Donnerstag, 22. August 2019

Erinnerungen eines Bankers Der Mann, der Prostituierte mit Flaschen aus der Minibar bezahlte

Dinge bleiben nicht im Fahrstuhl: Twitter-Account @GSElevator
manager magazin online
Dinge bleiben nicht im Fahrstuhl: Twitter-Account @GSElevator

Vor gut einem Jahr flog John LeFevre auf. Inkognito hatte er auf Twitter jahrelang angebliche Gesprächsfetzen aus den Fahrstühlen der US-Investmentbank Goldman Sachs zum Besten gegeben. Schlüpfrige Witze, abfällige Bemerkungen, arrogante Sprüche - die Goldmänner kamen nicht gut weg in den Tweets, die LeFevre über den Account @GSElevator verbreitete. Tatsächlich gab es kaum ein Banker-Klischee, das er darin nicht bediente.

Die Twitter-Gemeinde dagegen liebte LeFevres 140-Zeichen-Botschaften. Als die "New York Times" im Frühjahr 2014 seine Identität enthüllte, hatte der @GSElevator-Account bereits mehr als 600.000 Follower.

Für LeFevre war der Spaß damit jedoch zunächst einmal vorbei. Der Texaner war zwar eine Zeit lang im Rentengeschäft der Citigroup tätig gewesen. Bei Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen aber, das kam nun heraus, hatte er nie gearbeitet.

Hinzu kommt: Bei einigen seiner Tweets soll es sich um Plagiate gehandelt haben. Auch das löste in der Öffentlichkeit nicht eben Begeisterungsstürme aus.

Neuerdings Buchautor: Banker und Twitterer John LeFevre
Die Folge: Ein lukrativer Buchdeal, den LeFevre bereits in der Tasche zu haben glaubte, platzte. Und der enttarnte Spaßvogel verschwand in der Versenkung.

Bis jetzt. Denn nun ist John LeFevre wieder da. Im Gepäck: Jenes Buch, dessen Veröffentlichung ihm im vorigen Jahr noch um die Ohren geflogen war. "Straight to Hell - True Tales of Deviance, Debauchery, and Billion-Dollar Deals" heißt das Werk. Mitte Juli soll es auf den Markt kommen.

Einige US-Medien durften aber offensichtlich bereits hineinschauen - die meisten waren nicht sehr begeistert von dem, was sie darin fanden.

Kurz zusammengefasst beschreibt LeFevre demnach die zweifelhafte Mitarbeiterauswahl amerikanischer Banken im Asien der 2000er Jahre, als Institute wie Citigroup oder Goldman Sachs angeblich reihenweise die Sprösslinge reicher Chinesen einstellten, nur um an das Geld der Eltern zu kommen. Zudem geht es um Insidergeschäfte sowie - und das ist offenbar der Schwerpunkt von "Straight to Hell" - um die ausführliche Darstellung des ausschweifenden Lebens junger Investmentbanker, mit jeder Menge Alkohol und Drogen, hübschen Damen sowie viel, viel Geld.

Vieles also, das so oder so ähnlich auch schon anderswo zu lesen oder zu sehen war. Ein Beispiel ist der Hollywood-Streifen "Wolf of Wall Street" mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle, basierend auf den Erinnerungen des Wall-Street-Brokers Jordan Belfort.

Christoph Rottwilm auf Twitter
Kaum eine Seite befinde sich in LeFevres Buch, auf der nicht das Wort "Nutte" oder "Kokain" vorkomme, schreibt beispielsweise das US-Magazin "Fortune". Auf vielen Seiten stünden beide. LeFevre in Buchform, so "Fortune", erscheine wie jemand, der verzweifelt um Aufmerksamkeit werbe. Ähnlich einer Plauderei im Fahrstuhl - Stichwort @GSElevator -, die nicht ende, weil der Gesprächspartner auf der gleichen Etage aussteige.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung