Anlauf. Die Börse will demnach weiterhin 10 Millionen Euro anbieten, Kengeter selbst soll 5 Millionen Euro bezahlen. Von Bafin, Unternehmen, Kengeter und Faber war keine Bestätigung zu erhalten, Anfragen blieben entweder unbeantwortet oder kamen mit dem Vermerk "kein Kommentar" zurück. Innerhalb der Bafin heißt es nach Informationen des manager magazin nur, es sei "Bewegung in die Angelegenheit gekommen."

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung