Matthias Machnig als Opel-Koordinator Dieser Alleskönner von der SPD wird Mr Opel

Matthias Machnig ist als Industriepolitiker versiert

Matthias Machnig ist als Industriepolitiker versiert

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Opel und Peugeot: Was die wichtigsten Akteure wollen

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In seiner Jugend wollte der linke Juso Matthias Machnig den staatsmonopolistischen Kapitalismus bekämpfen. Heute wirbelt derselbe Machnig, 56 und Staatssekretär im Bundeswirtschaftsminister, wie kein zweiter an den Schaltstellen von Staat und Kapital.

Der Fall Opel, in dem Machnig nun die Positionen von Bund und Ländern koordinieren soll, ist wie für ihn gemacht. Schon in der vorigen großen Opel-Krise ab 2009 spielte er eine zentrale Rolle. Frisch im Amt als Landeswirtschaftsminister in Thüringen, verkündete er im damaligen Streit um Staatshilfe schnell sein Diktum: "Bund und Länder werden alles tun, um Opel zu helfen", sagte er dem "Tagesspiegel".

Thüringen ging mit einer Bürgschaft voran, bevor es zum 1,5-Milliarden-Überbrückungskredit des Bundes kam, um Opel aus der GM-Pleite herauszuhalten. Und ungeachtet seiner Aussage, ein Wettbewerb der Standorte untereinander würde nur schaden, fand er Wege, das als gefährdet geltende Werk in Eisenach besonders zu schützen. Während traditionsreichere Standorte wie Antwerpen oder Bochum in den Folgejahren dichtmachten, konnte Machnig als Erfolg verbuchen, dass der Kleinwagen Opel Adam als zweite Linie neben dem Corsa seit 2013 in Thüringen gebaut wird - statt im spanischen Opel-Werk Zaragoza, das sich im neuen Verbund neben den Peugeot-Werken in Spanien und Portugal behaupten müsste.

Das klingt nach Mikromanagement. Doch Matthias Machnig versteht es, sich in unterschiedlichste Themen bis ins Detail einzuarbeiten und dabei stets "die langen Linien" im Blick zu behalten. Industriepolitik ist für ihn eine Mission.

"Maschinist der Macht" und "Passmaauf"

Machnig, wahlweise als "Maschinist der Macht" (Süddeutsche Zeitung), "undiplomatischer Macher" (Frankfurter Allgemeine), "Minister auf Speed" (Spiegel Online) oder "Passmaauf" (wieder Süddeutsche) porträtiert, sucht oft die große Bühne. Ob er das Weltklima mit Arnold Schwarzenegger rettet oder die Weltwirtschaft mit Janet Yellen, der umtriebige Machnig findet immer die richtige Einordnung.

Drei verschiedenen Bundesministerien diente er schon als Staatssekretär: Verkehr unter seinem westfälischen politischen Ziehvater Franz Müntefering, Umwelt unter Sigmar Gabriel, dem er angeblich zuvor aus seinem Karrieretief als "Siggi Pop" geholfen hatte, und schließlich Wirtschaft, wieder unter Gabriel sowie dessen Nachfolgerin Brigitte Zypries.

In Erfurt fiel der Minister zwischen Opel, Zalando und Bosch deutlich mehr auf als die übrigen Landespolitiker - bis er wegen 150.000 Euro doppelt kassierter Bezüge unter Druck geriet und dann lieber Martin Schulz' Europawahlkampf managte.

Das Talent für öffentliche Kommunikation ist der Hauptgrund für Machnigs Ruhm. Er leitete die SPD-"Kampa", die 1998 Gerhard Schröder und "die neue Mitte" zu Marken machte. So war Machnig am Aufstieg von Rot-Grün beteiligt, aus heutiger Parteisicht glücklicherweise aber nicht mehr am Abstieg der Agenda-Jahre. Da hatte er sich mit Schröder verkracht und sich als Kommunikationsberater zu Privatfirmen wie BBDO oder Booz Allen Hamilton verzogen.

Wenn es ihm tatsächlich gelingen sollte, die deutschen Opel-Länder auf eine gemeinsame Linie zum Peugeot-Deal zu bringen, könnte das sein Meisterstück werden. Auf Seiten der maßgeblich an Peugeot  beteiligten Pariser Regierung hätte er es mit gleichgesinnten Industriepolitikern zu tun. Aber die sind gerade mit der heißen Phase des Wahlkampfs beschäftigt.

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