Zeugin handelte "aus Langeweile" Irrer Zufall führte Polizei zu mutmaßlichem Würth-Entführer

Das Hofgut Sassen - die Wohngemeinschaft, in der Markus Würth 2015 lebte

Das Hofgut Sassen - die Wohngemeinschaft, in der Markus Würth 2015 lebte

Foto: Arne Dedert/ dpa

Ein glücklicher Zufall hat die Polizei zum mutmaßlichen Entführer von Milliardärssohn Markus Würth geführt. Zweieinhalb Jahre nach der Tat habe eine Frau den entscheidenden Hinweis für die Verhaftung des mutmaßlichen Täters geliefert, teilte die Staatsanwaltschaft Gießen am Donnerstag mit. Sie habe die Stimme des Verdächtigen wiedererkannt und im Januar 2018 die Polizei informiert.

Die Beamten hatten zur Fahndung den Mitschnitt eines Anrufs des Lösegeld-Erpressers genutzt, der im Juni 2015 den Milliardärssohn Markus Würth in seine Gewalt gebracht hatte. Der 48-Jährige sitzt seit Mittwoch unter dringendem Tatverdacht des erpresserischen Menschenraubes in Untersuchungshaft.

Spezialeinheiten der Polizei hatten den Mann aus Serbien am Morgen in seiner Wohnung in Offenbach festgenommen. Er soll den behinderten Sohn des baden-württembergischen Schrauben-Milliardärs Reinhold Würth im osthessischen Schlitz entführt und nach einer gescheiterten Lösegeld-Übergabe tags darauf in der Nähe von Würzburg an einen Baum gekettet haben. Das Opfer wurde unversehrt aufgefunden.

Im Video: Polizei hat mutmaßlichen Täter gefasst

Reuters

"Zehn Stunden dauergequatscht"

Der mutmaßliche Täter schweigt zu dem Vorwurf. Der Mann habe sich nach seiner Festnahme wortreich eingelassen, aber nicht zur Entführung geäußert, sagte Daniel Muth von der Kriminaldirektion Osthessen; der Mann habe "zehn Stunden dauergequatscht".

Hauburger sagte, die Zeugin habe im Januar ein Fahndungsplakat der Polizei zu dem Fall gesehen und "aus Langweile die Nummer" der Hotline mit dem Mitschnitt gewählt. Die Stimme habe sie an den Mann erinnert. Er habe zuvor Handwerkerarbeiten in ihrem Haushalt erledigt.

Die Polizei hatte den mutmaßlichen Entführer seit Januar intensiv überwacht und eine große Menge an Informationen ausgewertet. Es hätten allein 60 Millionen Datensätze aus Funkzellen eine Rolle gespielt.

In dem Fall gab es nach 2015 noch einen weiteren Erpressungsversuch. Im April 2017 sei per E-Mail ein weiterer Kontakt zur Familie Würth gesucht worden, teilten die Ermittler mit. Es seien 70 Millionen Euro in Kryptowährung verlangt worden. Der Erpresser habe gedroht, erneut den Würth-Sohn zu entführen oder ein anderes Mitglied der Familie.

luk / dpa, afp