Nobelpreisträger Robert Shiller "Die vielleicht größte Chance des Jahrhunderts"

Von Arne Gottschalck
Robert Shiller: Gewinner des Nobelpreises 2013, gemeinsam mit Eugene Fama und Lars Peter Hansen. Ihn zog es von Berlin, wo er die dritte Ausgabe seines Buches "Irrational Exhuberance" vorstellte, nach Dresden. Dort soll er den G7-Finanzministern seine Sicht der Wirtschaft darlegen. Zuvor fand sich die Zeit für ein kurzes Gespräch über die möglicherweise größte Chance des Jahrhunderts für Anleger, die Unfähigkeit des Menschen , aus der Geschichte zu lernen - und eine Umwälzung an der Elite-Universität Harvard

Robert Shiller: Gewinner des Nobelpreises 2013, gemeinsam mit Eugene Fama und Lars Peter Hansen. Ihn zog es von Berlin, wo er die dritte Ausgabe seines Buches "Irrational Exhuberance" vorstellte, nach Dresden. Dort soll er den G7-Finanzministern seine Sicht der Wirtschaft darlegen. Zuvor fand sich die Zeit für ein kurzes Gespräch über die möglicherweise größte Chance des Jahrhunderts für Anleger, die Unfähigkeit des Menschen , aus der Geschichte zu lernen - und eine Umwälzung an der Elite-Universität Harvard

Foto: © Michelle McLoughlin / Reuters/ REUTERS

mm: "Bail-out" oder nein, "quantitative easing" oder nein - betrachtet man all die Streitpunkte, die Ökonomen derzeit umtreiben, drängt sich die Frage auf: Können sich Wirtschaftswissenschaftler noch auf etwas einigen? Und was lernen Wirtschaftsstudenten eigentlich noch?

Shiller: Wirtschaftswissenschaften sind ja keine exakte Wissenschaft. Die Krise hat nicht gerade dazu beigetragen, den Glauben in diese Disziplin zu stärken.

mm: Aber was bleibt dann zu lernen?

Shiller: Wie man sich in die Gesellschaft einbringt, wie man Dinge lernt, die Computer nicht lernen können.

mm: Statt Ökonometrie also lieber etwas über die Kunst des Denkens lesen, griechische Philosophen zum Beispiel?

Shiller: Das wird in der Tat gerade gewaltig in Harvard diskutiert. Es gibt dort einen Professor, der genau so etwas vorschlägt - eine Art "studium generale", das die Studenten dieses Einbringen lehrt.

mm: Wird der Computer, der ja bei der Geldanlage nicht mehr wegzudenken ist, vielleicht irgendwann einmal die menschlichen Entscheidungen auch der Zentralbank fallen?

Shiller: Das glaube ich nicht. Es gab in der Tat einmal diese Diskussion. Aber es ist einfach zu früh, die Wirtschaft auf Autopilot zu setzen. Es braucht weiterhin die Menschen, um zu analysieren, um abzuwägen. Es gab da ein Bild, ein sehr unterhaltsames Bild. Da stand ein Roboter vor einer Tafel, auf der der Satz stand: Wie man ein gutes Leben führt. Witzig und zum Nachdenken anregend. Denn es geht ja darum, wie man sich in die Gemeinschaft einbringt.

mm: Und worum geht es nicht?

Shiller: Einer der Fehler ist es, dass viele Menschen vieles als Spiel betrachten. Ein Spiel um bessere Noten, um den besseren Job. Aber die große Frage ist doch, wie es Menschen schaffen, etwas zu lernen, was ihnen ein Leben lang hilft - vor allem, wo Computer das reine Fachwissen viel schneller aufsaugen.

mm: Und die Antwort?

Shiller: Steht noch aus, es wird gerungen.

mm: Bislang haben wir Menschen aber nicht gerade geglänzt, wenn es darum geht, zu lernen. Sie haben gerade die dritte Ausgabe Ihrer "Irrational Exhuberance" auf den Markt gebracht. Und in jedem Vorwort stand sinngemäß, wir Menschen hätten nichts oder nicht genügend aus der Vergangenheit gelernt.

Shiller: Ja, die menschliche Psyche scheint komplex zu sein.

mm: Blicken wir einmal auf die Politik - müssen wir uns von dem "homo politicus, dem treuen Sachwalter der Interessen seines Landes, seiner Wähler, ebenso verabschieden wie von dem Konstrukt des "homo oeconomicus", des nüchternen Investors?

Shiller: Interessanter Begriff, der "homo politicus"! Nun, vielleicht geht das ganze sogar einen Schritt weiter - der Wähler ist es ja, der die Politiker wählt. Und dabei geht er nicht immer ernsthaft genug vor. In den USA gab es sogar eine Diskussion, ob der Tag vor den Wahlen ein freier Tag sein sollte, so dass die Menschen einen Anreiz haben, zur Wahl zu gehen und sich ernsthaft mit den damit verbundenen Fragen zu beschäftigen.

mm: Wo lässt Sie das alles als Investor stehen - ich habe gelesen, Sie haben in griechische Aktien investiert?

Shiller: Nein, aber vielleicht sollte ich das! Die Papiere sind unglaublich billig. Vielleicht ist das die größte Chance des Jahrhunderts. Aber man sollte sicherlich nicht alles darauf setzen.

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