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Mein Stahlwerk, mein Fußballclub, meine Armee: Wie die reichsten Ukrainer Krieg führen

Foto: Bernd von Jutrczenka/ picture alliance / dpa

Rinat Achmetows Stahlkonzern in Gefahr Oligarch Nr. 1 droht die Pleite

Im alltäglichen Krieg der Ostukraine weiß Rinat Achmetow sein Geschäft schon ganz gut zu behaupten. Doch an der Finanzfront gegen westliche Geierfonds droht ihm die Niederlage.

Der reichste Mann der Ukraine, dessen Privatholding SCM rund 300.000 Menschen im Land beschäftigt, ließ im Mai eine Miliz von zehntausenden Arbeitern in der Hafenstadt Mariupol aufmarschieren und beendete so den Vormarsch der prorussischen Rebellen, die bereits Achmetows Heimatstadt Donezk beherrschen. Bald darauf konnten seine zwei dortigen Stahlwerke wieder die Hochöfen anfahren.

Aber an diesem Mittwoch könnte sich laut einem "Bloomberg"-Bericht  entscheiden, ob das weitreichende Imperium des Oligarchen (Strom, Telekommunikation, Finanzen und vieles mehr) nicht doch noch entkernt wird.

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Dann sollen nämlich die Gläubiger des Stahlkonzerns Metinvest über eine Umschuldung abstimmen, die eine Mehrheit von ihnen bereits zu Monatsbeginn gebilligt hatte. Da hatte Achmetows wichtigste Firma schon den Offenbarungseid geleistet: Die in diesem Jahr fälligen Anleihen konnten nicht rechtzeitig beglichen werden. Den meisten Geldgebern ist ein intakter Schuldner, der zumindest einen Teil zurückzahlen kann, lieber als das unrealistische Bestehen auf buchstabengetreuer Vertragserfüllung.

Doch mindestens zwei Fonds stellen sich laut "Bloomberg" dagegen. Der Bericht nennt Noster Capital aus London und Marathon Asset Management aus New York, die den Deal blockieren könnten, wenn sie auf der Gläubigerversammlung ein Viertel der Stimmen zusammenbekommen. Laut Metinvest würde das die Pleite bedeuten.

Luxusapartment in London, Fußballclub - beim Hauptaktionär ist was zu holen

"Metinvest hat vielleicht nicht genug Bargeld auf der Bilanz, aber die Anleihezeichner wissen, dass der Hauptaktionär genug davon hat", wird der Londoner Händler Andre Andrijanovs zitiert. "Sie versuchen, etwas mehr Geld herauszuquetschen." Achmetows Vermögen hat sich zwar seit Ausbruch des Kriegs mehr als halbiert, er führt die Reichstenliste der Ukraine aber immer noch mit Abstand an. Ihm gehören ein Apartment in One Hyde Park, einer der teuersten Londoner Adressen, und der Fußballclub Schachtjar Donezk.

Metinvest selbst steht trotz der vielfachen Zerstörung der mitten im Kriegsgebiet stehenden Werke, trotz immer wieder fehlender Lieferungen von Erz, Kohle und Gas, gar nicht so schlecht da. Europas achtgrößter Stahlhersteller schreibt auch mit stark gedrosselter Produktion weiterhin Gewinn, was nicht jeder in der Branche vollbringt. Die aktuelle Finanzlücke schiebt das Unternehmen vor allem auf ausstehende Steuererstattungen der Kiewer Zentralregierung, die selbst mit Milliardenhilfe aus dem Westen noch am Rand des Staatsbankrotts laboriert.

Rinat Achmetow steht in Opposition zur westorientierten Regierung, gibt zugleich aber den Garanten der Einheit des Landes (und der Absatzmärkte im Westen, die für ihn wichtiger sind als für andere mehr auf Russland angewiesene Oligarchenkollegen) - es ist einer von vielen schwer durchschaubaren Widersprüchen in der ukrainischen Realität.

Der oft als "Pate" bezeichnete Mann, dessen wundersamer Aufstieg vom jungen Bergmannssohn tatarischer Herkunft in den wirren Perestroika-Jahren zum Industriekapitän im Dunkeln blieb, war der wichtigste Geldgeber des im Vorjahr geschassten Präsidenten Viktor Janukowitsch. Achmetow wurde sogar zweimal für dessen "Partei der Regionen" ins Parlament gewählt.

Dennoch vollbrachte er das Kunststück, nach dem Umsturz nicht auf der Verliererseite zu landen. Achmetow lavierte politisch geschickter als Ex-Gasmogul Dmitro Firtasch, der zeitweise Ex-Bundesfinanzminister Peer Steinbrück anheuerte und doch ohne Einfluss blieb. Jetzt allerdings könnte Rinat Achmetow in zwei obskuren Investmentfonds seine Meister gefunden haben.

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