Freitag, 18. Oktober 2019

Deutsche-Bank-Vorstand als "Good Leaver" Viel Zeit und nicht ganz so viel Geld für Rainer Neske

Sieht gar nicht so aus: Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain und Privatkundenvorstand Rainer Neske trennen sich im Guten

Rainer Neskes letzter Monat im Dienst der Deutschen Bank hat begonnen. Am 30. Juni endet der Vertrag des bisherigen Vorstands der Privat- und Geschäftskundensparte. Einen neuen Job braucht der Münsteraner nicht so schnell zu suchen, denn er hat sich verpflichtet, ein Jahr lang bei keinem direkten Konkurrenten anzuheuern.

Wie das "Handelsblatt" berichtet (€), verlässt Neske das Geldhaus als "Good Leaver": als jemand, der bei seinem Abgang keinen Ärger macht. Gegen den Rat seines Anwalts habe er auf den Kampf um eine Abfindung für seinen zwei Jahre vorzeitig aufgelösten Vertrag verzichtet. Der 50-Jährige, der zuletzt 4,4 Millionen Euro im Jahr verdiente, zog die schnelle und schmerzfreie Trennung vor. Immerhin behielt er noch Ansprüche auf Entschädigung für die Verkürzung der siebenmonatigen Kündigungsfrist und für das Wettbewerbsverbot.

Ausnahmsweise hätte die Floskel vom "gegenseitigen Einvernehmen" ihre Berechtigung - beide Seiten wissen, dass sie nicht mehr miteinander können.

Neske ist der große Verlierer des Strategiewechsels, der seine Sparte mit dem Verkauf der Postbank Börsen-Chart zeigen dezimiert. Als dieser Schritt klar wurde, warf der Westfale nach einem Vierteljahrhundert im Konzern hin. Nun noch jede dritte verbliebene Filiale zu schließen, soll statt seiner der ebenso westfälische Kollege Christian Sewing übernehmen.

Die Bankführung ihrerseits, die am Vorabend der Hauptversammlung Ende Mai die Trennung mit den Worten "Änderungen im Vorstand zur Umsetzung der Strategie 2020" offiziell machte, braucht Neskes Verlust auch nicht zu betrauern. Seine Vorstandskollegen und der Aufsichtsrat haben die Weichen so gestellt, dass er keine Zukunft in der Bank sah.

Die Aktionäre bedachten Neske zum Abschied mit starkem Applaus, manche hielten auch Reden, da gehe "wieder einmal ein Bankier und nicht ein Banker". Zum triumphalen Auszug als Volkstribun fehlte Neske jedoch noch ein triumphales Wahlergebnis.

In der Einzelentlastung der Vorstände lag er vorn, aber nur hauchdünn vor den Kollegen. Sie wurden als Kollektiv für die vergangene Leistung abgestraft. Womöglich verfing auch die aus Bankkreisen durchgesickerte Kritik an Neskes persönlichem Beitrag, an der wenig erfolgreichen Integration der Postbank und insbesondere dem missratenen IT-Projekt Magellan.

Was wird nun nach der Zwangspause aus Neske, dem lange Zeit auch Ambitionen auf den Chefposten nachgesagt wurden? Mit Blick auf die Commerzbank Börsen-Chart zeigen könnte sich das Timing noch als geschickt herausstellen. Die Bank mit einem Profil, wie es Neske gern für seine Säule der Deutschen Bank gesehen hätte, führt Martin Blessing. Dessen Vertrag läuft bis zum 31. Oktober 2016.

Newsletter "Absteiger, Aufsteiger, Umsteiger"
Folgen Sie Arvid Kaiser auf twitter

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung