Mittwoch, 19. Juni 2019

Cerberus-Bankenmanager Matt Zames Er wollte "eigene Eisenbahn" - und bekommt deutsche Banken

Finanzinvestor Cerberus: Das ist die größte Macht im deutschen Bankensektor
Bloomberg via Getty Images

2. Teil: Die Liste seiner Heldentaten bei JPMorgan

Zames war jahrelang immer wieder als Kronprinz für Dimon gehandelt worden, den er in manchen Jahren sogar mit seinem Multi-Millionen-Gehalt übertraf. Zuletzt machte er sich vor allem einen Namen als oberster Digitalisierer, indem er mehr als zehn Milliarden Dollar pro Jahr in Cloud-Dienste, Automatisierung und Big Data investierte. Eine Schlüsselrolle spielte er auch als Chef des wichtigen Beirats für Schuldenmanagement im Washingtoner Finanzministerium.

In den Vorjahren hatte Zames immer wieder große Probleme beiseite geräumt. Seinen Aufstieg zum Vorstand besiegelte er 2012, als er auf dem Posten des Chief Investment Officer die damaligen Fehlspekulationen des "London Whale" auf Firmenkreditderivate mit sechs Milliarden Dollar Schaden abwickelte. In der Finanzkrise hatte Zames die Notübernahme der kollabierten Investmentbank Bear Stearns angeführt und anschließend in deren ehemaliger Zentrale die Handelsabteilung für Anleihen geleitet.

Aktenkundig wurde Zames als früher Warner vor dem Betrugssystem Bernie Madoffs, das er als mögliches Pyramidenspiel erkannte - allerdings nur intern; seine damaligen Vorgesetzten in Madoffs Hausbank JPMorgan entschieden, die Sache unter Verschluss zu halten.

Schon bevor er 2004 zu JPMorgan stieß, hatte Matt Zames Führungsrollen an der Wall Street, im Management von Credit Suisse und deren Zinshandel, zuvor im Eigenhandel von Morgan Stanley. Seine Karriere begann der Absolvent der Managementschule Sloan an der Eliteuni MIT bei dem Hedgefonds LTCM, der dann jedoch durch den Kollaps seiner Spekulation auf Zinsderivate 1998 bekannt wurde und auch den Ruf kurz zuvor mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichneter Sloan-Professoren ruinierte.

Trotz seiner relativen Jugend war er also mit frühen Warnzeichen vor der Finanzkrise vertraut - und mit der Welt der Hedgefonds. Der Gründer des Vermögensverwalters Citadel beispielsweise, Ken Griffin, hält große Stücke auf seinen Studienfreund.

Alles in diesem Lebenslauf hätte dazu gepasst, die Deutsche Bank als Vorstandschef doch noch zu einer großen globalen Investmentbank aufzurichten. Aber vielleicht fand Matt Zames auch, dass er in der Position des Großaktionär mehr bewegen - und mehr verdienen - könnte.

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