ExxonMobil-Chef als US-Außenminister "T Rex" Tillerson: Worauf sich die Welt einstellen muss

Sein großer Deal: ExxonMobil-Chef Rex Tillerson (r.) 2012 mit Russlands Präsident Wladimir Putin

Sein großer Deal: ExxonMobil-Chef Rex Tillerson (r.) 2012 mit Russlands Präsident Wladimir Putin

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Trumps Milliardärs-Minister: Das Kabinett des Großkapitals

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Viele der außenpolitischen "Falken" im US-Parlament brauchen nur das über Rex Tillerson wissen: Donald Trumps designierter Außenminister ist nicht nur seit bald elf Jahren Chef des führenden Ölmultis Exxon Mobil , sondern als solcher auch von Wladimir Putin mit dem Orden der Freundschaft ausgezeichnet. "Das ist nicht, was ich vom Secretary of State erwarte", verkündet Senator Marco Rubio, der im außenpolitischen Ausschuss ein Wort über die Berufung mitzureden hat.

Aber die besondere Beziehung zu Russland und Tillersons Opposition zu den Handelssanktionen des Westens sind nur ein Aspekt des Global Players. "Rex weiß, wie man ein globales Unternehmen führt, und seine Beziehungen zu Führern rund um die Welt sind erstklassig", lobt Trump seine Wahl.

(West-)Europa allerdings muss sich an eine Rolle als Flyover Country gewöhnen. Angela Merkel steht zwar ebenso lange an der Spitze der größten europäischen Volkswirtschaft wie Tillerson den Kopf von Big Oil gibt. Doch dass die beiden engere Bande geknüpft hätten, ist nicht verbürgt; sie waren höchstens mal gleichzeitig auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos.

In Deutschland betreibt Exxon Mobil rund 1000 Esso-Tankstellen, ist an einer Raffinerie in Karlsruhe beteiligt und darf sich dank seiner Felder in der niedersächsischen Tiefebene größter Erdgasproduzent des Landes nennen. Alles in allem, einer von 60 Standorten des Konzerns und nicht gerade der interessanteste.

Irak, Iran, Russland, Jemen - er kennt die Hotspots der Außenpolitik

Den Großteil seiner Aufmerksamkeit hat "T Rex" Tillerson den Orten gewidmet, wo profitabel Öl zu fördern ist - und damit zugleich den Hotspots der amerikanischen Außenpolitik. Den Irak verärgerte er durch ein separates Abkommen mit der kurdischen Regionalregierung - aber erst, als andere aus der Branche vorgeprescht waren und die Kurden längst als akzeptable Geschäftspartner galten. Im Iran lässt er erstmal Total  und Shell  die großen Deals abschließen, solange die US-Sanktionen nicht komplett aufgehoben sind - "die Ersten sind nicht unbedingt die Besten".

In Russland feierte der Exxon-Chef seine größten Erfolge. Putins Orden von 2013 würdigte ein Multi-Milliarden-Joint-Venture mit Rosneft, das Exxon Mobil Zugang zur russischen Arktis brachte - bis die Sanktionen im Ukraine-Streit kurz darauf die bereits getätigten Investitionen unbrauchbar machten. Würden sie aufgehoben, könnte Exxon einen Erfolg verbuchen, wo Rivale BP zuvor gescheitert war. Schon in den 90er Jahren (vor Putins Präsidentschaft) hatte Tillerson ein Großprojekt vor der Küste der russischen Fernost-Insel Sachalin ausgehandelt.

Diplomatische Fähigkeiten waren in der Tat gefragt - und wurden sicher auch durch die Misserfolge des US-Konzerns geschult.

Das lukrative Joint-Venture im Jemen, das Tillerson einst verantwortete, wurde vom dortigen Parlament 2005 beendet. Den anschließenden Multi-Milliarden-Streit vor einem internationalen Schiedsgericht verlor Exxon Mobil. Mit dem blutigen Kriegsschauplatz auf der Arabischen Halbinsel, wo der US-Alliierte Saudi-Arabien kräftig mitbombt, ist der Ölmann also bestens vertraut. Als Außenminister wird Rex Tillerson auch Afrika nicht ignorieren können, wo der bitterarme Tschad seinem Konzern eine Forderung von satten 75 Milliarden Dollar präsentierte.

Tillerson trat durchweg zurückhaltend und öffentlichkeitsscheu auf, eine deutliche Haltung zeigte er nur bei passender Gelegenheit.

Mehr fossile Brennstoffe, "like it or not"

Gegenüber Venezuelas sozialistischer Regierung zog sich Exxon Mobil früh zurück und versuchte es mit (bislang ins Leere gelaufenen) Milliardenforderungen, während andere westliche Ölkonzerne sich mit geringerem Profit zufrieden gaben. "Wir sind schon früher in Venezuela rein- und rausgegangen", erklärt Tillerson seine Linie: geduldig und risikoscheu. Exxon bleibe Exxon, deshalb baue man auch nicht plötzlich auf Windräder oder lasse das Investitionsbudget im Gleichschritt mit dem Ölpreis  wachsen und schrumpfen.

Entgegen der Trump-Linie ist Tillerson bekennender Verfechter internationaler Handelsabkommen wie TPP und hält auch nicht viel von "Made in America" oder dem energiepolitischen Ziel der Autarkie. "Energie sollte daher kommen, wo sie am günstigsten produziert werden kann, das fördert Innovation und Effizienz."

Eines der großen Fragezeichen über Amerikas Verhältnis zur Welt ist die Haltung zum Klimaschutz, den Trump gerne lapidar abtut. Vordergründig passt der Industriedino mit dem Spitznamen "T Rex" genau ins Schema, schließlich führt er den Konzern, der frühe Erkenntnisse der eigenen Forscher über den Klimawandel unterdrückte. Persönlich grenzte er sich von den europäischen Konkurrenten ab, Exxon werde sich nicht "verbiegen".

Andererseits leitete er schon mit Amtsantritt einen allmählichen Wandel der Konzernlinie ein, indem er den menschengemachten Klimawandel als "real and serious" einstufte - nur um dann immer wieder einzuschränken, es seien noch viele Fragen offen, die Kosten einer raschen Umkehr seien zu hoch und die Welt werde noch auf Jahrzehnte fossile Brennstoffe brauchen: Deshalb schloss er Multi-Milliarden-Wetten auf Gasfracking in den USA und kanadischen Ölsand ab, "like it or not".

Einmal Texas, immer Texas - Rodeo, Longhorn-Band und Pfadfinder

Inzwischen ist Exxon Mobil so weit, eine CO2-Steuer nicht nur als geringeres Übel gegenüber dem aus seiner Sicht verkorksten europäischen System des Handels mit Emissionszertifikaten anzusehen, sondern durchaus pragmatisch zu verfechten.

Bei aller Weltläufigkeit hat Rex Tillerson auch eine durch und durch bodenständige Seite. Er wurde in Texas geboren, studierte in Texas und trat gleich anschließend in den inzwischen mehr als 40-jährigen Dienst des urtexanischen Unternehmens Exxon. Auch wenn er Verantwortung für Jemen, Thailand oder Russland trug, stand das Büro meistens in Irving, einem Vorort von Dallas.

Seine Frau ritt früher Rodeo, er selbst spielte in der Longhorn-Marschkapelle der Staatsuniversität - und trat in die Fußstapfen seines Vaters als Funktionär der Pfadfinder. Noch vor wenigen Jahren übernahm er parallel zum Konzernamt sogar deren landesweite Führung. Einer seiner Schritte war die Streichung eines schwulenfeindlichen Paragrafen aus der Satzung. Tillerson wird zwar von Freunden als "erzkonservativ" beschrieben, aber er ist zur Anpassung an die gesellschaftliche Realität fähig, wenn auch nicht im Eiltempo.

Als Lieblingsbuch gab er einmal Ayn Rands "Atlas Shrugged" an, die Bibel der Libertären, die vom Aufstand der Unternehmer handelt. Rex Tillerson ist aber kein Heißsporn, der vom Bruch aller Regeln träumt. Gegenüber Trump könnte er als moderate Kraft in der Regierung erscheinen. Im Vorwahlkampf unterstützte er Trumps Rivalen Jeb Bush, dessen Familie seit eh und je als Interessenvertretung der texanischen Ölindustrie gilt.

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Jetzt wird sie sich wohl selbst vertreten - wenn die republikanische Parteielite über ihre Vorbehalte wegen Putin hinwegsieht und Rex Tillerson als ihren Kandidaten erkennt. Mehr Big Business geht nicht.