Dienstag, 28. Januar 2020

ExxonMobil-Chef als US-Außenminister "T Rex" Tillerson: Worauf sich die Welt einstellen muss

Sein großer Deal: ExxonMobil-Chef Rex Tillerson (r.) 2012 mit Russlands Präsident Wladimir Putin

2. Teil: Mehr fossile Brennstoffe, "like it or not"

Gegenüber Venezuelas sozialistischer Regierung zog sich Exxon Mobil früh zurück und versuchte es mit (bislang ins Leere gelaufenen) Milliardenforderungen, während andere westliche Ölkonzerne sich mit geringerem Profit zufrieden gaben. "Wir sind schon früher in Venezuela rein- und rausgegangen", erklärt Tillerson seine Linie: geduldig und risikoscheu. Exxon bleibe Exxon, deshalb baue man auch nicht plötzlich auf Windräder oder lasse das Investitionsbudget im Gleichschritt mit dem Ölpreis Börsen-Chart zeigen wachsen und schrumpfen.

Entgegen der Trump-Linie ist Tillerson bekennender Verfechter internationaler Handelsabkommen wie TPP und hält auch nicht viel von "Made in America" oder dem energiepolitischen Ziel der Autarkie. "Energie sollte daher kommen, wo sie am günstigsten produziert werden kann, das fördert Innovation und Effizienz."

Eines der großen Fragezeichen über Amerikas Verhältnis zur Welt ist die Haltung zum Klimaschutz, den Trump gerne lapidar abtut. Vordergründig passt der Industriedino mit dem Spitznamen "T Rex" genau ins Schema, schließlich führt er den Konzern, der frühe Erkenntnisse der eigenen Forscher über den Klimawandel unterdrückte. Persönlich grenzte er sich von den europäischen Konkurrenten ab, Exxon werde sich nicht "verbiegen".

Andererseits leitete er schon mit Amtsantritt einen allmählichen Wandel der Konzernlinie ein, indem er den menschengemachten Klimawandel als "real and serious" einstufte - nur um dann immer wieder einzuschränken, es seien noch viele Fragen offen, die Kosten einer raschen Umkehr seien zu hoch und die Welt werde noch auf Jahrzehnte fossile Brennstoffe brauchen: Deshalb schloss er Multi-Milliarden-Wetten auf Gasfracking in den USA und kanadischen Ölsand ab, "like it or not".

Einmal Texas, immer Texas - Rodeo, Longhorn-Band und Pfadfinder

Inzwischen ist Exxon Mobil so weit, eine CO2-Steuer nicht nur als geringeres Übel gegenüber dem aus seiner Sicht verkorksten europäischen System des Handels mit Emissionszertifikaten anzusehen, sondern durchaus pragmatisch zu verfechten.

Bei aller Weltläufigkeit hat Rex Tillerson auch eine durch und durch bodenständige Seite. Er wurde in Texas geboren, studierte in Texas und trat gleich anschließend in den inzwischen mehr als 40-jährigen Dienst des urtexanischen Unternehmens Exxon. Auch wenn er Verantwortung für Jemen, Thailand oder Russland trug, stand das Büro meistens in Irving, einem Vorort von Dallas.

Seine Frau ritt früher Rodeo, er selbst spielte in der Longhorn-Marschkapelle der Staatsuniversität - und trat in die Fußstapfen seines Vaters als Funktionär der Pfadfinder. Noch vor wenigen Jahren übernahm er parallel zum Konzernamt sogar deren landesweite Führung. Einer seiner Schritte war die Streichung eines schwulenfeindlichen Paragrafen aus der Satzung. Tillerson wird zwar von Freunden als "erzkonservativ" beschrieben, aber er ist zur Anpassung an die gesellschaftliche Realität fähig, wenn auch nicht im Eiltempo.

Als Lieblingsbuch gab er einmal Ayn Rands "Atlas Shrugged" an, die Bibel der Libertären, die vom Aufstand der Unternehmer handelt. Rex Tillerson ist aber kein Heißsporn, der vom Bruch aller Regeln träumt. Gegenüber Trump könnte er als moderate Kraft in der Regierung erscheinen. Im Vorwahlkampf unterstützte er Trumps Rivalen Jeb Bush, dessen Familie seit eh und je als Interessenvertretung der texanischen Ölindustrie gilt.

Jetzt wird sie sich wohl selbst vertreten - wenn die republikanische Parteielite über ihre Vorbehalte wegen Putin hinwegsieht und Rex Tillerson als ihren Kandidaten erkennt. Mehr Big Business geht nicht.

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