Erinnerungen eines Bankers Der Mann, der Prostituierte mit Flaschen aus der Minibar bezahlte

Dinge bleiben nicht im Fahrstuhl: Twitter-Account @GSElevator

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@GSElevator: Das Beste (angeblich) aus dem Fahrstuhl von Goldman Sachs

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Vor gut einem Jahr flog John LeFevre auf. Inkognito hatte er auf Twitter jahrelang angebliche Gesprächsfetzen aus den Fahrstühlen der US-Investmentbank Goldman Sachs zum Besten gegeben. Schlüpfrige Witze, abfällige Bemerkungen, arrogante Sprüche - die Goldmänner kamen nicht gut weg in den Tweets, die LeFevre über den Account @GSElevator   verbreitete. Tatsächlich gab es kaum ein Banker-Klischee, das er darin nicht bediente.

Die Twitter-Gemeinde dagegen liebte LeFevres 140-Zeichen-Botschaften. Als die "New York Times" im Frühjahr 2014 seine Identität enthüllte, hatte der @GSElevator-Account bereits mehr als 600.000 Follower.

Für LeFevre war der Spaß damit jedoch zunächst einmal vorbei. Der Texaner war zwar eine Zeit lang im Rentengeschäft der Citigroup tätig gewesen. Bei Goldman Sachs  aber, das kam nun heraus, hatte er nie gearbeitet.

Hinzu kommt: Bei einigen seiner Tweets soll es sich um Plagiate gehandelt haben. Auch das löste in der Öffentlichkeit nicht eben Begeisterungsstürme aus.

Neuerdings Buchautor: Banker und Twitterer John LeFevre

Neuerdings Buchautor: Banker und Twitterer John LeFevre

Die Folge: Ein lukrativer Buchdeal, den LeFevre bereits in der Tasche zu haben glaubte, platzte. Und der enttarnte Spaßvogel verschwand in der Versenkung.

Bis jetzt. Denn nun ist John LeFevre wieder da. Im Gepäck: Jenes Buch, dessen Veröffentlichung ihm im vorigen Jahr noch um die Ohren geflogen war. "Straight to Hell - True Tales of Deviance, Debauchery, and Billion-Dollar Deals" heißt das Werk. Mitte Juli soll es auf den Markt kommen.

Einige US-Medien durften aber offensichtlich bereits hineinschauen - die meisten waren nicht sehr begeistert von dem, was sie darin fanden.

Kurz zusammengefasst beschreibt LeFevre demnach die zweifelhafte Mitarbeiterauswahl amerikanischer Banken im Asien der 2000er Jahre, als Institute wie Citigroup oder Goldman Sachs angeblich reihenweise die Sprösslinge reicher Chinesen einstellten, nur um an das Geld der Eltern zu kommen. Zudem geht es um Insidergeschäfte sowie - und das ist offenbar der Schwerpunkt von "Straight to Hell" - um die ausführliche Darstellung des ausschweifenden Lebens junger Investmentbanker, mit jeder Menge Alkohol und Drogen, hübschen Damen sowie viel, viel Geld.

Vieles also, das so oder so ähnlich auch schon anderswo zu lesen oder zu sehen war. Ein Beispiel ist der Hollywood-Streifen "Wolf of Wall Street" mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle, basierend auf den Erinnerungen des Wall-Street-Brokers Jordan Belfort.

Kaum eine Seite befinde sich in LeFevres Buch, auf der nicht das Wort "Nutte" oder "Kokain" vorkomme, schreibt beispielsweise das US-Magazin "Fortune" . Auf vielen Seiten stünden beide. LeFevre in Buchform, so "Fortune", erscheine wie jemand, der verzweifelt um Aufmerksamkeit werbe. Ähnlich einer Plauderei im Fahrstuhl - Stichwort @GSElevator -, die nicht ende, weil der Gesprächspartner auf der gleichen Etage aussteige.

Er entleerte sich in einem kleinen Flugzeug

Nicht sehr begeistert ist auch Matt Levine, der das Werk für "Bloomberg Businessweek" bespricht . LeFevre bezahle eine Prostituierte mit Flaschen aus einer Hotel-Minibar, schrotte einen Maserati und entleere sich in einem kleinen Flugzeug ("poops on a small plane"). Das sei "ein wenig langweilig", so Levine.

Nach seiner Einschätzung werden in dem Buch sämtliche negativen Klischees und Vorurteile gegenüber der Wall Street und dem Investmentbanking verarbeitet. Alle, die geneigt seien, Banker zu hassen, würden sich bestätigt sehen, schreibt Levine. Und alle, die geneigt seien, eine Karriere mit Unzucht und Drogen einzuschlagen, würden ihre Chance erblicken.

Levine jedenfalls, der selbst einige Jahre im Investmentbanking hinter sich hat, sieht die Realität in "Straight to Hell" ganz und gar nicht korrekt abgebildet. Er ist allerdings möglicherweise nicht ganz unvoreingenommen - sein Arbeitgeber von 2007 bis 2011 hieß Goldman Sachs.

Sollten John LeFevre die Rezensionen seines Buches jedenfalls nicht gefallen, bleibt ihm immerhin noch eine Option: Er könnte die Promotion in eigene Hände nehmen. Seinem Twitter-Account @GSElevator  folgen inzwischen immerhin mehr als 700.000 Nutzer.

Rückblick: Die besten Sprüchen (angeblich) aus dem Fahrstuhl von Goldman Sachs