Kinnevik-Chefin Cristina Stenbeck Diese Frau bietet Oliver Samwer Paroli

Meinungsstark: Kinnevik-Oberaufseherin Cristina Stenbeck auf geht Konfrontation mit Oliver Samwer

Meinungsstark: Kinnevik-Oberaufseherin Cristina Stenbeck auf geht Konfrontation mit Oliver Samwer

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Oliver Samwer ist es nicht gewohnt, dass man ihm widerspricht - geschweige denn, dass man die Pläne des "aggressivsten Manns im Internet" durchkreuzt. Die schwedische Unternehmerin Cristina Stenbeck, auch Verwaltungsratschefin des Rocket-Investors Kinnevik, tut es dennoch.

Dabei braucht Samwer dringend eine neue Erfolgsgeschichte, um von dem stagnierenden Werten des Rocket-Firmenportfolios abzulenken. Der Börsengang des noch immer tiefrote Zahlen schreibenden Essenslieferanten Hellofresh sollte dies sein. Doch einen Tag vor der geplanten Veröffentlichung des Börsenprospekts zwang Stenbeck Samwer laut einem Bericht im aktuellen manager magazin nun über Anwälte klein beizugeben und die IPO-Pläne erst einmal zu begraben.

Auf die Frage von Journalisten, was denn nun mit dem Börsengang von Hellofresh werde, hieß es am Mittwoch plötzlich: Dazu, wer der nächste IPO-Kandidat werden solle, könne man sich aktuell nicht äußern.

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Ob der Sieg von Stenbeck von Dauer sein wird, und ob Kinnevik sich angesichts der offensichtlichen Meinungsunterschiede womöglich ganz von seinem Engagement bei Rocket verabschieden könnte, bleibt abzuwarten.

Dass sie vor solchen Schritten nicht zurückschreckt, hat Stenbeck erst gerade wieder bewiesen, als sie für 846 Millionen Dollar ihre 31-prozentige Beteiligung  am russischen Anzeigenportal Avito losschlug. Ein Unternehmen, das ebenfalls kurz zuvor noch als Börsenkandidat gehandelt wurde.

In jedem Fall hat Stenbeck gezeigt, dass sie gewillt ist, die Interessen ihrer Familie zur Not auch gegen Widerstände durchzusetzen.

Mit 24 plötzlich Herrscherin über das Familienimperium

Daran, Verantwortung zu übernehmen, ist die "Königin Cristina", wie die 38-Jährige in Schweden heißt, schon seit frühen Jahren gewohnt. Mit 19 übernimmt die in den USA aufgewachsene Unternehmerin, die gerade erst schwedisch gelernt hat, ihren ersten Aufsichtsratsposten im Familienimperium. Zwei Jahre später stellt ihr Vater, der Medienmogul Jan Stenbeck, sie als seine Nachfolgerin vor.

Einen Posten, den die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin früher als erwartet antreten muss: Als ihr Vater, der Gründer der "Metro"-Gratiszeitungen, 2002 nach einem Herzinfarkt stirbt, übernimmt sie mit 24 Jahren das Ruder der Kinnevik-Gruppe. Anfangs sind die Zweifel groß, dass die junge Stenbeck das Milliarden-Imperium ihres Vaters erfolgreich weiterführen kann, der aus einem traditionellen Industrieunternehmen einen erfolgreichen Medien- und Telekommunikationskonzern geschmiedet hatte.

Doch schon bald beweist die junge Frau, dass sie unternehmerisches Geschick hat. Und ein Händchen für die richtigen Leute an der Spitze. Seit 2008 hat sich der Kurs der Kinnevik-Aktie mehr als verfünffacht.

Der Beginn einer lukrativen Freundschaft

2010, so wird es kolportiert, trifft Stenbeck Oliver Samwer auf einer Hochzeit - und ist offensichtlich von dessen Geschäftssinn und Klon-Modell begeistert. Sie wittert die Gelegenheit, gutes Geld zu verdienen und pumpt Millionen in dessen Geschäfte: Sie steigt mit mehr als 13 Prozent bei Rocket ein, investiert in Zalando und zahlreiche weitere Rocket-Gewächse wie Home 24, Zalora, Wimdu oder Daifiti.

Und sie stellt persönlich sicher, dass das Geld so arbeitet, wie sie es vorgesehen hat. Und zeigt das auch nach außen. 2013 lässt sie sich von der Kinnevik-Chairwoman zur Executive-Chairwoman erklären.

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Auch bei den Investments greift die mit einem britischen Unternehmer verheiratete Mutter dreier Töchter stärker ein.

2014 löst Stenbeck, die als junge Frau Erfahrungen bei Ralph Lauren sammelte, bei Zalando die damalige Aufsichtsratschefin Mia Brunell Livfors ab, die wenig später dann auch als CEO von Kinnevik geht.

Und auch beim Telecom-Konzern Millicom gibt es einen Wechsel. Ende 2014 verlässt Millicom-CEO Hans-Holger Albrecht das Unternehmen, für das der Sohn des früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten schon unter Stenbecks Vater gearbeitet hatte. Er wird wenig später vom Ex-Liberty-Global-Manager Mauricio Ramos ersetzt.

Emanzipation von Samwers

Auch in der Zusammenarbeit mit den Samwers scheint nicht erst seit dem aktuellen Hellofresh-Debakel schon länger nicht mehr alles eitel Sonnenschein. Schon im November senken die Brüder die Zalando-Beteiligung ihres Vehikels Global Founders auf unter 10 Prozent und lösen somit Presseberichten zufolge die Stimmbindung an Kinnevik.

Rocket als schwächstes Investment im Portfolio

Privat ist 2015 für die Schwedin indes erneut ein Jahr der Umbrüche. Im März stirbt überraschend ihr zuckerkranker jüngerer Bruder Max im Alter von nur 30 Jahren. Zusammen mit Cristina hatte er 2013 die anderen Geschwister aus Kinnevik herausgekauft und sollte dort auch offenbar eine Führungsrolle übernehmen.

Aus der familiären Unterstützung für Cristina wird nun nichts. Um näher am Geschehen zu sein und nicht immer von London, wo sie bislang mit ihrem Mann und ihren Kindern lebte, zu den Aufsichtsratssitzungen in Stockholm einfliegen zu müssen, soll sich Stenbeck schwedischen Presseberichten zufolge dort ein Haus gekauft haben.

Umzug nach Stockholm

Angesichts eines Rückgangs des Kinnevik-Aktienkurses um 9 Prozent im abgelaufenen Quartal scheint aktuell etwas mehr Übersicht auch nötig. So ist der Wert des Rocket Investments von Kinnevik alleine im vergangenen Berichtszeitraum  um 45 Prozent gesunken. Und damit aktuell der größte Verlust im Portfolio.

Und auch beim schon vom Vater gegründete Telecom-Anbieter Millicom, den Stenbeck in den vergangenen Jahren vor allem auf die Emerging Markets ausgerichtet hat, drängen die Probleme. Nachdem das Unternehmen schwedischen sowie US-Behörden im Oktober mögliche unsaubere Zahlungen im Zusammenhang mit seinem Guatemala-Geschäft meldete, ging der Aktienkurs zeitweise um satte 12 Prozent in die Knie.

Daraus, dass sie einen sehr involvierten Führungsstil praktiziert, hat die 38-Jährige nie einen Hehl gemacht. Schließlich gelte es auch die "Verantwortung für den maßgeblich Besitz" der Familie zu übernehmen, erklärte sie vor einigen Jahren. Eine Strategie, die Oliver Samwer noch so einige Kopfschmerzen bereiten dürfte.