Kein Einzelfall in China "Wo ist unser CEO?"

Von Arne Gottschalck

Erst vor wenigen Tagen machte die Nachricht die mediale Runde, dass mit Guotai Junan International eine große chinesische Broker-Firma Yim Fung vermisst, ihren CEO. Das berichtet zumindest "CNN money".  Nun legt "CNN Money" nach  - eine ganze Reihe chinesischer Entscheider ist verschwunden. Eine Nachricht mit Wumms.

Unscharfes Foto, unklarer Verbleib: Yim Fung ist CEO von Guotai Junan International - und verschwunden

Unscharfes Foto, unklarer Verbleib: Yim Fung ist CEO von Guotai Junan International - und verschwunden

Foto: Youtube; Tin Viet

Denn der CEO ist kein bloßer Grußonkel, kein silberhaariger Ehrenpräsident der Frühstücksgarde. Entsprechend fiel der Börsenkurs von Guotai prompt um 12 Prozent.

Mit dieser Verlustmeldung ging das Unternehmen am Montag an die Öffentlichkeit und die Börse reagierte, wie skizziert, deutlich. Dabei hatte Guotai Junan sogar vorgesorgt: Das Geschäft liefe "normal und stabil", vermeldete das Unternehmen und präsentierte auch einen Interims-Nachfolger, Vize-CEO Wong Tung Ching. Vergebens. Und kein Einzelfall, wie diese Auflistung zeigt.

Poon Ho Man? Weg

Foto: Corbis

Poon Ho Man war CEO von China Aircraft und trat am 17. Juni diesen Jahres mit sofortiger Wirkung von dem Posten zurück. Wo er steckt? Weiß augenscheinlich keiner.

"Außer einigen Gerüchten in den Medien hat der Vorstand keine Information über angebliche Untersuchungen", heißt es von China Aircraft. Kontakt aufnehmen hätte man nicht können. Die Aktien des Hauses haben in diesem Jahr bereits 26 Prozent an Wert verloren.

Mao Xiaofeng? Weg

Foto: REUTERS

Ein ähnliches Bild bei Mao Xiaofeng, Präsident der China Minsheng Bank. Ein chinesisches Magazin habe berichtet, so "CNN", dass der Mann den Behörden bei Untersuchungen helfe. Anfang des Jahres war er daher nicht zu erreichen. Im Februar wurde dann kolportiert, er sei aus "persönlichen Gründen" zurückgetreten.

Die Monate verstrichen, aber der Verbleib von Mao Xiaofeng war immer noch ungeklärt. Die Aktien des Hauses? Rutschten um 20 Prozent.

Li Hejun? Weg

Foto: Hanergy; CNTV

Bei Hanergy erschien Li Hejun, einst reichster Chinese, nicht zur Hauptversammlung im Mai. Mit den ersten Worten seines Stellvertreters ans Auditor fiel der Aktienpreis, binnen einer Stunde um 47 Prozent.

Später hieß es, Li habe eine Messe in Beijing besucht. Und es würden Untersuchungen gegen ihn angestrengt.

Warum?

Die Gründe für das Verschwinden von Yim & Co. sind zumindest offiziell also offen. Allerdings fällt es in eine Phase aufgeregter Untersuchungsaktivitäten chinesischer Behörden. So wird derzeit unter anderem gegen Yao Gang ermittelt, den Vize-Chef der chinesischen Börsenaufsicht China Securities Regulatory Commission. Von 1999 bis 2002 arbeitete er als Manager bei Guotai Junan.

Auch gegen Xu Xiang, Fondsmanager bei Zexi Investment, wird wegen Insider-Handels ermittelt. Einige Wochen zuvor war bereits Zhang Xun inhaftiert worden, Präsident der Agricultural Bank of China, immerhin drittgrößte der Welt. Diese Ereignisse beantworten natürlich nicht die Frage nach dem Verbleib Yim Fungs und seiner Kollegen. Aber sie werfen ein beredtes Licht auf diese Personalien.

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