Montag, 18. November 2019

Mister Telekom wird 70 Was macht eigentlich Ron Sommer?

Ron Sommer im Sommer 2019 (links) und bei einer Bilanz-Pressekonferenz der Telekom im Jahr 1999

2. Teil: Im Konzern löst der Name keine Begeisterung aus - "Sonnenkönig"

Der schon mit Anfang 20 promovierte Mathematiker machte zunächst Karriere bei Nixdorf, später war er Sony-Europachef und von 1995 bis 2002 Telekom-Vorstandsvorsitzender. In seiner Bonner Zeit entwickelte sich ein nationaler Staatsmonopolist zu einem internationalen börsennotierten Konzern. Sommer entschied sich für den Markteinstieg in den USA, dabei gab es Kritik an den hohen Kosten. Inzwischen gilt der Mobilfunkanbieter T-Mobile US aber als profitabler Konzernzweig.

Derzeit peilt die Telekom in den USA die Übernahme des Konkurrenten Sprint an - beide Firmen kommen zusammengerechnet auf 130 Millionen Mobilfunk-Kundenanschlüsse (davon 81 Millionen T-Mobile US) und damit mehr als die jetzigen Branchenführer Verizon (118 Millionen) und AT&T (100 Millionen).

17 Jahre nach Abgang sagt Sommer immer noch "wir"

"Wir sind auf dem besten Weg, in den USA die Nummer eins zu werden, ob mit oder ohne Sprint", sagt Sommer. "Wir" sagt der Ex-Manager - 17 Jahre nach seinem Telekom-Abgang. "Vielleicht wird das, was ich damals gemacht habe, inzwischen mit anderen Augen gesehen."

Begeisterung löst sein Name aber nicht aus in Bonn. Aus Konzernkreisen heißt es: "Der USA-Einstieg hat uns damals in Schwierigkeiten gebracht, wir haben das noch lange finanzieren müssen aus Deutschland." Gegenüber der Belegschaft sei Sommer distanziert aufgetreten. "Als Wunderkind gab er sich wie ein Sonnenkönig."

Aus Sicht externer Experten gibt es in seiner Telekom-Zeit Licht und Schatten. "Der Börsengang 1996 ragte heraus, den hat er in einem schwierigen politischen Umfeld durchsetzen können", sagt Torsten Gerpott von der Universität Duisburg-Essen. Sommer habe zudem daran mitgewirkt, dass die Telekom ihre verstaubte Behördenmentalität allmählich abgelegt habe, allein sein Verdienst sei das aber nicht. Eher negativ sieht Gerpott den Kauf von T-Mobile US, der überteuert gewesen sei. "Hätte die Telekom das Geld damals in ihr europäisches Netz investiert, stünde sie heute vermutlich besser da."

"All das mit durchlitten, was auch andere Aktionäre durchlitten haben"

In seiner Amtszeit lag auch eine Achterbahnfahrt beim Telekom-Börsenkurs - von anfangs umgerechnet 14,57 Euro kletterte der Wert auf 100 Euro und stürzte danach wieder ab. Heute ist die Aktie etwa wieder beim damaligen Ausgabewert angekommen. Manche Kleinanleger verloren viel Geld. "Ich habe mich nie wohlgefühlt, wie sich der Aktienkurs entwickelt hat", sagt Sommer - sowohl als es aufwärts ging als auch als es abwärts ging. Die Talfahrt der Aktie habe am Platzen der "New-Economy"-Blase im Jahr 2000 gelegen.

Mit eigenen Telekom-Aktien habe er damals ebenfalls die Folgen des Kurseinbruchs zu spüren bekommen. Er habe "all das mit durchlitten, was auch andere Aktionäre durchlitten haben", sagt er. Noch heute halte er Telekom-Aktien. "Ich gehöre nicht zu den Menschen, die Aktien verkaufen", sagt Sommer. Vielmehr seien Aktien für ihn ein langfristiger Teil des Vermögensaufbaus. Telekom-Mobilfunkverträge habe er ebenfalls noch - als "treuer Kunde", wie er sagt.

Nun also 70. Und dann? Seine drei Aufsichtsratsmandate hat er in den vergangenen Wochen abgegeben. Pläne für die Zukunft? Er lasse es auf sich zukommen. Er habe nun mehr Zeit für die Familie, sagt der zweifache Vater, der in der Nähe von Düsseldorf wohnt. Fliegen werde er weiterhin - Sommer hat nach seinem Telekom-Abgang den Pilotenschein gemacht. Das deutsche Wort Aufsichtsrat enthalte ja das Wort "Rat" - "wer meinen Rat will, kann ja weiterhin zu mir kommen."

Wolf von Dewitz, dpa

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