McKinsey-Studie unter Studenten Davon träumen Job-Einsteiger

Von Arne Gottschalck

Traumjobs sind so eine Sache. Gutes Geld sollen sie bringen, klar. Eine erfüllende Aufgabe bieten. Und Aufstiegsmöglichkeiten bereithalten. Doch wie sieht das konkret aus - was muss ein Unternehmen bieten, um für Studenten faszinierend zu sein. Und welchen Wert legen Absolventen welcher Studienrichtung auf bestimmte Faktoren? Fragen, die sich entweder per Rückgriff auf Klischees beantworten lassen. Oder mit einer Studie.

Die Unternehmensberatung McKinsey und das Online-Stipendiatennetzwerk e-fellows haben letzteres auf sich genommen und rund 6500 Absolventen verschiedener Fachrichtungen nach ihrem perfekten Arbeitgeber befragt. Mit überraschenden Ergebnissen.

Thema Geld ...

Thema Geld - was erwarten Absolventen? So einiges offenbar. Nämlich im Schnitt und als Einstiegsgehalt 51.400 Euro - bei 46 Arbeitsstunden in der Woche. Im Vorjahr lagen die Gehaltserwartungen fasst exakt auf dem gleichen Niveau. Doch die Absolventen wähnten die Arbeitszeit offenbar wichtiger - und rechneten mit einer Wochenarbeitszeit von 49,6 Stunden.

Am erwartungsvollsten in Sachen Geld zeigten sich übrigens die Juristen Sie kalkulieren auf ein Einstiegsgehalt von 72.000 Euro - zumindest die Männer. Weibliche Advokaten rechnen mit 58.000 Euro. Das andere Ende der finanziellen Fahnenstange markieren die Geisteswissenschaftler. Er, Geisteswissenschaftler, rechnet mit 41.000 Euro im Jahr, sie mit 36.000 Euro. Dass Männern mehr Geld vorschwebt, ist übrigens in allen Studienfächern zu beobachten.

Die Informationen über potentielle Arbeitgeber stammen in erster Linie von den Internet-Präsenzen der Unternehmen selbst. 82,8 Prozent der befragten Absolventen nickten dazu.

Entsprechend ist die digitale Kompetenz hoch, zumindest in der Eigenwahrnehmung. Immerhin ist sie gewissermaßen Voraussetzung für diese Art der Job-Suche. Mindestens "gute "Kenntnisse zum Beispiel mit Blick auf die Suche und Aufbereitung von Informationen aus dem Internet bescheinigten sich 95 Prozent der befragten Absolventen (ohne die Juristen). Digitale Kompetenz bedeutet dabei zweierlei in den Augen von McKinsey-Mann Fritz. "Einerseits geht es um technische Digitalkompetenzen, wie die Fähigkeit zu programmieren, Apps oder User Interfaces zu entwerfen. Doch nicht jeder soll programmieren können. Wichtiger ist, dass Bewerber die Auswirkung der Digitalisierung auf Prozesse und Geschäftsmodelle verstehen." So weit so gut.

... und eine überraschende Erkenntnis

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Foto: DPA

Was also hätte näher gelegen, als über die Selbstdarstellung der Unternehmens-Websites hinaus zum Beispiel Facebook-Gruppen zu durchsuchen, eine Spurensuche auf Twitter zu beginnen? Doch die Erhebung birgt eine Überraschung - die sozialen Medien als Quelle für Informationen rangieren unter ferner liefen. Xing und LinkedIn zum Beispiel brachten es noch auf 20,7 beziehungsweise 19 Prozent, Youtube auf 16,6 Prozent - aber bei Vimeo, Google+ oder Facebook Messenger schlugen die Messinstrumente kaum an. Obwohl die Befragten selbst digitalen Kompetenzen für das Berufsleben als "eher wichtig bis sehr wichtig" einschätzen.

Statt dessen wiegen Informationen aus dem Freundes- und Familienkreise schwer. Und die klassischen Karrieremessen halten rund 54 Prozent der befragten Absolventen für eine gute Quelle.

So dürfte es auch bleiben. "Das bleibt ein zentrales Instrument der Informationsgewinnung für Bewerber", sagt Thomas Fritz, Personalchef von McKinsey. "Immerhin zeigen sich dort auch die Menschen, die für ein Unternehmen arbeiten. Und das ist heute viel wichtiger als noch vor zehn Jahren. Damals ging es in erster Linie um den ersten Arbeitsplatz nach dem Studium. Heute haben die Absolventen mehr Auswahl, wollen sich persönlich stark einbringen und deshalb wissen, wofür ein Unternehmen steht. Das ist eine Herausforderung für die Firmen."

Die Wirklichkeit spiegelt diese Einschätzung wieder. 60 Prozent der Stipendiaten geben an, bereits an einem klassischen Recruiting-Event teilgenommen haben. Generation Smartphone? Ist quasi ganz "oldschool" unterwegs.

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