Was Mitarbeiter wirklich lockt Geld? Ruhm? Oder etwa ...

Von Arne Gottschalck
Das kleine Glück: Entspannung gehört dazu

Das kleine Glück: Entspannung gehört dazu

Foto: Uwe Anspach/ dpa

Was haben Unternehmen mit dem Glück ihrer Angestellten zu tun? Einiges, sagt die Beraterin und nach eigenen Worten "Halbholländerin" Maike van den Boom. Und erklärt, warum Glück nicht nur für Hippies, sondern auch für Hauptabteilungsleiter ein Thema sein sollte.

mm.de: Was ist eigentlich "glücklich" nach Ihrer Definition?

van den Boom: Es gibt zwei Sorten des Glücks. Die kurzzeitigen euphorischen Gefühle des Glücks, die von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sind. Und eine konstante glückliche Gestimmtheit. Darauf konzentriere ich mich in meiner Forschung: Was führt dazu, dass Menschen sich selber als eine glückliche Person bezeichnen? Sprich langanhaltend und konstant. Auch, wenn sie sich mit alltäglichen und außergewöhnlichen Schicksalsschläge konfrontiert sehen. Sprich glücklich zu sein bedeutet, die Gabe das Leben als Ganzes als Freude zu erfahren.

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mm.de: Was kann ein Unternehmen dafür tun, und was tun sie in der Realität?

van den Boom: Es kann sein Handeln auf bestimmte glücksfördernde Werte basieren, wie zum Beispiel Freiheit, Vertrauen, Respekt und Gleichwertigkeit. Das kann jedes Unternehmen abhängig von den Unternehmens-Prozessen und den Marktgegebenheiten individuell umsetzen. Dazu gibt es auch in Deutschland schon einige gute Ansätze. Da es sich hier jedoch um grundlegende Werte einer Unternehmenskultur handelt, benötigt eine solche Veränderung Zeit.

mm.de: Wie stehen Deutschlands Arbeitgeber da?

van den Boom: Ich tue mich schwer damit zu generalisieren. Es gibt sicherlich eine Menge positiver Beispiele, die ihr Handeln nicht zur Schau tragen. In der Unternehmenskultur spiegelt sich aber die Kultur eines Landes wieder. Und die ist noch weit davon entfernt, das Potenzial von Menschen zu nutzen, wenn ihnen die Möglichkeit gegeben werden, das zu sein, was sie sind und das zu tun, was sie am besten können. Von dieser Flexibilität - wie sie zum Beispiel in den skandinavischen Unternehmen herrscht - sind wir im Denken und Handeln noch weit entfernt.

Schlechtbezahlt und glücklich?

mm.de: Welche Maßnahmen sind glückfördernd - und kosten die automatisch Geld?

van den Boom: Klar kosten die kurzfristig Geld, Zeit und Nerven. Schließlich greifen Sie in Unternehmensprozesse ein. Menschen werden aus ihrer Routine gerissen und mit neuen Erwartungen konfrontiert. Je nachdem, wie weit und schnell Sie Veränderungen umsetzen möchten, müssen Unternehmensstrukturen verändert werden, abteilungsübergreifende Taskforces, andere Gehaltsstrukturen, Homeoffices, um nur ein paar Möglichkeiten zu nennen. Bis das locker läuft, werden Sie einige Mitarbeiter und vielleicht auch Kunden verlieren. Langfristig wird sich das aber um ein Vielfaches zurückzahlen.

mm.de: Wie kann der Controller, der Buchhalter, Glück erfassen und entsprechende Aufwendungen "nach oben" vertreten?

van den Boom: Wenn er Aufwendungen nach oben vertreten muss, ist der Ansatz schon einmal falsch. Ein auf humanistischen Werten basierendes Unternehmen sollte nicht nur aus monetären Gründen initiiert werden.

Kurzfristig wird sich an den Zahlen auch wenig ändern. Langfristig sehen Sie die Vorteile in allen Bereichen. Einsparungen beim Einkauf, weil die Produktion mit dem Warehousing und den Einkauf zusammenarbeitet, zum Beispiel. Weil sich die Mitarbeiter mit einbezogen fühlen und mitdenken. Sie sehen es aber auch in stabileren Kundenbeziehungen, weniger Fehlzeiten und an einer geringeren Fluktuation bei den Mitarbeitern. Und auch Ihre Attraktivität als Arbeitgeber wird wachsen.

mm.de: Mit anderen Worten und zugespitzt - schlechtbezahlt und glücklich, das geht?

van den Boom: Für viele der Menschen ist es sicherlich wichtiger, sich selber frei und autonom in ihrer Arbeit zu entwickeln, als ein sehr gutes Gehalt. Trotzdem sollte die Bezahlung fair sein. Alles andere wäre ein Zeichen mangelnden Respekts. Und geht dann mit Werteorientierung nicht einher. Glück macht ja nicht automatisch blind. Obwohl tatsächlich viele Mitarbeiter in Vorbildunternehmen bereit sind, für ein gutes Betriebsklima und eine respekt- und vertrauensvolle Umgebung monetär Abstriche zu machen. Worauf Sie aber in der Zukunft ganz bestimmt verzichten können, sind extra Anreize wie Incentives, Bonuszahlungen oder andere monetäre Anreize.


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