Mittwoch, 19. Februar 2020

Jedes Jahr mehr Geld? Warum Sie Ihre jährliche Gehaltserhöhung bald vergessen können

Jedes Jahr mehr Gehalt: Kein Modell für die Zukunft, schreibt "Bloomberg"
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Jedes Jahr mehr Gehalt: Kein Modell für die Zukunft, schreibt "Bloomberg"

Es hat etwas von einem Ritual - der Handschlag mit dem Vorgesetzten in einem kleinen Büro, die Bitte, sich an den Besprechungstisch zu setzen und dann ein kurzer Parforce-Ritt durch die Höhen und Tiefen der abgelaufenen 12 Monate des Berufslebens. An dessen Ende steht dann mit etwas Glück die Erklärung, das Unternehmen sei zufrieden und werde daher eine Gehaltserhöhung von 1,5 Prozent veranlassen.

Noch sprechen 90 Prozent der Unternehmen einmal im Jahr eine solche oder ähnliche Gehaltserhöhung nahezu automatisch aus, so eine Mercer-Studie mit Blick auf die USA. Doch dieses Ritual scheint an Bedeutung zu verlieren, notiert "Bloomberg".

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"Dieser klassische Prozess wird von den Unternehmen derzeit genau beobachtet, ist unter Belagerung, wenn man so will", erklärt Steve Gross von der Personalberatung Mercer. Unter anderem auch, weil keiner diese Erhöhungen wirklich wertschätzt, ergänzt Evren Esen von der Society for Human Resource Management. "Denn üblicherweise sind sie nicht so hoch."

Kein Motivationseffekt - und noch eines spricht in den Augen der Experten gegen dieses Ritual. Denn kein Vorgesetzter kann sich an das ganze Jahr erinnern. Bloomberg berichtet, dass auch Manager schon einmal einräumen, die Höchstleister unter ihren Untergebenen ebenso einzuordnen wie jene, die hinterherhinken. Und selbst wenn ein gedächtnisstarker Vorgesetzter sich erinnert; seine möglicherweise berechtigte Kritik verhallt oftmals. Immer wieder monieren Mitarbeiter, dass es nichts nütze, nach einem Jahr von einem eventuellen Fehlverhalten zu hören. Ändern könne er es ja nicht mehr.

Damit wäre der regelmäßigen Gehaltserhöhung der argumentative Boden entzogen. Denn zum einen soll sie für gute Leistungen belohnen, zum anderen für die Zukunft einen Anreiz setzen.

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