Peter Löschers Trennung von Oligarch Vekselberg  Matschschlacht um Ex-Siemens-Chef Löscher

Peter Löscher gibt seinen Job bei Renova auf, der Holding des russischen Milliardärs Viktor Vekselberg. Über das Wie und Wann entwickelte sich am Montag eine echte Rangelei.
Von Sven Clausen und mm-newsdesk
Ein Bild aus bessere Zeiten: Peter Löscher (l.) und sein Arbeitgeber Viktor Vekselberg

Ein Bild aus bessere Zeiten: Peter Löscher (l.) und sein Arbeitgeber Viktor Vekselberg

Foto: Siemens

Die rapide Entfremdung zwischen den einst engen Geschäftspartnern Peter Löscher und Viktor Vekselberg nimmt rüde Formen an. Der Ex-Siemens-Chef führte rund zwei Jahre lang die Holding Renova, die der russische Oligarch als Dachgesellschaft für seine Beteiligungen an Unternehmen wie Sulzer (Industrie), OC Oerlikon (Technologie), Züblin (Immobilien) und Schmolz + Bickenbach (Stahl) eingerichtet hatte. Weil Löscher Renova kaum weiterentwickelte, musste er im Februar seinen Job als operativer Chef aufgeben - und wurde, einigermaßen gesichtswahrend, auf den bedeutungslosen Job des Vice-Chairman zurückgestuft.

Nun hat er auch den aufgegeben - wobei es über die Umstände unterschiedliche Versionen gibt. Nach Informationen von manager-magazin.de hatte Löscher vorige Woche schriftlich seinen Rücktritt als Vice Chairman eingereicht. Der Brief, der vom Donnerstag, dem 14. April datiert und "An den Verwaltungsrat und die Generalversammlung der Aktionäre der Renova Management AG" gerichtet ist, liegt manager-magazin.de vor. Aus Löschers Umfeld heißt es, der Ex-Siemens-Chef habe das Schreiben Vekselberg persönlich übergeben. Der Russe habe Löscher jedoch am Donnerstag gebeten, seinen Entschluss noch nicht öffentlich zu machen.

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Am Montag dann zitierte das Schweizer Wirtschaftsmagazin "Bilanz" eine andere Version  und berief sich dabei auf Quellen innerhalb Renovas. Danach habe der Verwaltungsrat selbst am vergangenen Wochenende (16./17. April) die sofortige Trennung von Löscher entschieden. "Löscher hat das Vertrauen des Boards verloren", zitiert das Magazin eine Quelle von Renova: "Die Trennung ist der zweite Schritt im Loslösungsprozess von Löscher, der im Februar begonnen hat."

Mit Löschers neuem Posten als Präsident der österreichischen Öl- und Gasunternehmens OMV sowie seinem neuen Mandat beim spanischen Telefonkonzern Telefónica, über die manager-magazin.de jüngst berichtet hatte , stehe der Abgang bei Renova demnach nicht in Zusammenhang, schreibt das Blatt.

Löscher soll vorerst Sulzer-Präsident bleiben

Sein Amt als Präsident des schweizerischen Industriekonzerns Sulzer werde Löscher dagegen vorerst behalten - "bis zur nächsten Sulzer-Generalversammlung im Frühling 2017. Das ist im Interesse der Firma", zitiert "Bilanz" den Insider bei Renova. Dass er danach noch im Amt bleibe, sei weniger wahrscheinlich.

Als Renova-Chef hatte der Österreicher dem Bericht zufolge jährlich ein Gehalt von rund acht Millionen Euro erhalten. Löschers Beteiligung an Renova (über Optionen hält er 1,5 Prozent an der Holding) verfalle nun wertlos.

Inzwischen ist man bei Renova offensichtlich zur Einsicht gelangt. Offiziell stützte die Gruppe am Montagnachmittag mit einer Mitteilung die Version Löschers  . Löscher allerdings ist ob des kommunikativen Remplers mächtig verärgert. Möglicherweise wird er auch bei Vekselbergs Beteiligungsperle Sulzer bald vorzeitig seinen Job niederlegen - um sich so bei seinem ehedem engen Geschäftspartner aus Russland zu revanchieren.

rei/nck
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