Neuer Chef des Ifo-Instituts Macht Fuest Sinn?

Gesucht wird: brillanter Wissenschaftler, Medienliebling und Unternehmenschef in einer Person. Das Ifo-Institut braucht einen Nachfolger für Hans-Werner Sinn - und ist Berichten zufolge mit ZEW-Chef Clemens Fuest in Gesprächen.
Clemens Fuest: Sinn-Nachfolger zu werden, wäre für den ZEW-Chef eine Herausforderung

Clemens Fuest: Sinn-Nachfolger zu werden, wäre für den ZEW-Chef eine Herausforderung

Foto: Uli Deck/ dpa

München/Mannheim - Er ist nicht nur wegen seines markanten Abraham-Lincoln-Barts bekannt worden, sondern vor allem mit provokanten Thesen. Der Wirtschaftsprofessor Hans-Werner Sinn ist auch vielen Menschen ein Begriff, die sich ansonsten selten mit komplizierten Konstrukten wie Target-Salden oder Konjunkturindizes auseinandersetzen.

Sinn hat das Münchner Ifo-Institut als dessen Präsident zu einem der bekanntesten ökonomischen Forschungsinstitute in Deutschland gemacht. So gilt etwa der Ifo-Index als wichtigstes deutsches Konjunkturbarometer. Egal ob Eurokrise, Konjunkturschätzungen oder Arbeitsmarktforschung - das Ifo-Institut und sein Präsident mischen bei allen wichtigen Themen mit.

Der Professor ist mit seiner Meinungsfreude auch gern gesehener Gast in Fernseh-Talkshows. Doch im kommenden Jahr will Sinn kürzer treten und mit dann 68 Jahren seinen Chefposten beim Ifo-Institut abgeben. Berichten zufolge gibt es bereits Verhandlungen mit einem potenziellen Nachfolger: Clemens Fuest, der amtierende Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. Es liefen bereits Gespräche, sagte ein ZEW-Sprecher dem "Handelsblatt".

Fast schon missionarisch: Ifo-Chef Sinn

Fast schon missionarisch: Ifo-Chef Sinn

Foto: imago

Demnach haben sich gleich zwei Findungskommissionen auf die Suche nach dem neuen Sinn gemacht - eine Gruppe vom Ifo-Institut selbst und eine Gruppe der Uni München. Dass Fuests Name schon jetzt öffentlich gemacht werde, spreche dafür, dass die Verhandlungen weit fortgeschritten seien, interpretierte das "Handelsblatt".

Fuest ist seit 2013 Chef des ZEW. Der 46-Jährige leitete zuvor das Zentrum für Unternehmensbesteuerung in Oxford. Er machte sich als Finanzexperte und Regierungsberater einen Namen. Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zufolge förderte Sinn früh die wissenschaftliche Karriere von Fuest.

Auch in den Medien ist Fuest durchaus präsent - wenn auch deutlich weniger als (der fast schon missionarisch wirkende) Sinn. Dessen Nachfolge anzutreten würde also durchaus eine große Herausforderung für Fuest.

Zumindest mit Konjunkturindizes kennt er sich allerdings aus. Das ZEW gibt seit 1991 monatlich den sogenannten ZEW-Index heraus, eine Umfrage unter Börsenprofis zur künftigen Konjunkturentwicklung.

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