Die wichtigsten Fragen zu den königlichen Finanzen Woher kommt das Geld der Royals? Und wie viel bekommen Harry und Meghan?

Royale Hochzeitsgesellschaft bei der Vermählung des Herzogs und der Herzogin von Cambridge 2011

Royale Hochzeitsgesellschaft bei der Vermählung des Herzogs und der Herzogin von Cambridge 2011

Foto: REUTERS

18.600 Pfund: So hoch ist das Mindesteinkommen, das Paare in Großbritannien pro Jahr vorweisen müssen, wenn einer der Partner nach der Hochzeit ins Land ziehen will. Am kommenden Samstag dürfte das kein Thema sein - hat der Großvater des Bräutigams im vergangenen Jahr doch ziemlich genau diese Summe für eine einzige Zugreise ins ländliche Devon ausgegeben .

Die Hochzeit von Henry Charles Albert David ("Harry") von Wales und Rachel Meghan Markle lenkt die Augen der Welt auf das prunkvolle Leben der britischen Königsfamilie. 600 Gäste werden in der jahrhundertealten St George's Chapel von Schloss Windsor erwartet, Modemedien spekulieren schon seit Wochen über Designer (und Preis) des Brautkleides - im Raum stehen bis zu 300.000 Pfund .

Bezahlt wird die Sause vom Kensington Palace - Wohnort und Synonym von Bräutigam Harry, seinem Bruder William nebst Familie und weiteren royalen Angehörigen. Wie viel Geld der Lebenswandel der Royals jährlich kostet, wo das Geld herkommt und warum das junge Paar zumindest bei den Trauringen relativ günstig davonkommt - eine Übersicht über die wichtigsten Fragen zu den königlichen Finanzen:

Woher stammt das Einkommen der Königin?

Queen Elizabeth und Gemahl Philip in vollem Ornat

Queen Elizabeth und Gemahl Philip in vollem Ornat

Foto: Toby Melville/ dpa

Die Ausgaben von Queen Elizabeth, ihrer Familie und anderen Vertretern des königlichen Haushalts werden aus drei Quellen finanziert:

  • Damit die Queen ihren offiziellen Pflichten nachkommen kann, überweist die britische Regierung ihrem Staatsoberhaupt regelmäßig Geld ("Sovereign Grant"). Finanziert werden diese Summen vom "Crown Estate", das einstige royale Besitztümer verwaltet: Ackerflächen und Wälder, aber auch Top-Immobilien an Londons Regent Street im vornehmen Viertel St James's. Im Geschäftsjahr 2016 beliefen sich die Erlöse auf fast 330 Millionen Pfund - aktuell gehen 25 Prozent davon an die Königin.
  • Offizielle, aber auch private Ausgaben bestreitet die Königin aus der "Privy Purse" (wörtlich "Privatschatulle"). Sie wird mit Einnahmen der "Duchy of Lancaster" gefüllt, die ebenfalls im Land- und Immobiliengeschäft tätig ist. Aus der Privatschatulle werden laut offiziellen Angaben vor allem Kosten anderer Mitglieder der königlichen Familie erstattet.
  • Rein private Ausgaben tätigt die Königin aus ihrem Privatvermögen; dazu gehören etwa Einnahmen der Schlösser Balmoral und Sandringham, die Elizabeth von ihrem Vater geerbt hat, nicht aber die Londoner Residenzen wie Buckingham Palace oder Schloss Windsor - über sie verfügt die Königin nur als Souverän.

Wofür geht das Geld drauf?

Die Königin im Parlament (Archivaufnahme von 2015)

Die Königin im Parlament (Archivaufnahme von 2015)

Foto: Suzanne Plunkett/ REUTERS

Damit auch gar keine falschen Vorstellungen aufkommen, heißt es auf der Website zu den königlichen Ausgaben gleich im ersten Satz: "Alle offiziellen Mittel (...) werden ausschließlich verwendet, um die Königin in ihrer Rolle als Staatsoberhaupt zu unterstützen."

Dazu gehörten Reisekosten (wir erinnern an die gut 18.000 Pfund teure Zugreise nach Devon ), die Instandhaltung der königlichen Residenzen, in denen offizielle Veranstaltungen stattfänden, sowie die Gehälter für die Angestellten des royalen Haushalts.

Vor allem die Instandhaltung der Paläste hat sich in den vergangenen Jahren als kostenintensiv herausgestellt: Um eine 370 Millionen Pfund teure Renovierung des Buckingham Palace zu stemmen, der etwa neue elektrische und sanitäre Einrichtungen bekommen soll, hat das Parlament im November 2016 eine Erhöhung der Sovereign-Grant-Mittel abgenickt - zuvor hatte die Königin nur 15 Prozent der Erlöse erhalten.

Dürfte die Queen Kronjuwelen verkaufen?

Repliken der britischen Kronjuwelen

Repliken der britischen Kronjuwelen

Foto: Tristan Fewings/Getty Images for Sothebys

Nein, dürfte sie nicht: Wie beim Buckingham Palace kann die Königin über die Kronjuwelen oder die meisten Kunstwerke aus der Royal Collection nur in ihrer Funktion als Staatsoberhaupt und im Namen des Volkes verfügen.

Zahlt die Königin Steuern?

Queen Elizabeth im Parlament (Archivaufnahme von 2008)

Queen Elizabeth im Parlament (Archivaufnahme von 2008)

Foto: POOL New/ REUTERS

Ja. "The Queen pays tax", heißt es schlicht auf der königlichen Website. Im Jahr 1992 habe Elizabeth freiwillig angeboten, Einkommens- und Kapitalertragssteuer zu zahlen; seit 1993 sei ihr persönliches Einkommen steuerpflichtig "wie bei jedem anderen Steuerzahler auch." Mehrwertsteuer habe die Königin selbstverständlich seit jeher geleistet.

Was verdienen Harry und Meghan im Jahr?

Soldat (rechts) heiratet Schauspielerin

Soldat (rechts) heiratet Schauspielerin

Foto: EDDIE MULHOLLAND/ AFP

Prinz Harrys Einkommen ist teilweise unabhängig von von den Geldquellen seiner Großmutter, auch wenn sie für seine Quartiere im Kensington Palace aufkommt. Wie sein Bruder William verfügt Harry über einen 10 Millionen Pfund schweren Trust-Fonds, den seine Mutter Diana vor ihrem Tod für jeden ihrer Söhne eingerichtet hatte. "Forbes" schätzte das Investment-Einkommen aus dem Fonds einst auf 450.000 Pfund pro Jahr.

Darüber hinaus werden Harry und William über ihren Vater, Kronprinz, Charles finanziell unterstützt. Charles' Finanzen fußen auf der "Duchy of Cornwall", wie die "Duchy of Lancaster" der Queen ein Unternehmen, das eine Reihe von Ländereien und Immobilien verwaltet. Im letzten verfügbaren Jahresbericht wies die 1337 begründete "Duchy of Cornwall" einen Überschuss in Höhe von 20,7 Millionen Pfund aus - welcher Anteil davon an den jüngeren der beiden Söhne des Kronprinzen fließt, wird allerdings nicht explizit aufgeschlüsselt. Beobachter der royalen Szene gehen allerdings von mindestens sechsstelligen Summen aus.

Harrys Verlobte Meghan konnte zuletzt ebenfalls auf ein ordentliches sechsstelliges Einkommen blicken: Laut Medienberichten soll die Schauspielerin 50.000 Dollar pro Episode der Anwalts-Serie "Suits" kassiert haben - bei 10 Folgen pro Jahr mache das eine halbe Million Dollar.

Was passiert mit Geschenken an die königliche Familie?

Prinz Charles zu Gast in Neuseeland

Prinz Charles zu Gast in Neuseeland

Foto: NIGEL MARPLE/ REUTERS

"Ein Paar gestrickte Baby-Socken, ein Buch, ein gerahmtes Foto" - regelmäßig veröffentlicht der Palast detaillierte Aufstellungen der Geschenke, die Mitglieder der königlichen Familie bei Auslandsreisen bekommen (Socken und Foto gab es etwa für Prinz William im Oktober 2017 im belgischen Ypern).

Die Adligen müssen dabei genauen Regeln folgen : Über allem thront der Anspruch, sich durch Geschenke niemals kompromittieren zu lassen. Geschenke von Unternehmen seien grundsätzlich abzulehnen, sofern sie reinen Souvenir-Charakter überschritten. Ähnliches gelte für Geschenke von Privatpersonen: Erlaubt seien hier Blumen, Nahrungsmittel und Bücher (solange sie keine kontroversen Themen behandeln). Andere Geschenke seien nur zulässig, so lange sie günstiger als 150 Pfund seien. Geldgeschenke seien nur im Namen wohltätiger Organisationen zulässig.

Geschenke bei Staatsbesuchen oder anderen offiziellen Anlässen werden als "offizielle Geschenke" geführt. Sie gehen nicht in den Besitz des jeweiligen Mitglieds der königlichen Familie über, das sie erhält, sondern werden im Namen der Queen entgegengenommen. Offizielle Geschenke dürfen von Mitgliedern der königlichen Familie genutzt (oder gegessen) werden und gehen automatisch in die "Royal Collection" über - sie gehören damit explizit nicht der königlichen Familie, diese kann sie nur nutzen.

Um Lagerungskosten zu vermeiden, dürfen offizielle Geschenke - in Abstimmung mit Vertretern der Royal Collection - verliehen, an wohltätige Organisationen verschenkt oder sogar zerstört werden.

Private Geschenke von Bekannten dürfen britische Adlige unbegrenzt annehmen, müssen sie im Falle eines Weiterverkaufs allerdings versteuern. Private Geschenke von Unternehmen dürfen dabei erneut 150 Pfund an Wert nicht übersteigen.

Warum werden die Ringe eher günstig?

William, Thronfolger in spe, und seine Braut Kate Middleton tauschen die Ringe

William, Thronfolger in spe, und seine Braut Kate Middleton tauschen die Ringe

Foto: Dominic Lipinski/ ASSOCIATED PRESS

Die Summe sticht aus den oft fünf- und sechsstelligen Schätzungen der Hochzeitskosten heraus: 6000 Pfund veranschlagt eine populäre Vorhersage einer Hochzeitsplanungsgesellschaft für die Trauringe von Harry und Meghan. Das liegt wohl auch daran, dass die Brautleute zumindest beim Material sparen können: Seit der Hochzeit von Harrys Urgroßeltern wurden die Ringe der königlichen Familie aus einem einzelnen Brocken Waliser Goldes gefertigt. Weil der zuletzt zu klein war, um weitere Goldreife daraus zu fertigen, ist mittlerweile ein neues Nugget im Einsatz - und das wurde der königlichen Familie von der Royal British Legion geschenkt.

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