Sex, Lügen und Gawker Die späte Rache des Peter Thiel

Soll laut Berichten Hulk Hogans Klage gegen das Portal "Gawker" finanziert haben: PayPal-Mitgründer Peter Thiel

Soll laut Berichten Hulk Hogans Klage gegen das Portal "Gawker" finanziert haben: PayPal-Mitgründer Peter Thiel

Foto: © Fred Prouser / Reuters/ REUTERS

Ex-Wrestler Hulk Hogan hat in seinem Kampf mit dem US-Portal "Gawker" einen prominenten Geldgeber an seiner Seite: Peter Thiel, milliardenschwerer Investor und Mitgründer von Paypal, hat laut Berichten von "New York Times"  und "Forbes"  dabei geholfen, Hogans Prozesskosten zu stemmen. Thiel hat dies mittlerweile auch selbst bestätigt. 

Der ehemalige Wrestler, bürgerlich Terry Gene Bollea, hatte das Medienunternehmen verklagt, nachdem es im Jahr 2012 einen Filmclip veröffentlicht hatte, auf dem Bollea beim Sex zu sehen ist. Ein Gericht in Florida hatte ihm deshalb im März 140 Millionen Dollar zugesprochen.

Thiel hat nun bestätigt, etwa 10 Millionen Dollar für den Prozess gezahlt zu haben: "Es geht weniger um Rache und mehr um spezifische Abschreckung", sagte der als exzentrisch bekannte Milliardär der "New York Times", die von einem "geheimen Krieg" des Investors spricht. Gawker habe Artikel veröffentlicht, die "sehr schmerzhaft und lähmend für ihre Ziele" waren. "Ich dachte, es sei es wert, zurückzuschlagen."

Am Dienstag hatte Gawker-Gründer Nick Denton der "New York Times"  bereits von einer "Ahnung" seinerseits berichtet, dass jemand aus dem Silicon Valley die Klage des Ex-Wrestlers finanziell unterstütze. "Wenn du ein Milliardär bist, der die Berichterstattung über sich nicht mag, und du möchtest dich nicht persönlich in einen öffentlichen Skandal verstricken, dann ist es ein ziemlich kluger, rationaler Schachzug, andere Prozesse zu finanzieren", so Denton.

Vor Gericht: Terry Gene Bollea

Vor Gericht: Terry Gene Bollea

Foto: POOL/ REUTERS

Gawker ist für Thiel das Al Quaida des Silicon Valley

Wie Bollea ist auch Thiel Gawker in inniger Feindschaft verbunden - er habe "Valleywag", eine inzwischen eingestellte Website des Unternehmens, 2009 etwa als "Silicon-Valley-Äquivalent zu Al Quaida" bezeichnet. Der Hintergrund: Gawker hatte Thiel im Jahr 2007 als homosexuell geoutet - er selbst hatte seine sexuelle Orientierung damals noch nicht öffentlich gemacht. Andere Artikel des Netzwerks hätten "das Leben von Menschen ohne Grund ruiniert", sagte Thiel nun - er habe deshalb ein Team von Anwälten zusammengestellt, um weitere Gawker-"Opfer" zu finden und gemeinsam mit ihnen zu klagen.

"Ich kann mich verteidigen", so Thiel weiter. Üblicherweise attackierten die Journalisten allerdings weniger vermögende, weniger prominente Menschen. "Selbst jemand wie Terry Bollea, der ein Millionär und berühmt und erfolgreich ist, hatte nicht die Mittel, um eine Klage allein durchzuziehen." Er sehe seine Unterstützung als "eine meiner größeren philanthropischen Anstrengungen".

Das sagen Rechtsexperten zu Thiels Feldzug

Die Finanzierung von anderer Leute Prozessen ist laut "Forbes" und "New York Times" keineswegs illegal - vielmehr habe sich in den USA bereits eine ganze Branche darauf spezialisiert, Prozesskosten zu übernehmen und dafür einen zuvor abgesteckten Bruchteil der Gewinne einzustreichen.

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Laut Roy D. Simon, einem emeritierten Professor für Rechtsethik, habe dies dazu beigetragen, dass fairere Bedingungen geschaffen worden seien - nun könne quasi jeder rechtlich gegen große Institutionen vorgehen, was sonst nicht möglich sei. Nichtsdestoweniger beunruhige Thiel ihn, sagte der Jurist der "New York Times" , "ich schätze, dass eine einzelne Person viel wahrscheinlicher von Rache oder persönlicher Abneigung getrieben wird oder dadurch, etwas beweisen zu wollen."

Andere von der "NYT" befragte Experten sagten derweil, es ändere nichts an dem ursprünglichen Fall, wenn ein Milliardär wie Thiel ihn finanziere. "Wenn man wirklich Bedenken bezüglich der Wertigkeit des Falles hat, hilft es nichts, herauszufinden, wer ihn finanziert", sagte etwa Mary Anne Franks von der University of Miami School of Law. Um etwa mit einer Berufung Erfolg zu haben, müsse man immer noch das Urteil selbst angreifen, nicht den Hintergrund der Klage.