Die drei Mythen der Weltwirtschaft Star-Investor James Montier spricht Klartext

Von Arne Gottschalck
James Montier: Freund klarer Worte - und bunter Hemden

James Montier: Freund klarer Worte - und bunter Hemden

Foto: GMO

James Montier ist nicht nur ein Mann, der auf Fotos eine gewisse Vorliebe für bunte Hemden demonstriert. Er ist auch Fondsmanager bei GMO und Kollege von Jeremy Grantham und vermutlich einer der bekanntesten Investoren der Welt. Das dürfte Grund Nummer eins sein, seine Worte zu lesen. Grund Nummer zwei ist viel profaner - denn Montier weiß seine Worte in Szene zu setzen.

So warnte er 2014 vor der "dümmsten Idee der Welt". Und geißelte damit die Idee des "shareholder value". Wie er wohl weiß, eine unpopuläre Haltung - so als spräche er sich gegen Mutterschaft oder Apfelkuchen aus. Seine Worte.

Oder er murrte über die Gretchenfrage Inflation oder Deflation: "Keiner weiß, ob wir Inflation oder Deflation bekommen, Prognosen dazu sind Unsinn."

Nun hat Montier wieder zur Feder gegriffen und sich daran gemacht, Mythen der Weltwirtschaft zu enttarnen. Wohl wissend, dass er damit eine ganze Reihe Politiker und Experten vor den Kopf stößt. Unter ihnen Warren Buffett, Seth Klarman, Paul Singer, Angela Merkel und Barack Obama. Sagt er selbst.

Seine Meinung formuliert er dennoch. Und das deutlich, wie es offenbar die Art von Montier ist.

Mythos 1 - Regierung wie Privathaushalt? Nimm das, Kanzlerin!

Angela Merkel: Das Bild der "schwäbischen Hausfrau" ist nichts für Montier

Angela Merkel: Das Bild der "schwäbischen Hausfrau" ist nichts für Montier

Foto: Rainer Jensen/ dpa

Was für ein Beispiel - Montier habe viele Kühe und der Leser sei ein begabter Zeltflickschuster. Montier liefere dem geneigten Leser Milch und Käse, dafür repariere der das Zelt, wann immer es nötig sein. Doch dann kommt Montier Ihnen auf die Schlicke - den gleichen Deal haben Sie mit dem Schmied, dem Kerzenzieher, praktisch mit allen gemacht. Und haben deswegen eigentlich nie Zeit, alle Flicknachfragen zu befriedigen.

Sie haben damit Schulden. Aufs ganze Dorf bezogen, sei das also ein Übermaß an privaten Schulden. Und natürlich ein Hemmschuh. Lähmt das automatisch auch einen ganzen Staat?

Nein, schreibt Montier - im Gegensatz zu Kanzlerin Angela Merkel, die gern das Beispiel der schwäbischen Hausfrau nennt.

Denn Nationen könnten einfach Geld begeben, "ex nihilo" schaffen, aus dem Nichts. Das kann der Zeltflickschuster nicht, das kann das genannte Dorf nicht. Aber zum Beispiel die Federal Reserve Bank (Fed) der Vereinigten Staaten von Amerika.

Mythos 2 - hohe Schulden = hohe Zinsen

Immer rein damit: Ein Burger als ökonomisches Lehrstück?

Immer rein damit: Ein Burger als ökonomisches Lehrstück?

Foto: TOSHIYUKI AIZAWA/ REUTERS

Defizite sind nicht nachhaltig. Oder anders gefasst - irgendwann sei ein Haushaltsdefizit nicht mehr nachhaltig. Stimmt so nicht, findet Montier. Denn die Auguren nähmen damit an, dass sich nichts ändert, kein Parameter. Und wie wahrscheinlich ist es, dass sich das reale Wachstum in den kommenden 750 Jahren nicht verändert?

Ein Beispiel macht das deutlich, schreibt Montier. Und erinnert an den Film "Supersize Me"? Einen Monat lang wollte Morgan Spurlock sich nur von Speisen der Schnellrestaurantkette mit dem goldenen M ernähren. McDonalds von morgens bis abends.

Das mag ein Kindheitstraum gewesen sein. doch in Zahlen liest es sich laut Montier so: 5000 Kalorien am Tag zugeführt, 2500 verbraucht. Die "Nettokalorienzufuhr" sorgte dafür, dass Spurlock pro Tag ein Pfund Gewicht zulegte.

Ökonomen der oben genannten Schule könnten nun das Bild fortschreiben. Jeden Tag ein Pfund mehr Gewicht, und bald würde Spurlock größer als sein Haus sein, größer als die Erde, als das Universum - und dann würde er ein schwarzes Loch schaffen und das Universum verschwände darin. Kann das passen, fragt Montier? Und liefert seine Sicht der Dinge: Natürlich nicht - entweder Spurlock ändert seine Essgewohnheiten. Oder er stirbt.

Mythos 3 - billiges Geld führt in die Inflationshölle

Nach dem regen kommt die Flut? Angst vor der Inflation

Nach dem regen kommt die Flut? Angst vor der Inflation

Foto: Corbis

Geld drucken führt in die Inflation, in steigende Inflation. So lautet die gängige Meinung, so lautet auch die Angst der deutschen Regierung (die Montier an dieser Stelle allerdings nicht direkt anspricht). Die Wurzeln dieser Angst und natürlich auch dieser volkswirtschaftlichen Lesart liegen laut Montier irgendwo in den Untiefen der quantitativen Theorie des Gelds.

Die besagt, des intellektuellen Überbaus beschnitten, nichts anderes, als dass Ausgaben die gleiche Höhe wie Einnahmen aufwiesen. Zur Inflation käme es dagegen, wenn die Regierung die Wirtschaft "über ihre Grenzen treibe".

Dem Montierschen Realitäts-Check hält das indes nicht stand. Er blickt in die Vergangenheit und sieht nur eine Phase, in der Gelddrucken in Inflation mündete.

Das waren die USA im zweiten Weltkrieg, als der Krieg das Defizit nach oben trieb, der Handel kriegsbedingt danieder lag und erst nach dem Ende des Kriegs scharf ansprang.

Seine Schlussfolgerung? Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Defizit und Inflation. Noch nicht genug?

An dieser Stelle geht es zum Original-Schreiben.