Brandbrief des JP-Morgan-Chefs an seine Investoren Vor diesen Gefahren warnt Jamie Dimon - besonders vor einer

Von Arne Gottschalck

Einmal im Jahr greift Jamie Dimon zur Feder. Und schreibt einen Brief an seine Investoren, die Anteilseigner der börsennotierten Bank. Es steht zu vermuten, dass auf den 50 Seiten etliche Artigkeiten stehen, Dank für die Treue als Aktionär zum Beispiel. Auch die Bestätigung der unternehmerischen Vision der Bank wird nicht fehlen. Doch finden sich darin auch ernste Worte, nämlich eine Aufzählung dessen, was Dimon Sorgen macht.

Auch in der Vergangenheit hat Dimon seine Sorgen zu Papier gebracht - und immer wieder an Wall Street und Washington für Aufsehen gesorgt, wie "Bloomberg"  protokolliert.

Es lohnt also, sich diese Sorgen anzusehen.

Investment-Angst

Investmentbank: Ein Geschäftsmodell mit Fragezeichen? Nicht für Dimon, er sorgt vor

Investmentbank: Ein Geschäftsmodell mit Fragezeichen? Nicht für Dimon, er sorgt vor

Foto: NEIL HALL/ Reuters

Angst um die Zukunft der Investmentbanken hat Dimon nicht. Aber immerhin handelt sein Haus, was für eine gewisse Sorge spricht. Denn JP Morgan investiert zum Beispiel in seine Trading-Kapazitäten, während einige Rivalen in diesem Segment die Kosten zurückfahren.

"Trading", schreibt er, sei eine absolut kritische Funktion einer modernen Gesellschaft - für Groß- wie Kleininvestoren, für Unternehmen wie Regierungen. Da die Welt wachse, werde auch die Nachfrage nach dem Trading wachsen, weil weltweit das verwaltete Vermögen (…) wachse.

US-Leitzinsen

Fed-Chefin Janet Yellen: An ihren Entscheidungen hängt das wirtschaftliche Schicksal der Welt

Fed-Chefin Janet Yellen: An ihren Entscheidungen hängt das wirtschaftliche Schicksal der Welt

Foto: Michael Reynolds/ dpa

Die US Zinsen treiben den Herren über JP Morgan ebenfalls nicht wirklich um. Immerhin sind sie niedrig und sorgen damit dafür, dass viel Geld in Umlauf ist. Geld, was sicherlich seine Wege auch in die Depots und auf die Konten der Kunden von JP Morgan findet. Allerdings betrachtet Dimon das Werken von Fed-Chefin Janet Yellen trotzdem nicht ohne Sorge.

Denn was, wenn die Zinsen schneller stiegen als erwartet und die Welt damit überraschten? Steigende Konsumlust könnte dann die Nachfrage der Investoren nach dem sicheren Hafen, den US-Staatsanleihen, reduzieren. "Wenn das mit zehnjährigen Staatsanleihen geschieht, wäre das Ergebnis nicht so geschmeidig wie wir alle hoffen", schreibt er.

Südamerika

Dilma Rousseff : In Brasilien massiv in die Kritik geraten

Dilma Rousseff : In Brasilien massiv in die Kritik geraten

Foto: ADRIANO MACHADO/ REUTERS

Auch Südamerika ist nicht so problematisch wie viele meinen, zumindest nicht aus Sicht des US-Amerikaners. Beispiel Brasilien - dort könne man nur in einem extrem ungünstigen Szenario Geld verlieren. Derzeit habe die Bank rund 11 Milliarden Dollar im Land investiert. Aber man wolle sich nicht zurückziehen, weil die langfristigen Aussichten vermutlich gut sind - auf Jahrzehnte. Die Kabalen um Regierungschefin Dilma Rousseff, sie scheinen Dimon nicht zu stören. Das gleiche gilt für Argentinien.

Man habe dort zuletzt etwas mehr Geld investiert, auch wenn das Land Beispiel für eine "schreckliche Politik" gewesen sei.

Regulierung

Bitte viel Sorgfalt: Regulierung der Finanzmärkte, eine Arbeit für Feinmechaniker?

Bitte viel Sorgfalt: Regulierung der Finanzmärkte, eine Arbeit für Feinmechaniker?

Foto: David Ramos/ Getty Images

Auf dem Thema Regulierung indes ruht der Blick Dimons schon eher sorgenvoll. Das müsse erneut auf den Prüfstand, wenn auch nicht im aktuellen politischen Umfeld. "Wir wollen das nicht alles neu überarbeiten", schreibt Dimon.

Nur ein paar kleine Ideen und sinnvolle Modifikationen.

Brexit

Noch vereint: Die EU und Großbritannien

Noch vereint: Die EU und Großbritannien

Foto: Christopher Furlong/ Getty Images

Doch der Brexit ist es, der Dimon anscheinend am meisten umtreibt. Sollte das Land tatsächlich die Europäische Union verlassen, wären die Folgen "groß und potentiell unbekannt", so Dimons Worte. Im besten Fall würde das Land hunderte Handelsabkommen schnell mit der EU und anderen Ländern der Welt erneut verhandeln. Und selbst dieses Szenario würde in Jahren der Unsicherheit münden, einer Unsicherheit, die die Wirtschaft Großbritanniens, aber auch der EU beschädigen würde. Und dann gibt es noch das üblere Szenario.

"Das ist übrigens nicht einmal das 'worst-case-scenario'." Der Brexit könnte massive Vergeltungsmaßnahmen der EU-Länder gegenüber Großbritannien nach sich ziehen, unter denen beide Seiten leiden würden. Es sei eben schwierig, die langfristigen Folgen einzuschätzen, ob es nun auf eine Stärkung der Union hinauslaufe - oder ein Auseinanderbrechen.