Montag, 21. Oktober 2019

Mister Telekom wird 70 Was macht eigentlich Ron Sommer?

Ron Sommer im Sommer 2019 (links) und bei einer Bilanz-Pressekonferenz der Telekom im Jahr 1999

Mit 52 war Schluss. Ron Sommer, schillernder Branchenstar, musste Mitte Juli 2002 seinen Chefsessel räumen bei der Deutschen Telekom. Der teure Einstieg in den US-Markt war umstritten, der Schuldenberg hoch, der Aktienkurs im Keller. Danach verschwand Sommer aus der öffentlichen Wahrnehmung - seine Managerkarriere war früh beendet. Im Rückblick sei der damalige Abgang "schmerzhaft" gewesen, sagt Sommer heute der dpa. "Das war eine emotionale Zeit." Doch er ist mit sich im Reinen: "Wäre es damals nicht so gekommen, hätte ich nicht die spannende Zeit erlebt, die danach kam." Am 29. Juli wird Sommer 70 Jahre alt.


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In drei Aufsichtsräten großer Konzerne saß er in den vergangenen Jahren: bei der Versicherung Münchner Rück, beim indischen Softwareunternehmen Tata Consultancy Services (TCS) und beim russischen Telekommunikationskonzern MTS. Dieser gehörte einst zum großen Teil der Deutschen Telekom, wurde nach Sommers Abgang aber verkauft. Mit dem Erlös wurden Schulden zurückgezahlt.

In seiner Zeit als Aufsichtsrat bekam der in Wien Aufgewachsene ein Gefühl für die Größe des Marktes - und wie wichtig Wachstum ist. TCS beispielsweise habe inzwischen rund 400.000 Mitarbeiter und stelle pro Jahr 40.000 bis 60.000 neue Beschäftigte ein. Und MTS habe den Internetausbau in Russland vorangetrieben - schnelle Gigabit-Verbindungen seien in den Großstädten längst Standard.

Nixdorf, Sony, Telekom

Davon ist Deutschland noch weit entfernt. Zwar rüstet Vodafone TV-Kabel auf Gigabit-Speed hoch, doch in den meisten Haushalten ist so ein Tempo längst noch nicht realisierbar. Auf den Zustand der inländischen Internetlandschaft angesprochen, winkt Sommer ab - als Ex-Telekom-Chef wolle er sich dazu nicht äußern. Zu Europa allerdings sagt er etwas: Der Markt sei zu kleinteilig und das Internet in der Regel viel zu langsam. "Im Jahr 2008 war ich in Hongkong und hatte dort Ein-Gigabit-Internet - also vor elf Jahren", sagt Sommer. "Heute ist so ein Tempo in Europa die Ausnahme."

Europa hinke beim Internet großen Teilen der Welt hinterher, sagt Sommer. Zu kleinteilig sei die hiesige Telekom-Branche, die in Europa aufgesplittert sei in etwa 100 verschiedene Firmen. "Drei, maximal vier Anbieter wären besser, damit Europa mithalten kann im globalen Digitalzeitalter." Nach seiner Darstellung wäre dies gut, weil große Konzerne mehr Investitionskraft haben als kleinere Firmen.

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