Deutschland-Fans wider Willen Diese Investoren halten deutschen Aktien die Treue

Von Arne Gottschalck

Was für eine Woche - allein am Donnerstag brach der Dax  um 3,6 Prozent ein. Zum einen, weil zuletzt Zweifel aufkamen an der Leistungsfähigkeit der Weltwirtschaft: "Beunruhigend ist, dass die Zuversicht von Dienstleistungsunternehmen fällt und gleichzeitig das Vertrauen der Fertigungsindustrie nach einem längeren Einbruch feststeckt", so Jeremy Lawson, Chefvolkswirt von Standard Life Investments.

Zum anderen hat aber auch Mario Draghi zuletzt nicht so geliefert, wie es die Investoren gern hätten. Die EZB habe die Märkte enttäuscht, murrte Toby Nangle von Columbia Threadneedle. Draghi enttäuscht, titelt auch die Markteinschätzung von Frank Engels, dem Leiter des Rentenfondsmanagements bei Union Investment. Und, ganz unbritisch direkt, tadelt Simon Ward, der Chefvolkswirt bei Henderson Global Investors: "Die EZB hat ihre Kommunikationsstrategie mit Blick auf das Treffen übel gehandhabt". Weil die Märkte offenbar ein Mehr an Stimulus erwartet hatten und Aktien - enttäuscht - prompt fallen ließen.

Und dennoch gibt es eine ganze Reihe Investoren, hochbezahlte Finanzprofis mit einem gerüttelten Maß an Marktkenntnis, die der deutschen Aktie die Treue halten. Zum einen jene, die an die Stärke der deutschen Aktie und des Dax  glauben. Die Überzeugungstäter, wenn man so will. Aber dann eben auch die, die müssen. Ein Überblick über die Typologie der Nibelungen wider Willen.

Larry Fink & Co.

Foto: © Ruben Sprich / Reuters/ REUTERS

Larry Fink ist Vorstandschef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock und gebietet über ein 4,5-Billionen-Dollar-Imperium. Zum Großteil wird das Geld in Exchange Traded Funds investiert, in ETF. Die bilden einen Börsenindex nach, wie zum Beispiel den britischen FTSE 100  oder eben den deutschen Dax . Rund 10 Milliarden zum Beispiel stecken in dem ishares-Dax-ETF von Blackrock. Und das Vehikel, ebenso wie die anderen ETF, bildet nun einmal den Dax nach.

Verlauft werden Aktien nur, wenn sich das Gewicht eines Unternehmens im Gesamtindex verändert. Ansonsten ist der Anleger bei Aufwärtsbewegungen ebenso dabei wie in Phasen, in denen es abwärts geht.

Blackrock beziehungsweise dessen ETF gehörten im Sommer, ließe sich etwas zugespitzt formulieren, rund 5 Prozent Deutschlands.

Tim Albrecht & Co.

Foto: DWS

Aktienfondsmanager wie Tim Albrecht sind ein ähnlicher Fall. Eigentlich haben sie die Freiheit, jene Aktien zu kaufen, die sich für richtig halten. Doch was, wenn sie am liebsten abseits stehen würden, weil ihnen die Emotionen an der Börse zu hochgekocht erscheinen? Das klappt bei Deutschland-Aktienfonds wie Albrechts DWS Deutschland nicht. Rund 50 Milliarden Euro stecken hierzulande in entsprechenden Publikumsfonds.

Doch Albrecht wie seine Konkurrenten muss nun einmal vor allem in deutsche Aktien investieren. Auch wenn sie den gesamten Markt möglicherweise für wenig vielversprechend halten.

Was können sie dennoch machen? Absicherungsgeschäfte tätigen. Oder Cash-Bestände aufbauen, also Aktien verkaufen und damit die Quote des nicht investieren Geldes erhöhen. Normalerweise sind das um die 5 Prozent des Fondsvermögens. Aber die Anlagerichtlinien der Fondsanbieter schreiben in aller Regel vor, dass Aktienfonds eben nicht vollständig auf Sicherheit setzen und quasi zum Sparbuch mutieren können und nennen eine bestimme Höchstquote. Abgesehen davon scheuen etliche Fondsmanager eine zu hohe Cash-Quote. Denn wenn es an der Börse wieder nach oben geht, fallen sie hinter der Konkurrenz zurück, die bereits investiert ist.

Otto-Normalanleger & Co.

Foto: Peter Kneffel/ picture alliance / dpa

Belegschaftsaktionäre sind eine weitere Spezies der Deutschland-Nibelungen. Sie bekommen ihre Aktien vom Arbeitgeber - wer beim Daimler  schafft, bekommt also die entsprechenden Wertpapiere. Das gleiche Bild bei Siemensianern oder VW-Mitarbeitern. Sie bekommen die Aktien zu reduzierten Kosten und vergelten es mit Treue.

Übrigens wortwörtlich. Denn in der Regel verpflichten sie sich, die Aktien einige Zeit nicht zu verkaufen. Außerdem gilt die Klientel als verhältnismäßig duldsamer Investor. Vermutlich auch aus der persönlichen Engagement, die sich aus dem täglichen Miteinander mit dem Unternehmen ergibt.

Eine machtvolle Gruppe? Im Gegensatz zu den ersten beiden Gruppen, den ETFs und den Fondsmanagern nein. Denn nur rund 800.000 Belegschaftsaktionäre gibt es in Deutschland. Immerhin 800.000 Getreue.